BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Wir werden es wohl nicht ohne einen dritten Weltkrieg schaffen…

Als Gene Roddenbery 1966 der Welt Star Trek präsentierte, war dies eine beinahe nie dagewesene Utopie: Die Menschheit lebte in Frieden, es gab kein Geld mehr, keine Gier, kein Neid, man arbeitete für das allgemeine Wohl zusammen sich stetig zu verbessern und nach immer höheren zu streben. Hoch technologisiert, ohne das die Technik dabei selbst wirklich im Vordergrund steht. Mitten im Kalten Krieg arbeiteten auf der Brücke der Enterprise Amerikaner, Chinesen und Russen zusammen. Während der schlimmsten Rassenunruhen war eine schwarze, selbstbewusste Frau ein vollwertiges Mitglied der Crew. Zugegeben, gewisse sexistische Züge kann man der originalen Serie vorwerfen, aber mit Sicherheit war Uhura nicht nur nettes Beiwerk.

Roddenberry’s großartige Utopie lag eine fiktive Geschichte zu Grunde, die dereinst zum Frieden auf Erden, der Sternenflotte und der Vereinigten Föderation der Planeten führen sollte. Diese Geschichte war vor allem von einem Ereignis geprägt – Krieg. Nicht irgendein Krieg, ein weiterer Weltkrieg, dieses Mal atomarer Natur der 600 Millionen Menschenleben forderte. Eine Zahl die Roddenberry sicher weitaus höher angesetzt hätte, wenn er sich hätte vorstellen können das alleine 2018 ca. 7,5 Milliarden Menschen diesen Planeten bewohnen. 

Wie auch bei Independence Day und anderen Katastrophenfilmen oder Geschichten, war scheinbar auch Roddenberry davon überzeugt das die Menschen ohne ein solch schreckliches Ereignis was ihre Existenz bedroht nicht in der Lage wäre sich wirklich weiterzuentwickeln. Die Popkultur ist voll davon, was sagt uns das? 

Eben lass ich einen Tween über einen Menschen der fortan alles boykottieren wollen würde, worauf Halal steht. Weil Toblerone jetzt Halal zertifiziert sind. Sie produzieren zwar schon immer so, aber Halal ist ja Islam und Islam ist böse, also muss man das boykottieren. Mit solchen Menschen kann man Star Trek nicht machen. 

Wir schauen sehenden Auges mit an, wie wir unsere Natur zerstören, wir haben die mittel das zumindest aufzuhalten, wenn auch nicht umzukehren aber wir sind unfähig oder unwillig überhaupt nur über ein Kohleausstieg oder darüber weniger Fleisch aus Massentierhaltung zu fressen zu diskutieren. Wir empören uns nicht über die Milliarden die nur in diesem Land, was für die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte verantwortlich ist, ausgegeben werden, gleichzeitig schauen wir aber mit Verachtung auf die Ärmsten der Armen hinab und wollen ihnen noch das bisschen HartzIV streitig machen. Wir regen uns über Blödigkeiten auf, empören uns über Nichtigkeiten. Wir machen mit Freude und ohne jede Rücksicht das Klima kaputt und ätzen dann über Migranten ohne einen Zusammenhang herzustellen. Wir sind dumme, blinde, wütende, unzivilisierte Schafe. Wir können so viel und wir machen so wenig. All das fantastische Potential, was an Hass, Vergangenheit und Dümmlichkeiten verschwendet wird. Statt die zu feiern die uns Visionen einer anderen Zeit versuchen zu erklären, freuen wir uns über ihr Scheitern. Weil wir Kleingeister sind, unseres Verstandes nicht würdig. 

Ich werde älter und ich werde zynischer. Dies ist das Schlimmste was einem naiven Träumer passieren kann. Ähnlich dem Boxer der zu zivilisiert wird um weiter kämpfen zu wollen. Zu können wirklich. Ich verliere den Glauben daran das sich Dinge in meiner Lebenszeit wirklich ändern können. Und das ist das deprimierende, ändern sich doch ständig Dinge. Als Teenager hätte ich mir so etwas wie das iPhone oder Social Media doch gar nicht vorstellen können, dabei war ich ja seit jeher Trekkie. Alles ändert sich doch ändert sich nichts. Es ist wie mode: Die Menschen sehen anders aus, doch bleiben sie gleich. Ich glaube langsam nicht mehr daran das wir fähig, viel mehr willens sind uns wirklich weiterzuentwickeln. Der Krieg im Jemen zum Beispiel kann von eine Handvoll alter, weißer Männer jederzeit beendet werden. Doch geschieht das nicht, stattdessen sterben dort Tausende. Einfach so. Wir nehmen hin das Kinder verdursten, weil sie keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser haben. Währenddessen lassen sich irgendwelche Scheichs die Motoren ihres Ferraris vergolden, einfach nur damit dieser sich von dem ihrer Kumpels unterscheidet, die alle einen fahren. In einem der reichsten Land der Erde, sind Menschen gezwungen im Winter draußen zu schlafen und Kinder leben in Armut. Mein Gehirn kann das nicht mehr verstehen und doch kenne ich die Antwort: Politik. All das ist gemacht, nicht Gott gegeben, sondern gewollt. Es ist ein abgefucktes System was viele vernünftig leben lässt, wenige zu Gewinnern macht und einige zu absoluten Verlierern. Kollateralschaden. 

Trotz inspirierender Beispiele zweifle ich an unserer Intelligenz und der Fähigkeit den nächsten Schritt zu machen. Es scheint zu viele zu geben die sich das nicht vorstellen können oder wollen. Im Deutschen Parlament sitzen nach nur sieben Jahrzehnten nach Kriegsende Rechtsradikale und Extreme. Wie kann man das irgendeiner intelligenten Spezies erklären? Noch immer behaupten Menschen das sich Geschichte nicht wiederholt, tut sie doch nichts anderes als das. Wir wiederholen sie, weil wir dann wenigstens wissen was kommt. Weil wir vor dem Unbekannten mehr Angst haben als vor Tod und Zerstörung. Die Krone der Schöpfung die selbst nicht versteht wie sie je dazu werden konnte. Wir werden das alleine nicht schaffen. Wenn sich nicht doch nochmal eine außerirdische Macht dazu erbarmt uns beinahe komplett auszulöschen oder wir uns aus irgendwelchen Gründen die Atombomben um die Ohren hauen, weiß ich nicht wie wir mal weiter kommen wollen und unsere kleinlichen Unterschiede überwinden wollen. Universelle Menschenrechte, so schwer ist das doch nicht. Warum fällt es uns so schwer das überall anzuerkennen und das durchzusetzen? 

Eine letzte große Hoffnung könnte der Klimawandel sein. Doch was machen wir, wenn wir zu spät handeln und auch der letzte Vollidiot zu spät aufwacht? Was bringt es uns das Klima retten zu wollen, es so stabilisieren zu wollen das es für uns zum überleben reicht, wenn es zu spät ist. Es gibt doch all die schlechten Dystopien, warum ist uns das nicht Lehre genug? Wollen wir in ein paar Jahrzehnten wirklich Kevin Costners Waterworld als hellseherisches, visionäres Werk abfeiern, was uns vor einer schrecklichen Zukunft warnen wollte? Ich will das wirklich nicht, ich hasse diesen Film! Alle Dystopien – und ist das nicht komisch – ein solcher Text von einem Menschen der sich immer den Utopien hat zugezogen gefühlt und Dystopien immer schrecklich fand? Langweilig und fad. Vor allem traue ich mir selber nicht. Es graut mich vor der Idee die nächsten Jahrzehnte hoffnungslos der Menschheit beim blöde sein zu gucken zu müssen. 

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By Ben
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