BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Vom Anfang und Ende von Träumen

Eigentlich bin ich ja ein ziemlich glücklicher Bastard. Während andere Menschen antriebslos durchs Leben manövrieren, ohne Ziel, ohne Leidenschaft, dem Zufall oder den Launen des Schicksals ausgeliefert, weiß ich eigentlich ganz genau, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Und das schon seit jeher, mindestens seitdem ich ein Teenager bin. Ich suche meine Erfüllung nicht darin Vater zu werden, ein Haus zu bauen, zu heiraten oder eine international erfolgreiche Firma aufzubauen. All das, hat mich nie wirklich gereizt. Nein, was ich will, ist Geschichten zu erzählen. Ich glaube, dass ich auf dieser Erde zu dieser Zeit bin, um ein Geschichtenerzähler zu sein. Und ich glaube, dass mir nie die Ideen ausgehen würden. Warum, tue ich es dann nicht? Warum investiere ich nicht jede freie Minute in die Verwirklichung meiner dutzenden von Ideen? Sicher, die meisten davon werden nichts sein, aber es muss ja nur erst mal eine ein wenig funktionieren. Warum trage ich diese Idee von mir als Autor wie eine Monstranz vor mir her, verstecke sie dann aber in den dunkelsten Ecken meines Verstandes? Warum, tue ich alles nur nicht wirklich an der Verwirklichung meines Traumes zu arbeiten?

Weil ich Angst davor habe, was mit mir passiert, wenn ich herausfinde dass ich das nicht kann. Das es wirklich nur ein Traum ist, eine Spinnerei, eine Möglichkeit, aber eben nicht real. Wenn ich lernen muss, dass ich nicht gut genug bin, dass ich es einfach nicht kann. Ist es nicht besser, ein Leben lang mit der Hoffnung zu leben, dass man etwas könnte anstatt der Gewissheit, dass es dies eben nicht ist? Nein, ist es nicht! Das ist eine der Erkenntnisse der letzten Tage und Wochen. Selbst wenn es das nicht ist, so kann ich einen neuen Traum träumen. Auch wenn ich in diesem Moment nicht die leiseste Ahnung habe was das sein könnte, so ist es nie zu spät für Träume, oder?

Ich bin jetzt knapp 38. Ich kann mich den nächsten Jahren intensiv meiner Schreiberei widmen. Ich habe wirklich dutzende Ideen, von Kolumnen, über Bücher, Kurzgeschichten, Serien, Werke von Satire und bösartigen Humor. Es ist wirklich einiges. Ich kann all das ausprobieren. Und sollte nichts davon ein Publikum finden, sollte mir am Ende nichts davon gefallen, dann ist das vielleicht zunächst einmal bitter. Aber ich kann dann auch sagen, ich habe es ehrlich versucht. Wenn ich die nächsten zwei Jahre so viele dinge wie möglich ausprobiere und mit 40 feststelle, das ist es nicht, ich bin einfach kein Autor, dann bin ich immer noch jung genug, für einen neuen Traum. Das ist mir letztlich klar geworden. Ich glaube das solche Lebensträume, solche Leidenschaften etwas besonderes, etwas seltenes ist. Ich glaube nicht, dass man einfach so einen neuen aus dem Ärmel zaubern kann, aber wie mit der Liebe glaube ich eben das man dieser auch mehrmals begegnen kann. Mit ein wenig Glück natürlich.

Ich fühle mich als wäre ich nun fast dazu bereit, alle Bedenken vom Scheitern zunächst beiseite zu lassen, der Angst davor mir am Ende eingestehen zu müssen den falschen Traum gelebt zu haben nicht weiter einzerzufallen und es einfach auszuprobieren. Fast, denn etwas hält mich immer noch. Es ist vor allem die Zeit und Ruhe. Intensives Schreiben kostet Kraft, die habe ich so gerade noch nicht. Dafür versuche ich gerade zu vieles zu bewegen aber ich muss mich dem annähern. Ich fühle mich mit dieser Erkenntnis das es andere Träume in meinem Leben kann ein Stück weit freier. Etwas weniger eingeschlossen. Ich kann es einfach probieren. Ohne Stress, ich habe Zeit. Aber ich will sie auch endlich nutzen. Dinge ausprobieren. 40 erscheint mir dann als ein gutes Stage Gate zwecks Resümee. Wo werde ich dann wohl stehen? Was werde ich dann wohl machen? Seit langer Zeit blicke ich dem mit Neugierde entgegen. Ich glaube, ich freue mich auf mich …

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By Ben
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