BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Status Quo

Ich konnte ein wenig nachdenken die letzten Tage. Mehr also sonst. Ein paar freie Tage, weniger extrinsischer Stress (der intrinsische muss ja auch mal reichen), mehr me-time. Ich habe eine Beobachtung gemacht, die mir überhaupt nicht gefällt: Ich habe (man merkt so etwas ja selten in dem Moment) zum Ende des Jahres, einiges meiner positiven Grundüberzeugung eingebüsst, verloren wirklich. Wer sich mal durch diese Seiten gräbt, mag sich wundern – positive Grundüberzeugung? Wovon redet der Mann? Säuft der Lack? Mitnichten, man gewähre mir, mich zu erklären.

Selbst in meinen schlimmsten Phasen, habe ich mich immer als Optimist begriffen, als eine positive Kraft einfach deswegen, weil ich nicht Amok gelaufen oder einfach im Bett geblieben bin. Ich habe immer funktioniert, immer meine Pflicht erfüllt und versucht andere mit den nötigen Respekt zu behandeln. Ich bin dabei nicht grinsend wie ein Honigkuchenpferd durch die Welt gestiefelt, habe mich immer mal wieder in der Decke der Misanthropie eingekuschelt, an sich aber war ich kein Pessimist. Ich klinge nur ab und an wie einer. Ein realistischer, leicht eingetrübter Optimist mit ein paar schlechten Erfahrungen. Aber kein wirklich negativer Mensch. Ich mag negative Menschen nicht. Sie geben mir nichts, mit dem ich arbeiten kann. Noch immer mögen einige widersprechen und sie hätten auch nicht ganz unrecht. Das eine ist, was man von außen sieht, das andere was sich hinter den Augen abspielt. Dazu kommt noch ein mieser, dunkler Humor mit dem nicht alle klar kommen, der für mich aber bis zum heutigen Tage überlebensnotwendig ist.

Dennoch war mir das irgendwann nicht mehr genug. Ich wollte mehr vom Leben, habe ein paar Dinge geändert. Gar nicht mal so viele. Gut, für ein Menschen wie mich ist ein neuer Job eine essentielle Sache. Ich lebe seit Jahren mehr für die Arbeit, als das ich arbeite um zu leben aber das ist ein anderes Thema. Es ging mir besser, auch und vor allem weil ich von anderen überrascht angesprochen wurde, dass ich ja eine ganz andere Ausstrahlung hätte, viel lebens-bejahender und zuversichtlicher wirke. Ich glaube ja, das dies vor allem bestimmten Dingen geschuldet war, die ich einfach weniger thematisiert habe. Nein, eigentlich stimmt das auch nicht. Meine Einstellung zu bestimmten Dingen hat sich tatsächlich verändert. Es gibt Dinge, die für mich früher ein großes Drama gewesen wären, welche mich heute kaum noch berühren. Ich bin dankbar dafür auch wenn ich mich frage, ob das letztlich einfach nur eine Folge des älter werden ist oder aber Resignation. Ich weiß es nicht genau.

Ich gefalle mir so jedenfalls besser. Nicht als dümmlicher Optimist der Allem etwas Gutes abgewinnen kann und keine Dunkelheit kennt. Es gibt Dinge, die sind scheiße und die darf man dann auch so empfinden. Ich darf auch traurig und verzweifelt sein, all das gehört dazu finde ich. Aber ich will mich nicht davon bestimmen lassen. Und ich will Dinge akzeptieren können, die ich nicht ändern kann. Ich will nicht das mich Dinge aus der Bahn werfen, die ich eh nicht ändern kann, sondern ich will mich dem annehmen und das Beste daraus machen. Ich hatte Fortschritte gemacht, war dem viel näher gekommen und fühle mich gerade so, als sei dies wieder bedroht ins Gegenteil zu kippen. Ich glaube auch, ich weiß warum (auch wenn ich es grad vermeide, zu viel darüber nachzudenken): bei allem was ich so tue, ich änder kaum wer ich bin. Das ist vielleicht auch nicht möglich. Weil ich bin, was und wer ich bin, kriege ich bestimmte Dinge nicht hin. Ich lenke mich mit anderen Dingen ab, sie nehmen meine Wahrnehmung voll ein so das ich die Bereiche in denen ich versage und seit Jahren, Jahrzehnten keine Fortschritte mache, aus den Augen verliere. Natürlich nie vollständig, aber doch so das es mich weniger beschäftigt. Wenn dort aber Ermüdung, Ernüchterung oder was auch immer eintritt, treten diese Dinge wieder mehr ins Rampenlicht. All die Bereiche in denen ich mich klein und wertlos fühle, all die Riesen die mich anklagen und wissen lassen, dass ich dieses oder jenes einfach nicht kann …

Ich habe einiges versucht, aber kann irgendwie nicht aus meiner Haut. Auch dafür gibt es eine einfache, simple Erklärung die ich aber nicht bedienen und akzeptieren möchte. Auch nicht ungewöhnlich, wird mir die Zeit immer bewusster. Eben noch war ich Anfang 20, nun soll ich auf einmal 35 sein … Ich habe das Gefühl, das mir die Zeit weg rennt. So vergehen weitere fünf Jahre in denen eigentlich nichts passiert. Man kann so leben, aber ich spüre, man sollte es nicht. Ich bin langsam und lerne bestimmte Dinge nur sehr, sehr schwer. Das ein solcher Satz – man sollte so oder so leben – totaler Quatsch ist, weil es totaler Quatsch ist sich mit anderen zu vergleichen, weiß ich zwar schon länger, aber es fällt mir immer noch schwer, das umzusetzen.

Ich bin Work in Progress – und das werde ich immer sein. Ich will glaube ich auch gar nicht, dass das mal anders ist. Wenn ich von anderen lese das sie angekommen sind, erschrecke ich immer etwas. Was mache ich denn den Rest meines Lebens, wenn ich irgendwo angekommen bin? Lustigerweise fehlt mir dafür die Phantasie … Gerade habe ich das Gefühl, die letzten Monate wieder ein paar Schritte zurück begangen zu haben, zumindest gefühlt war ich schon mal etwas weiter. Nun liegt ein neues Jahr vor uns, ein neues Jahrzehnt sogar. Generell habe ich mir abgewöhnt damit besondere Erwartungen zu verknüpfen. Es geht morgen erst mal genauso weiter, wie auch die letzten Monate, Jahre. Dennoch ist es immer eine ganz nette Gelegenheit, sich zu sortieren, ein paar Dinge bewusst zu machen und sich zu fragen, worauf man sich die nächsten Monate konzentrieren möchte. Worauf man das bisschen Energie was einen diese Art von Existenz lässt, verwenden möchte. Hier, sollte man weise wählen. Eines meiner vielen nicht vorhandenen Talente. Humor – so wichtig.

Die Frage was mich glücklich machen würde, kann ich nach wie vor nicht beantworten. Die Frage, warum ich nicht einfach mehr Dinge ausprobiere, um dem näher zu kommen dies irgendwann einmal herauszufinden, will ich denke ich nicht beantworten, denn ich glaube das ich mich der Antwort wegen schämen würde. Es nützt aber nichts, irgendwie muss ich daran. Ich fange also an, mir einen Plan für 2020 zurecht zu basteln. Den werde ich heute noch nicht fertig stellen, muss ich ja auch nicht. Aber in den nächsten Tagen. Ich werde versuchen der negativen Stimme in mir wieder etwas resoluter entgegen zu treten. Ich werde ihr immer Raum geben, ich glaube auch das ich sie im Kreativen (was ich nicht mehr habe aber sehr vermisse) auch brauche. Glück schreibt bekanntlich mit weißer Tinte. An anderer Stelle aber, brauche ich sie nicht. Ich muss mir wieder mehr Raum verschaffen und mir klar machen, dass es nichts bringt sich in diesen Vortex aus Resignation und Verzweiflung zu stürzen. Was soll dabei schon herauskommen? Doch ist es anstrengend stets an dessen Rand zu kämpfen. Vielleicht sind solche Phasen der Erschöpfung (körperlich wie auch seelisch) auch vollkommen normal. Vor allem am Ende des Jahres. Gar nicht erst von Januar und Februar zu sprechen, Monate mit denen ich überhaupt nicht klar komme.

Der Status Quo ist, dass man sich seiner Lage bewusst ist. Und man missbilligt sie – das ist immerhin schon mal etwas. Man wird sich damit beschäftigen, wie man diese wieder etwas mehr in Richtung Licht und Erleuchtung drehen kann. Es geht ja nur Stück für Stück. In diesem Sinne, schönen Mittwoch!

1 comment

By Ben
BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Recent Posts

Recent Comments

Archives

Categories

Meta