BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Sozialliberalismus

Apropos ratioradikal. Der von sich selbst extrem überzeugte Wolfgang Kubicki meinte kürzlich in einem Welt-Interview, dass die AfD ihren Zenit erreicht oder sogar schon überschritten hätte. Gleichzeitig rief er zur Gelassenheit im Umgang mit den Abgeordneten der Alternativen im höchsten Parlament des Landes auf. Immerhin seien die auch demokratisch gewählt. Recht hat der Mann. Und sicher ist es so, dass sich diese Arschgeigen immer weiter verschwören und radikalisieren je mehr man sie in die Ecke drängt und angeht, wie das Cem Özdemir in seiner kürzlich ausgezeichneten Rede vor ein paar Monaten tat. Dennoch geil. Ich verstehe das alles, aber vielleicht ist das auch zu viel Gelassenheit. Ist nicht auch diese aushaltenden, relativierende Geisteshaltung mit Schuld daran das es so etwas wie die AfD überhaupt gibt? Rechte, fernab des demokratischen Kurses hat es in diesem und jeden anderen Land der Erde immer gegeben. Rassismus als Erbe unserer Stammesherkunft ist etwas, mit dem jede Gesellschaft kämpft. Wenn sie das denn tut. Bei Zeiten war das aber eine kleine, widerliche Minderheit die sich wenn dann nur im Dunklen raus getraut haben. Heute lassen sich Menschen stolz mit AfD’lern fotografieren. Das wirk auf mich einfach nur falsch und kaputt. Die Rechten sind in der Mitte angekommen – da haben sie nichts zu suchen und sie müssen zurück gedrängt werden.

Anyway, das war es gar nicht was ich an dem Interview so bemerkenswert fand. Kubicki sprach in diesem Interview von einer Sozial-liberalen Wende, dem Wiederaufleben des Sozialliberalismus. Das fand ich interessant. Solange ich denken kann, nehme ich die FDP als Erfüllungsgehilfe der Wirtschaft wahr. Als, formulieren wir es freundlich, Partei die allem was sozial ist höchst skeptisch gegenüber steht. Leistung, Leistung, Leistung. Noch dazu hat die FDP bei mir den Ruf einer Umfaller-Partei weg. Das Fähnchen immer da, wo der meiste Wind weht. Ich habe auch noch keinen FDP-Wähler getroffen, den ich sympathisch fand – alle waren Egoisten denen es vor allem um sich selbst ging. Als die FDP nicht im Bundestag war, hat mir nichts gefehlt. Dennoch finde ich die Idee interessant. Nicht das RotGelb oder GelbRot gerade rein rechnerisch eine Mehrheit hätte, aber wäre das etwas was funktionieren könnte? Na klar, hat es schon mal aber das waren sehr andere Zeiten. Für mich ist die FDP nichts weiter als die CDU ohne den ganzen Christen-Quatsch. Heißt, sie stehen bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungen deutlich offener gegenüber. Auch traue ich ihnen zu die Digitalisierung und Infrastruktur-Erneuerung entschiedener voranzutreiben. Aber reicht das? Von einem starken Sozialstaat halten die doch nichts. Das wiederum spricht für ein Bündnis mit dieser sPD – die halten da ja auch nichts von. Aber diese sPD braucht eben auch keiner. Mühlezwick.

Kubicki ist einer dieser Politiker den ich gerne zuhöre, obwohl ich seine Weltansicht nicht teile. Ein Demokrat, ein wenig selbstverliebt, aber fest verwurzelt im demokratischen Grundkonsens. Natürlich auch ein Dogmatiker, das ist wohl jeder Berufspolitiker, aber dennoch kann ich ihm deutlich leichter zuhören als jeden Unionspolitiker. Dann wiederum setzt er auch gerade die Grünen und die AfD gleich. Bezogen sicher nur aufgrund der Art & Weise wie sie argumentieren, weniger bezogen auf die Inhalte. Das ist natürlich quatsch und wiederum Futter für die Anhänger der Kaputten aber das weiß er auch. Der Mann ist halt auch Taktiker dem es daran gelegen ist den Höhenflug der Grünen zu beenden und auf ihre Größe zurück zu schrumpfen. Wenn man selbst schon nicht wächst, müssen wenigstens auch die anderen klein bleiben. Der Typ ist halt ziemlich abgewichst.

Anyway, weil R2G wohl nie passieren wird, muss ich nach Alternativen Ausschau halten. Die Grünen bringen mir dabei nichts wenn das bedeutet das die Schwarzen weiter regieren. Es geht mir vor allem darum die verdammte Union endlich wieder in die Opposition zu schicken wo sie an ihrer ewig gestrigen Scheiße meinetwegen ersticken können. Es bleiben dann nicht mehr viele Alternativen. Für RotGrün wird es nicht reicht, RotGelb Stand jetzt natürlich auch nicht. RotGelbGrün oder GrünRotGelb kann ich mir irgendwie nicht vorstellen. Wobei ich vermutlich bei allen drei Parteien etwas finde, was ich richtig und wichtig finde. Hmm, GRG unter Kanzler Habeck. Klingt gar nicht so doof. Muss ich mal drüber nachdenken.

Bild : Michael Kappeler

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By Ben
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