BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Soziale Unlust

Kürzlich lass ich das meine Generation im Schnitt mit 3-5 Sozialen Netzwerken interagiert. Erschien mir viel. Nun gilt aber natürlich z.B. auch YouTube im weitesten Sinne als soziales Netzwerk, wenn die meisten von uns es wohl auch anders nutzen. Wenn ich also mal auf mein Verhalten schaue, komme ich auf folgende soziale Netzwerke:

  • LinkedIn
  • Twitter
  • YouTube

Ich habe seit einigen Jahren kein Facebook Account mehr, ein Instagram Account habe ich, benutze ich aber quasi nicht. Zähle ich das aber noch dazu, komme ich auf vier, bin also voll im Schnitt. Stimmt also. LinkedIn benutze ich viel und gern. Vor allem um mich mit News zu versorgen, sicher auch ein wenig zur Selbstdarstellung aber tatsächlich mag ich es dort unterwegs zu sein. Es ist – aufgrund des Fokus in Sachen Arbeit – weniger platt als Facebook aber eben auch nicht nur Bierernst. Die meisten nutzen es ja rein zur Selbstdarstellung, andere gehen etwas darüber hinaus und teilen auch nicht-professionelle Inhalte, ohne aber zu persönlich zu werden. Ich tänzle irgendwie dazwischen.

Mein liebstes soziales Netzwerk ist sicher Twitter. In Deutschland gehöre ich dazu zu einer Minderheit, so heißt es zumindest immer. Twitter sei ein elitäres Netzwerk wo sich vor allem Politiker und Journalisten begegnen, plus eben ein paar verwirrte Bekloppte die mitlesen und rumpöbeln. Angeblich sind auf Twitter täglich 0,6 Millionen User aktiv, während es auf Facebook 23 Millionen sein soll. Schon krass. Da ich weder Politiker, noch Medienmacher bin, scheine ich zu den letzten zu gehören. Keine Überraschung hier. In meiner Bubble kommt mir Twitter immer gar nicht so klein vor, aber eben das ist ja das gefährliche an Bubbles. Ich habe es, wie in allen Netzwerken nie zu einer respektablen Größe gebracht. Wirklich angestrebt habe ich das auch nie, oder anders – ich wollte nie wirklich etwas dafür tun. Ich will eben das schreiben, was mir in den Kopf kommt oder eher das, was daraus muss. Das scheint aber eben nur Wenige zu interessieren, was dann auch okay ist. Gerne hätte ich ein paar Follower mehr, aber eben nicht um den Preis, mich zu verstellen oder dem ganzen mehr Bedeutung einzuräumen, als es haben sollte. Auch wenn ich mich mit Monofokussierung auskenne, so soll sich nicht mein Leben darum drehen. Ich nutze Twitter vor allem als Ventil, als eine Möglichkeit sich mitzuteilen ohne anderen auf den Keks zu gehen. Es ist ja an jedem selbst zu entscheiden, ob man darauf reagieren möchte, oder nicht. Ich bin gegen diese Aufmerksamkeitsökonomie nicht immun. Ich freue mich auch wenn ein Tweet von vielen geliked wird, mehr als ich sollte denke ich. Aber da das selten passiert, ist es für mich auch kein großes Drama, wenn dem nicht so ist.

Auch wenn ich mit Facebook nichts mehr anfangen kann, so finde ich soziale Netzwerke grundsätzlich gut. Neben allen Gefahren, bieten sie auch viele tolle Möglichkeiten. Immer wieder liest man von Freundschaften oder sogar die große Liebe die ohne das eine oder andere soziale Netzwerk nicht möglich gewesen wären. Weder gehören soziale Netzwerke verteufelt noch sollte man sie als die letzte Rettung der Menschheit begreifen. Es ist wie mit jedem Medium – es ist am Ende das, was man daraus macht. Ich mache da aber nicht mehr viel draus. Und dies ist am Ende schon der Grund für diesen langen Text, ich stelle bei mir immer mehr eine Ermüdung in Sachen soziale Netzwerke fest. Das ist am Ende ja auch gar nicht schlimm, man kann ja auch mal eine Pause machen, auch braucht niemand wirklich diese virtuellen Realitäten. Aber stimmt das so? Wenn man, wie ich nicht wirklich gut darin ist, neue Freundschaften zu erschließen oder bestehende zu pflegen (oder erst mal zu erkennen – das absolute Pro-Level) dann ist so ein soziales Netzwerk schon eine Stütze nicht vollkommen zu vereinsamen. Mag das Gefühl von “Ich bin nicht komplett alleine” am Ende mehr Illusion als alles andere sein, so kann es halt geben. Das sollte man nicht einfach so aufgeben, oder?

Ich habe nicht vor mich mit großen Bohei theatralisch aus den wenigen sozialen Netzwerken zu verabschieden, weil das am Ende gar nicht notwendig ist. Ich verbringe immer weniger Zeit damit weil ich einfach keine Lust mehr habe. Das wäre wie gesagt auch vollkommen okay, aber ich denke eben das es Symptom eines größeren Problems ist – ich hab allgemein auf kaum noch etwas Lust und das bedrückt mich. Ich finde es okay, weniger Lust auf social media zu haben. Aber Lust an sich, finde ich schon ganz gut. Lust ist nicht nur ein schönes Wort, es ist ein schöner, lohnender Zustand. Schön, wenn man Lust teilen kann aber Lust alleine zu genießen, in welcher Form auch immer, ist auch schön. Und es lohnt sich. Lust, regt den Geist an. Alles was den Geist anregt, ist gut. Wusste schon Pumuckl.

Wie kam ich von Twitter auf Lust … Nudes? Nein, das war es nicht. Ach ja, es fehlt die Lust sich weiter der Welt mitzuteilen. Der Geschmack an Öffentlichkeit. Ich tue das schon noch, aber irgendwie mit weitaus weniger Verve. Dahinter steckt nicht mehr diese Überzeugung oder Feuer. Ein wenig Routine, ein wenig wollen-müssen, aber nicht wirklich neckische Lust. Ich vermisse das aber. Auf Twitter sind viele Deppen unterwegs, weil in der Welt einfach viele Deppen unterwegs sind, aber auch viele tolle Menschen. Vor allem die gebrochenen Biographien faszinieren. Diese zu finden, mit ihnen in Kontakt zu kommen, irgendeine Art von Beziehung aufzubauen, kostet aber Zeit und Wille. Dazu fehlt es gerade und das belastet mich. Über 900 Wörter um zu teilen das man irgendwie keine Lust hat. Nun, ich kann es noch …

Bild Quelle: fullon.de

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By Ben
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