BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Road to Therapie

Als ich mich vor zehn Jahren um meine erste Gesprächstherapie bemühte, war das eine recht langwierige Sache. Ich hatte mich zunächst bei einem Institut gemeldet, dort gab es eine Art telefonische Anamnese. Nachdem man der Meinung war, das dies eine Therapie rechtfertigte, musste ich bei drei verschiedenen Therapeuten vorsprechen, die sich unabhängig voneinander ein Bild von mir machten. Anschließend wurden mir verschiedene Therapeuten vorgeschlagen, von denen ich dann einen erwählte. So ist es in meiner Erinnerung und ich meine, dass ganze zog sich über Monate hin, kann ich aber auch nicht mehr beschwören. Derzeit, versuche ich es ein wenig anders.

Eine Freundin hatte mich auf eterminservice.de aufmerksam gemacht. Nachdem man sich hier einen Vermittlungscode generiert (und gespeichert!) hat, finde man hier tatsächlich umgehend freie Termine. Ich war überrascht. Allerdings wusste ich auch nicht genau, wie das System funktioniert. Es ist ein Erbe der Spahn’schen Pseudo-Hilfe-Politik das Therapeuten bis zu drei Gesprächsstunden über jene Portale anbieten müssen, ohne aber zwangsläufig einen Therapieplatz frei zu haben. In akuten Notsituationen können diese drei Sitzungen natürlich auch hilfreich sein, sie ersetzen aber natürlich keine Langzeittherapie. Wie so vieles was Spahn verbrochen hat, evtl. gut gemeint aber eben schlecht gemacht. Natürlich kann man hier auch Glück haben, dass man an jemanden gerät die oder der dann auch tatsächlich einen Platz frei hat. Ich hatte kein Glück.

Als nächstes habe ich dann therapie.de ausprobiert. Hier kann man natürlich etwas besser filtern, eben nach freien Plätzen, Kostenerstattungsverfahren usw. – wirklich ein gutes Angebot! Ich habe bis jetzt ca. 15 Therapeutinnen angeschrieben. Einige sind im Urlaub, andere melden sich gar nicht und wieder andere schicken trotz das sie angeblich Plätze frei haben Absagen. Die sind aber auch wichtig, dazu gleich mehr. Es ist ja ein Merkmal von Depressionen das man sich extrem gut um administrative Dinge kümmern kann und vor allem, das man sehr gut mit Zurückweisungen umgehen kann. Nicht. Ich empfinde dieses Verfahren persönlich immer noch als Herausforderung, für mich aber machbar. Ich kann aber verstehen dass es für Personen denen es viel schlechter geht als mir eine immense Zumutung darstellt. Innerhalb von zwei Wochen habe ich nun zwei Termine zwecks Vorstellung für eine Langzeittherapie – allerdings hatte ich jetzt auch Urlaub und einfach etwas mehr … Energie oder zumindest Zeit.

Zum Thema Kostenerstattungsverfahren. Man wird wohl kaum einfach so einen freien Platz bei einer Therapeutin oder Therapeuten mit Kassensitz finden. Diese sind einfach auf ewig ausgebucht. Wohl gemerkt, es gibt genug Therapeutinnen und Therapeuten, aber nicht genug Kassensitze. Dies ist politisch gewollt und wurde von der Anstalt mal vorzüglich auseinander genommen, finde aber keinen Clip dazu. Wenn man aber nun nicht selbst zahlen kann oder will (jene Patienten finden natürlich sofort etwas) gibt es die Möglichkeit des Kostenerstattungsverfahren. Hierfür muss man neben einer Dringlichkeitsbescheinigung vorweisen können, das man von insgesamt zehn Praxen abgelehnt wurde. So kann dann auch eine Praxis ohne Kassensitz die Behandlung durchführen, weil die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt. Genau das bereite ich jetzt nebenher vor und hoffe, damit erfolgreich zu sein. Am wichtigsten ist, das mir die Therapeutin nächste Woche kompetent wie auch sympathisch erscheint und ich das Gefühl habe, mit ihr arbeiten zu können. Das wäre erst mal das wichtigste. Zunächst kann ich die Kosten auch alleine tragen, was ich aber natürlich nicht will, wenn ich es nicht muss.

Dies habe ich vor allem deswegen aufgeschrieben, weil es ja vielleicht den einen oder anderen helfen mag, die oder der sich in einer ähnlichen Situation befindet und noch weniger Ahnung hat, als ich das habe.

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By Ben
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