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Ratioradikal

In seiner etwas drögen Weihnachtsansprache (ehrlich, der Mann ist einfach so was von langweilig) sprach Bundespräsident Steinmeier davon, dass wir mehr miteinander reden sollen, aufeinander zugehen und auch die Meinung anderer aushalten lernen müssen. Oder so. Die Medien berichten darüber, weil sie es müssen. Gehört sich halt, aber an sich hat das Null Nachrichtenwert, finde ich. Leeres Geblubber. Na klar muss ich die Meinung anderer aushalten. Alles was nicht empirisch belegt werden kann, unumstößlich wahr ist, ist immer nur Meinung und daher diskutierbar. Bei Twitter bilden sich angesichts dessen zwei Lager: Unbedingte Zustimmung und konsequente Ablehnung nach dem Motto – mit Nazis rede ich nicht!

Nun, von Nazis hat der Mann explizit nicht gesprochen. Ich unterstelle Herrn Steinmeier, dass er wie ich Rassismus nicht für eine Meinung hält, etwas was man diskutieren kann. Sollte er das implizieren – das meint Rechtsradikale, Rassisten, Rechtsextreme, Nazis oder Neo-Nazis – dann muss man dem natürlich widersprechen. Mit diesen Leuten rede ich natürlich nicht. Warum nicht? Weil ich deren krudes Weltbild nicht noch dadurch legitimieren möchte, in dem ich mich dazu herablasse deren Schwachsinn mit Argumenten zu würdigen. Problem ist natürlich, es ist ja niemand rechtsextrem, Nazi, radikal oder Hetzer. Man sieht sich selbst als Patriot, besorgter Burger, als einer der wenigen der das ganze linksgrundversiffte Geseire durchschaut den Ernst der Lage erkennt. Niemand ist Nazi und deswegen ist auch die AfD nicht die Partei der Nazis. gut, da gibt es mal verbale Ausfälle, aber das sind Einzelfälle. Alle. Dem gegenüber stehen ja auch ganz viele gute Aussagen und überhaupt – Nazis das sind die, die Juden vergasen wollen. Wer will das denn? Gut, finden sich auch ein paar Anhänger der AfD die das skandieren, aber hey – Einzelfälle. Nichts hat mit nichts zu tun.

Ich denke, 2019 muss die Zivilgesellschaft, der viel-beschworene Souverän und aufrechte Demokrat radikaler werden. Radikal – das Wort mögen wir in Deutschland nicht. Entweder verbinden wir damit die Linksradikalen der RAF oder aber die Rechtsradikalen des NSU. Beiden Gruppierungen waren bestimmte Leben egal, beide haben gemordet und die Grenzen allen denkbaren überschritten. Doch muss es doch noch was dazwischen geben. Ratioradikal vielleicht? Und habe ich nicht eben selbst noch geschrieben das ich nicht mit Rechtsradikalen diskutieren will (was ich übrigens zumindest virtuelle immer mal wieder tue)? Ja, konsequent bin ich wie die meisten seltener als gehofft, aber das meine ich auch nicht. Wir haben nun zugelassen das der Diskurs deutlich nach rechts verschoben wurde. Wir haben Rechtsextreme ins Parlament gelassen, wir lassen Nazis die Parolen wie “Wer Deutschland liebt ist Antisemit” durch die Innenstädte marodieren, wir nehmen lauter rechtsradikale Einzeltäter im Dienste des Staates einfach so hin, wir kotzen nicht allesamt im Strahl wenn Menschen bei Anti-Menschen-Demos skandieren “Absaufen lassen, absaufen lassen” wenn es um Seenotrettung geht. Es reicht. Es muss reichen. Die Demokratie ist gefährdet, wir werden sie nicht alleine durch Verständnis und Verharmlosung à la “Hass ist halt auch eine legitime Meinung” retten können. Nein, Sir. Wer so drauf ist, kann hier eben nicht leben. Erster Paragraph Grundgesetz “die Würde des Menschen ist unantastbar” – das gilt für alle Menschen, nicht nur für die, die eine deutsche Mutter haben.

Die moderne, liberale Gesellschaft muss lauter, radikaler und konsequenter werden. Dazu gehört auch das Kinobesitzer von ihren Hausrecht gebrauch machen und einen bekannten Hetzer des Saales verweisen. Jeder Bouncer jeder beschissenen Disse kann das machen. Juckt auch niemanden. Zumal wenn die ganze Aktion von vorne bis hinten darauf angelegt war, PR für das eigene Würstchentum zu machen. Oder woher auf einmal das Interesse an eher linken Filmvorführungen? Der Skandal hier ist das BLÖD-Zeitung und Co nur allzu gerne auf die Selbstviktimisierung der AfD-Arschlöcher reinfallen und den Feind wie immer links suchen. Nein, der Feind steht rechts. Groß, braun, wütend. Diese ewig-gestrigen Arschlöcher hauen uns hier gerade alles kaputt was wir uns über Jahrzehnte mühsam zusammen demokratisiert haben. Daneben stehen und auch noch Verständnis für deren Hasserfüllte Scheiße zu zeigen, wird unsere liberale Gesellschaft nicht retten. Und wenn die Politik zu zögerlich ist, dann muss es eben das Volk richten, das Volk was zumindest noch mehr ist als diese verblendeten Arschlöcher. Keine Toleranz mehr gegenüber rechten Wichsern, konsequente Ablehnung jeglichem rechtsextremen und radikalen Gedankenguts. Niemand muss so scheiße sein. Kommt halt klar, Penner.

Bild : dpa

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By Ben
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