BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Nachtrag #1: Schweiger vs. Gutmenschen

Dann beginne ich mal mit den Versuch, endlich ein paar Altlasten abzuarbeiten. Beginnen möchte ich mit Til Schweigers Wutrede bei Markus Lanz vom 1. Februar. Eigentlich war der gute Til nur da um etwas Promo für KOKOWÄÄH zu machen. Im dritten Teil der Show ging es dann um den Mordfall an den 10-jährigen Mirco, wo Til nicht mehr an sich halten konnte und sich in einer mehr-minütigen Wutrede verlor. Ich will da gar nicht unbedingt drauf eingehen, jeder normal denkende Mensch wird ihn zustimmen das es in solchen Diskussionen vor allem um die Opfer, denn um die Täter gehen sollte. Und natürlich muss eine Gesellschaft das Recht haben, solch abartige Kreaturen den Rest ihres Lebens weg zusperren. Die Diskussion erübrigt sich meiner Meinung nach.

Was mich verärgert hat, waren die Reaktionen danach. Nicht die Zustimmung an sich, daran sieht man das der Großteil unserer Gesellschaft doch noch richtig tickt. Ausflippen könnte ich aber bei diesen typischen Kleinbürger-Spruch: “Endlich traut sich mal einer das zu sagen!”

Was soll das? Wir haben doch alle eine Stimme, wenn jemand was zu sagen hat, dann soll er sein Maul aufmachen und es sagen. Wir leben in einen freien Land, jeder kann hier aussprechen was er denkt. Ich brauche kein Til Schweiger um mich gegen Kindesmissbrauch aufzulehnen. Ich brauche niemanden der mir vorsagt, was ich zu denken habe, worüber ich empört sein soll. Ich kann selbst denken, ich habe ein Stimme und ich nutze sie.

Sicher, ein Til Schweiger genießt nun mal mehr mediale Aufmerksamkeit als ich (sicher, ich hab ja auch keine), aber dennoch muss ich nicht warten bis der gute Til mal im Fernsehen ausflippt bevor ich darüber nachdenke und eine Meinung entwickle. Dieses dümmliche Kleinbürgertum, dieses Gutmenschengehabe, dieses überhaupt nicht bewusst sein der eigenen Meinung, der eigenen Stimme, das kotzt mich so an. Es nervt mich. Wenn sich jeder seiner Stimme mal wieder etwas bewusster wäre, könnten wir die Zügel die wir so freiwillig abgegeben haben, auch mal wieder selbst in die Hand nehmen. Wenn unsere Gesellschaft der Meinung ist, das Kindermörder, Vergewaltiger usw. zu lasch bestraft werden, dann müssen wir gemeinsam Druck auf die Politik ausüben damit diese unsere Wünsche nach einen gerechteren Justizsystem umsetzen und das lamentieren aufhören.

Zum Verständnis, dieser Artikel richtet sich in keinster Weise gegen Til Schweiger falls das so rüberkommt. Ich liebe diesen Typ und stehe natürlich wie alle anderen absolut hinter dem, was er bei Herrn Lanz gesagt hat. Der Mann ist vierfacher Vater und fühlt da sicher noch ganz anders als ich. Dieser Artikel richtet sich ganz einfach gegen das dümmliche Kleinbürgertum, gegen dieses unselbstständige Was-Soll-Ich-Denken-Gehabe, dieses woher soll ich wissen ob mich das erschüttert wenn die BLÖD-Zeitung nicht darüber schreibt? Wir sind alles mehr oder weniger intelligente einzigartige Menschen und sollten alle eine eigene Meinung  haben, auch ohne das uns prominente Persönlichkeiten erzählen, was wir zu denken haben. Amen.

4 comments

  • schade, im letzten Part haste ja die Bild Zeitung schon erwähnt…

    Darauf beruht doch in irgendeiner Art und Weise unser ganzes deutsches System. Nur was mir “schwarz auf weiß” vorgetragen wird, muss auch richtig sein. Eigene Gedanken entwickeln und sich selbst einen Kopf um etwas machen kann doch nicht richtig bzw. eine Lebensaufgabe werden?! Das ist unmöglich. Ich werde ja schließlich “nicht bezahlt zum denken, sondern zum Arbeiten!” Es ist nicht meine Aufgabe, Dinge zu ändern die ich nicht ändern kann!

    *KOTZ*

    ?????????
    ist das in anderen Ländern auch so?

    • Ich denke nicht dass das ein typisch “Deutsches Problem” ist, ich glaub das ist in vielen anderen Ländern genauso. Unsere Geschichte hat aber vielleicht dafür gesorgt, dass wir nicht wie andere Staatsbürger allzu schnell den Aufstand proben. Wir sind fleißige Bienchen, ohne Gewerkschaften demonstrieren wir nicht. Staatsstreich? Sehr undeutsch…

      Wir sind auf andere Art ebenso manipuliert wie die Amis, uns gegen den Staat zu erheben, echte revolutionäre Veränderungen zu fordern, ist nicht unsere Art. Alles muss schön in geordneten Bahnen verlaufen.

      Engagement erfordert Nachdenken und Arbeit, da haben viele kein Bock drauf. Lieber BLÖD-Zeitung lesen, die sagen einen schon, was man gut oder schlecht zu finden hat. Diejenigen die sich engagieren, Zusammenhänge hinterfragen sind ja auch nicht glücklicher 😉

  • “Wenn unsere Gesellschaft der Meinung ist, das Kindermörder, Vergewaltiger usw. zu lasch bestraft werden, dann müssen wir gemeinsam Druck auf die Politik ausüben damit diese unsere Wünsche nach einen gerechteren Justizsystem umsetzen und das lamentieren aufhören.”

    Richtig, Ben, messerscharf erkannt. Aber das ist ja so ungleich schwieriger und setzt erheblich mehr persönliches Engagement voraus, als alle vier Jahre ein paar Kreuzchen bei irgendeiner Partei zu machen ( und wo die meisten sie machen, darüber haben sie auch noch nie selber nachdedacht, sondern es von Papa gelernt, wenn überhaupt ). Es gibt solche Leute, auch und gerade unter jungen Leuten – der Haken ist nur, dass es letztlich in der Summe sowenige sind. Ihr Vorteil ist allerdings, dass es Heute ganz andere Wege der Kommunikation und der Publikation gibt, das eröffnet neu Perspektiven.

    Der andere Haken ist, dass wir eine Parteiendemokratie sind, keine mit einer Masse wirklich denkender und unabhängiger Bürger die hier diese, dort jene Meinung verteten ohne damit gleich ein ganzen Parteiprogramm zu repräsentieren. Ein Anfang auf dem Weg weg davon könnte uns “Stuttgart 21” gezeigt haben oder die Entwickung und Einflussnahme von NGO´s in vielen Bereichen.

    Dann könnte es eines Tages auch für eine ganz einfache Rechtsänderung reichen. Hoffen wir mal …

    • Oh Timm,

      doch noch unter den Lesenden, ich bin entzückt 🙂

      Und dann werde ich auch noch zitiert, passiert mir auch viel zu selten *lach*

      Es stimmt, das Elternhaus prägt die politischen Interessen, wenn überhaupt. So habe ich die ersten Wahlen ebenso vor allem SPD gewählt weil meine Eltern die halt gewählt haben – als sie noch gewählt haben. Mir meine heutige Einstellung anzulesen, zurecht zu legen, für mich bestimmte Wahrheiten herauszufinden kam auch nicht von alleine, es ist ein Prozess der nie abgeschlossen sein wird und der etwas Engagement und Zeit erfordert.

      Ich versteh zwar, dass nicht jeder Bock auf dieses Engagement hat und sicherlich kann ich die Politikverdrossenheit gerade meiner Generation nur zu gut verstehen, wir müssen uns aber klar machen, das wir so oder so regiert werden, ob wir uns drum kümmern, oder nicht. Der Politik ist diese Verdrossenheit, das kollektive Aufregen aber nichts tun doch nur zu recht. So kann man auch mal eben die AKW-Laufzeiten verlängern ohne das was passiert. Das bisschen Protest, egal solange sie uns alle 4 Jahre wieder ihre Stimme geben.

      Der Wutbürger muss wieder etwas mehr den Kopf aufmachen, Hintergründe erfragen, sich nicht so konsequent verarschen lassen. Wut & Wissen. Wie du schon so richtig sagst haben wir heute ganz andere Möglichkeiten um “die da Oben” unter druck zu setzen. Wir haben Mittel, müssen sie nur anwenden.

      Ich denke man kann auch politischen Druck ausüben, mitgestalten ohne sich zwangsläufig Partei-gebunden engagieren zu müssen. Der Schlüssel ist Wissen. Wir leben in einer Informationsgesellschaft, wir können jeder Zeit an Informationen gelangen, wir müssen es nur tun. Wer es besser weiß, lässt sich auch nicht so leicht verarschen.

      Ich suche auch noch nach den geeigneten Weg mich zu engagieren, aktiv mitzugestalten. Das dümmliche am Stammtisch-Aufgerege reicht mir nicht mehr, ich weiß aber schon “zu viel” um mit den derzeitigen Status Quo glücklich sein zu können 😉

By Ben
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