BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Nachfolger

14-004_nachfolgerPolitisch halte ich mich grad recht bedeckt. Nicht aus Desinteresse, im Gegenteil, ich habe mir einfach fest vorgenommen, bevor ich mir die GroKo hier lyrisch vornehme, den Koalitionsvertrag komplett gelesen zu haben. Getreu dem Motto “Kenne deinen Feind”. Nein, ich möchte mir fernab unserer oberflächlichen und zunehmend tendenziösen Berichterstattung einfach ein eigenes Bild machen, bevor ich mit Halbwissen auf etwas eindresche von dem ich eigentlich gar keine Ahnung habe. Ausnahmsweise möchte ich hier mal den ersten, vor dem dritten Schritt begehen.

Daher nur mal eine kleine Randnotiz. Kaum begeht Merkel ihre Dritte – und nach eigener Aussage letzte Amtszeit, schon wird über ihre Nachfolge spekuliert. Bleibt es bei der dreifachen Angie, so muss die CDU die kommenden vier Jahren vor allem dafür nutzen eine oder einen starken Nachfolger aufzubauen. Die von Merkel recht konsequent ausgehüllte Partei wird dafür kaum auf jemand gänzlich unbekannten setzen. ein Größe wird niemand wählen, zu einem CSU-Kanzlerkandidaten kommt es hoffentlich nicht, bleiben eigentlich nur zwei nicht unumstrittene Gestalten: Ursula von der Leyen und Thomas de Maizière. Letzteren hat das Amt seiner Nachfolgerin zwar nicht so sehr geschadet wie es hätte können (und meiner Meinung nach auch sollen, seine Bilanz ist beschämend), doch ist er nicht gerade ein Publikums-Liebling. Dann wiederum hat sich gezeigt das er einen straken Rückhalt genießen muss, andere sind oder mussten schon wegen weniger zurücktreten.

Ob das Amt von der Leyen eher nützt oder schadet, bleibt abzuwarten. Ich denke danach entscheidet sich auch ob die Partei auf sie oder de Maizière setzt. Ich denke aber das von der Leyen auch und obwohl sie sich ab und zu (versucht) gegen Merkel und den ultra-konservativen Flügel ihrer Partei zu profilieren, dennoch die erste Wahl der CDU wäre. Ihr Wille zu Reformationen, ihre scheinbar leidenschaftliche Überzeugung und ihr Mut diesen auch gegen Merkel zu verteidigen (soweit das im System Merkel eben gestattet ist) brachten ihr Sympathien in der Bevölkerung.

Ich persönlich mag beide nicht sonderlich. Das ist nun wenig überraschend, hat aber ganz unterschiedliche Gründe. De Maizière empfinde ich als arrogant, wenig leidenschaftlich und irgendwie desinteressiert. Jemand der sich keine Fehler eingestehen kann, jemand der sich verbittet kritisiert zu werden. Als sei seine Politik, das was er sagt irgendwie über jeden Zweifel erhaben. Er bemüht sich nicht seine Entscheidungen, seine Politik, seinen Standpunkt zu erklären. Das scheint er nicht nötig zu haben. Entweder man versteht ihn oder man hat halt Pech gehabt. Der Fehler liegt bei den anderen, nicht bei ihn selbst. Dabei halte ich Herrn de Maizière keineswegs für dumm oder inkompetent. Ich glaube schon das dieser Mann einiges auf den Kasten hat, mir gefällt nur seine Attitüde nicht. Wenn ich ihn mir als Kanzler vorstelle, schaudert es mir etwas. Nein, sicher nicht der Untergang des Abendlandes, aber nach Merkel brauchen wir jetzt nicht noch so einen emotionslosen, hartherzigen Logiker.

Bei von der Leyen ist das ganze nicht so einfach. Teilweise ist die Frau ein Chamäleon. Dadurch das sie in bestimmten Themen versucht die Partei zu reformieren und verkruste Strukturen aufzubrechen, ist sie mir mitunter ganz sympathisch. Jedoch ist die Frau nicht ganz echt. Sie ist extrem berechnend, das hat sie mit Merkel gemein, was für sie spricht (aus CDU-Sicht). Ich will sie nicht intrigant nennen, aber sie ist eine Macht orientierte Person. Das ist jeder Berufs-Politiker, aber ich denke sie weiß schon sehr lange wo sie hin will. Wann immer von der Leyen in einer Talkshow sitzt, erweckt sie den Anschein das ihr alle möglichen Themen sehr wichtig sind, das sie auf die Meinung anderer eingeht. Das Mutti-Image die sich um alles kümmert. “Sie kennen mich.” Ständig sagt sie “Das ist mir wichtig”, “darum kümmern wir uns” etc.. Gerade im Wahlkampf fiel mir auf das ihre Taktik unteranderem darin besteht, andere nicht zu Wort kommen zu lassen. Nun das machen alle Politiker könnte man sagen. Stimmt, sie macht das aber recht geschickt. Sie poltert dabei nicht so dumpf wie das andere tun, sie sorgt aber ganz konsequent dafür das der Zuschauer am Ende nur sie wahr nimmt. Das ging und geht mir ziemlich auf die Nerven. Die Frau ist nicht laut, aber penetrant. Müsste ich mich zwischen diesen beiden entscheiden, würde ich mich freilich für sie entscheiden. Und ich denke auch das es – sollte die SPD es nicht schaffen aus der GroKo als “Gewinner” hervor zu gehen – so kommen wird. Dieses Land, die Wirtschaft, unsere Medien wollen keine RotRotGrüne Regierung. Auch wenn eine große Mehrheit der Bevölkerung bereit und willens ist das auszuprobieren, so gibt es Kräfte die das mit allen Mitteln verhindern wollen und werden. Es scheint so als muss dieses Land immer irgendwie von den Konservativen regiert werden. Alles andere ist zu gefährlich, zu ungewiss. Da ist von der Leyen vielleicht ein guter Kompromiss. Leidenschaftlich, interessiert, Macht-bewusst, zu Reformen bereit, im Kern jedoch konservativ und Linien-treu.

Foto © dpa

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By Ben
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