BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Mein Freund, die Depression

Ein Gedanke aus meiner ersten Sitzung mit meiner neuen Therapeutin hat mich irgendwie nicht mehr los gelassen. Metaphorisch spreche ich von meiner Depression gerne als Dämonen die in mir hausen und an meiner Vernichtung arbeiten. Ich glaube selber nicht, dass das so funktioniert. Lyrisch gefällt mir das Bild aber. Sehr wohl, begreife ich Depression aber als eine Krankheit, so etwas wie ein Virus (was es natürlich nicht ist), was in unserem Verstand wütet um Schaden anzurichten. Nicht immer mit dem ultimativen Ziel seinen Wirt zu vernichten, weil dies am Ende auch das eigene Schicksal besiegeln würde, sehr wohl aber mit dem Anspruch maximalen Schaden anzurichten.

Meine Therapeutin meinte, dass sich unser Verstand, unsere Psyche eigentlich nie gegen sich selber richtet. Das wunderte mich. Wenn eine Depression, die Menschen in den Tod treibt sich nicht gegen diese armen Seelen richtet, was denn dann? Sie meinte, ich sollte mir eine Depression eher wie ein Burnout vorstellen. Beides, kann natürlich auch miteinander zusammenhängen uns sich gegenseitig bedingen. Was aber ist ein Burnout? Letztlich die Ultima Ratio des eigenen Körpers uns zum Aufhören zu zwingen. Weil wir alle anderen Signale, unsere Freunde, Kollegen, uns selbst ignorieren, buchstäblich bis zum Umfallen arbeiten, hört unser Körper an bestimmten Stellen auf zu funktionieren bzw. entwickelt Probleme, die uns zwingen unseren Lebensstil zu überdenken. Es ist wie eine Art Notbremse, die mitunter auch nicht ohne Blessuren verläuft.

Ich hatte diesen Zusammenhang nie hergestellt und es fällt mir schwer, meine Depression als “Freund” zu betrachten, aber die Idee klingt gar nicht mal so doof. Wir leben ein Leben, welches unserer Psyche weh tut. Doch sie kann sich nicht während. Wir stecken im Hamsterrad, leben unser Leben, so wie es als produktives Mitglied der Gesellschaft von uns verlangt wird. Man verdient etwas mehr Geld, kann sich etwas mehr Urlaub leisten aber man arbeitet auch mehr. Man funktioniert, was anderes zählt ja auch nicht wirklich. Zu emotional sollte man in dieser Gesellschaft eh nicht sein. Man zieht sich in sich selbst zurück. Dort leidet man, weint, wütet, ergibt sich der Trauer und Verzweiflung. Draußen, lächelt man dann wieder. Die Hülle sieht Tippy Toppy aus. Gut, man ist ein wenig fett geworden, aber das kann auch ein Zeichen davon sein, dass man sich gönnt, also kein Grund zur Sorge.

Wenn unsere Psyche nun nicht nur der Ort ist wo unsere Persönlichkeit sich manifestiert, sondern sich dieses zerbrechliche Konstrukt auch gleichzeitig für dessen Gesundheit verantwortlich zeichnet, was macht diese dann, wenn der Fleischroboter da draußen einfach nicht aufhört, die Dinge zu tun oder nicht zu tun, welche einen nachts nicht schlafen lassen? Die effektivste Art zu kommunizieren die unser Körper kennt, sind Schmerzen. Nun kann unsere Psyche uns nicht einfach ein Arm brechen, ein schweres Herz klingt anders. Und wir sind denke ich ziemlich gut darin, diese Art von Schmerzen zu ignorieren. Sie passen einfach nicht in eine Leistungsgesellschaft.

Das sind interessante Gedanken, komplett überzeugt bin ich aber nicht. Da soll etwas in mir sein, was es gut mit mir meint, was will, dass ich aufhöre ein Leben zu leben welches mir weh tut, was mich belastet und nicht glücklich macht und deswegen überzieht mich dieses etwas mit Schmerzen, die man so schlecht beschreiben kann? Deswegen hüllt es mich in diese graue, schwere Decke unter der man sich nicht bewegen kann oder will? Das erscheint wenig sinnvoll … Aber es ist ein neuer, ein anderer Gedanke und dafür bin ich erst mal dankbar.

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By Ben
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