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Kühner Sozialismus

Auch wenn ich die Causa-Kühnert nicht im Detail verfolgt habe, so dringen bestimmte Dinge ja dennoch an einen heran. Ein interessantes Drama was sich dort abspielt. Der Vorsitzende der Jung Sozialisten teilt in einem interview sozialistische Utopien. Redet von Enteignung und demokratischen Sozialismus. Das sich der politische Gegner daraufhin auf ihn einschießt – geschenkt. Das ist eben deren Job, zumindest in deren Selbstverständnis. Interessanter finde ich die Kritik aus den eigenen Reihen. Da wirft Siggi Kühnert Trump’sche Methoden vor, Profilneurosen und, die absichtliche Beschädigung der SPD zum Zwecke der Selbstinszenierung. Das von dem Mann der mit dafür verantwortlich ist, dass die SPD dort ist, wo sie ist, finde ich schon erstaunlich. Und man fragt sich, was kann man denn an der SPD noch groß beschädigen? Ebene genau das. Der Aufschrei so genannter SPD’ler das der Sozialismus, Dinge wie Enteignung wirtschafts-feindliche Blödsinns-Utopien seien ist mal wieder so ein SPD-What-The-Fuck?! Moment. Kühnert reagierte zunächst cool und erinnerte seine Parteigenossen daran das der demokratische Sozialismus immer noch Teil des Parteiprogramm und der Grundwerte der SPD sei. Ich stelle mir all die Seeheimer-Penner vor die daraufhin hektisch im Hamburger Programm geblättert und entsetzt festgestellt haben, dass das da tatsächlich noch drin steht. Wenn auch nur als Dekoration, seien wir ehrlich.

Anyway, abgesehen davon ob ich Verstaatlichungen und Enteignungen gut oder schlecht finde (teils ja, teils nein – ich kann das so pauschal nicht beantworten, dafür sind bestimmte Fragestellungen zu komplex), was ich viel interessanter (und tragisch) an dieser Geschichte finde ist, welche Reaktionen es auslöst. Wie unfähig wir inzwischen sind mit Visionen, Utopien, anderen gesellschaftlichen Konzepten umzugehen. Ja, wie unwillig. Es fehlt doch genau daran – Konzepte, Ideen, Vorstellungen und ja, auch an Utopien um die es lohnt zu diskutieren und zu streiten. Wenn solche Versuche gleich damit niedergemacht werden (aus der eigenen Partei) was der Kollege denn geraucht hätte, dann ahnt man in was für einen armseligen Zustand nicht nur die SPD sondern unsere Gesellschaft inklusive Medien ist. Wieso sind wir fein damit das die Union uns zum Beispiel ständig erzählt das man sich ja der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet fühlt, den Klimawandel ernst nimmt aber dann genau nichts unternimmt um dem entschieden entgegen zu treten. Jüngst kassierte AKK (wieso eigentlich die, hab ich da was verpasst?) die Idee einer CO2 Steuer. Weil doof. Weil kostet Geld. Klimawandel nur wenn er uns wirtschaftlich nicht schadet. Wieso lassen wir die Penner mit dieser Lüge durchkommen? Geht halt nicht. Haut die endlich an die Wand und stellt sie für ihre gemeingefährliche Arschloch-Politik.

Apropos Arschloch: Ausgerechnet Ulf Poschardt beklagt den Umgang mit Kühnert. Er wäre 100% anderer Meinung, aber das müsse man doch anders diskutieren können. Wenn deine Parteikollegen dich in die Pfanne hauen und in Sachen Diskurs ausgerechnet Poschi dir zur Seite spring. Und die Leute diskutieren ob es okay sei, eine Satire Partei zu wählen. Ich bitte sie.

Ich will mehr von diesen Kontroversen. Ich will Ideen, Konzepte und Visionen über die wir dann streiten können. Ich will diskutieren, darüber wo diese Gesellschaft, Europa und am Ende die Menschheit mal hin will. Zu dem Thema kommt eben nichts von den Konservativen. Die haben dazu halt keine Antworten außer abwarten. Und kann es sein das die heftige Reaktionen einiger Medien darauf zurückzuführen ist, weil diese ebenfalls von den Konservativen regiert werden, bzw. andersherum? Humbug. Verschwörungstheorien. Ich wünsche mir mehr Kühnerts (ob ich den mag oder nicht, spielt gar keine Rolle) die Themen von Interesse auf die Agenda hieven über die es lohnt zu streiten. Dieses Land hat jetzt lange genug geschlafen, es wird Zeit sich der Realität und damit der Zukunft zu stellen. Weiter so ist nicht mehr gut genug, es muss jetzt gearbeitet und gestaltet werden. Mit Hingabe und Leidenschaft. Und statt der üblichen Reflexe, sollen die Medien sich bitte darum bemühen die falschen Versprechen und Lügen der Konservativen anzuklagen und zu beurteilen. In einem Land in dem die Verstaatlichungs-Phantasien eines Juso-Vorsitzenden mehr Aufmerksamkeit und Empörung erregen, als das Schweigen eines MP zu Naziaufmärsche in seinem Bundesland, stimmt etwas nicht.

Bild : dpa dpa Picture-Alliance

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By Ben
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