BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Kommentiert : Böhse Onkelz auf Feldzug gegen das Establishment by SZ

Die Onkelz waren auf großer Deutschland-Tour und auch wenn mein Musikgeschmack hier eigentlich keine Rolle spielen soll und ich mich darüber hinaus kaum noch mit den stets gleichen Medienecho beschäftige, komme ich nicht ohnehin mich kurz einen der üblichen Anti-Artikel zu widmen indem nicht nur die Band, sondern vor allem ihre Fans in die immer gleiche Ecke gestellt werden. Eine Ecke, mit der ich persönlich nie etwas zu tun hatte, für dich ich mich aber dennoch unzählige Male rechtfertigen musste.

Und auch wenn es nichts bringt und ich schon zu viele Stunden damit verschwendet habe, so konnte ich es mir nicht verkneifen den Artikel des Herren Sommer von der SZ kurz zu kommentieren. Ein paar Absätze sind einfach zu komisch.

Wie ein Kirmesboxer stolziert er über die Bühne: Kevin Russel spannt den Bizeps an, stößt einen Kampfschrei aus und blickt mit aufgerissenen Augen herausfordernd in die Menge. Der selbstbetitelte “Stachel im Arsch der Nation” ist zurück – oder wie Ben Becker es im Sommer 2015 als Anheizer für 100 000 Fans auf dem Hockenheimring nahe am Sonnenstich formulierte: “Sie steigen hinab zu uns wie die Engel.”

  • Was soll mir dieser Absatz sagen? Herr Seibert würde sagen “Das ist eine Feststellung, keine Frage.” Worauf will der Schreibenden hier hinaus?
  • Inhaltslose Gebrabel in Ermangelung eines gekonnten Aufhängers
  • Und was ist das Problem mit Kirmesboxern?
  • Sind doch auch nur Menschen

Die Böhsen Onkelz, eine der umstrittensten deutschen Rockbands, sind nach fast zehnjähriger Pause mit ihrem neuen Nummer-eins-Album “Memento” wieder auf ihrem Feldzug gegen das Establishment.

  • Nein, sie sind kaum ohne irgendeine Promo auf ausverkaufter Tournee durch Deutschlands größte Hallen
  • Das Sie immer noch als “umstritten” gelten, liegt doch an euch – lasst es doch einfach bleiben und verzichtet auf diese Schlagwörter und beschäftigt euch mit Fakten statt den immer gleichen, langweiligen Paradigmen

Der erste von zwei Auftritten in der Olympiahalle am Montagabend zeigt, wie eine postfaktische deutsche Gegenkultur 2016 tickt – ein Einblick in die Filterblase der Anderen.

  • Gegenkultur? Filterblase? Wären Sie da gewesen Herr Sommer, hätten sie bemerkt dass das Publikum der Onkelz nicht erst seit 2016 ein Querschnitt unserer Gesellschaft ist
  • Wenn das die Gegenkultur ist, haben wir echt ein Problem

Eine verkürzte Textexegese der Onkelz-Hits aus 30 Jahren Band-Geschichte läse sich wie folgt: Das Leben ist hart; man wird belogen und betrogen; der Staat, die Kirche, die Medien verarschen die Normalen, die Aufrechten; aber Errettung ist möglich: Freundschaft und Nation geben Halt.

  • Inklusive Pause gibt es die Onkelz dieses Jahr 36 Jahre, ohne etwas mehr als 25 Jahre
  • Darüber hinaus fände man zahlreiche Songs über und gegen Gewalt, Hass, Liebe, Verlust, Freundschaft, Sucht, Abschied, Entwicklung, Freiheit, Sehnsucht und Dankbarkeit
  • Der Eine empfindet sein Leben als besonders hart, der Andere nicht – wer sind Sie darüber zu urteilen oder sich darüber zu echauffieren?
  • Jeder ist wohl schon mal belogen und / oder betrogen wurden, das ist nicht postfaktisch sondern Teil des Lebens
  • Der Eine geht damit gut um, der andere nicht – Menschen sind unterschiedlich
  • Der Staat tut sicher immer wieder Dinge mit dem man als Einzelner nicht einverstanden ist oder sein kann – Merkmal einer freien Gesellschaft dies anzuprangern
  • Die Kirche handelt getreu ihrem Dogma – ist das nicht meins, fühle ich mich davon zu Recht verarscht
  • Normal – wer will denn heute noch freiwillig normal sein?
  • Freundschaft – was gibt es denn jetzt daran auszusetzen?
  • Nation – ernsthaft?! Der letzte Song der Nationalität, Deutsch-sein in ihrem Narrativ thematisiert hat ist m.E. “Stolz”, von 1984

Dieses wütende Opfer-Narrativ des Außenseiters, der sich treu bleibt und von der Mainstream-Gesellschaft nicht verbiegen lässt, inszeniert die Band um den Sänger Kevin Russell und den Songwriter Stephan Weidner auch in der Olympiahalle.

  • Wütend okay, aber Opfer?
  • Wenn die Onkelz (Fans) ja eines nicht sein wollen oder sich so sehen – dann als Opfer

Alte Songs wie die beißenden Hardrock-Nummern “Auf gute Freunde”, “10 Jahre” oder “Dunkler Ort” und gitarrenlastige Songs vom neuen Album wie “Gott hat ein Problem” und “Jeder kriegt was er verdient” spielen auch live mit diesem unbehaglichen Gefühl, von der Welt verstoßen, isoliert und vergessen zu sein.

  • “10 Jahre” feiert die Unabhängigkeit irgendeiner wohlwollenden Presse, die Fähigkeit ohne große Promo Massen zu erreichen und zu begeistern – von Album zu Album, von Tour zu Tour
  • Viele Menschen fühlen sich – warum auch immer – isoliert, abgehängt und verstoßen – nochmal die Frage wer Sie meinen zu sein, darüber urteilen zu können – weder scheinen Sie die Geschichte der Onkelz sonderlich gut zu kennen, mit Sicherheit aber nicht die der Fans
  • Auch wenn Sie uns gerne alle als wütende Loser-Typen labeln wollen, wir sind alles unterschiedliche Menschen die anders ticken und unterschiedliche Leben leben
  • So wie es nicht den einen Journalisten gibt, gibt es auch nicht den einen Onkelz-Fan
  • Die Gründe warum der Eine oder Andere sich verstoßen fühlt, mögen vielfältig und oft sehr persönlich sein
  • Das muss man nicht nachvollziehen oder verstehen können, aber respektieren

In ihrer altbekannten Wir-Gegen-Die-Rhetorik bleiben sie schwammig und spalten die Gesellschaft in In-, und Exkludierte – eine Strategie, mit der auch andere heimattreue Gruppen wie Freiwild derzeit ein Massenpublikum um sich scharen.

  • Die Wir-Gegen-Die-Rhetorik gehört mit Sicherheit seit jeher zur Onkelz-DNA und dem Gros ihrer Fans – die Frage ist, ob das immer so hätte sein müssen
  • Wäre man der Entwicklung der Onkelz (und ihrer Fans) gegenüber offener gewesen, hätte intelligente, kritische Fragen gestellt statt immer in die gleiche, langweilige Kerbe zu schlagen, sähe dies vielleicht anders aus
  • Den Status Quo haben die Onkelz sicher nicht alleine zu verantworten
  • Wo sind die Onkelz denn bitte schwammig – sie mögen und brauchen die Presse nicht – das kann man gut oder blöd finden, aber eindeutiger geht es wohl kaum
  • Hat sich Freiwild nicht gerade aufgelöst?

Bestimmte Medien gehören im Outlaw-Kosmos der Onkelz klar zu den Ausgeschlossenen: Für das Konzert verweigerte das Band-Management der Süddeutschen Zeitung eine Akkreditierung. Die Band, die Mitte der Achtziger- und zu Beginn der Neunzigerjahre wegen fremdenfeindlicher Texte (“Türken raus”) der rechten Szene zugeordnet wurde, beteuert seit einigen Jahren stets, sich davon distanziert zu haben. Wenn die Läuterung, die Abkehr von den strammen Tagen also vollzogen ist, warum dann dieses Versteck-Spiel?

  • Was sind denn bitte stramme Tage? Es waren Skins – sag das doch!
  • Versteckspiel? Es steht doch jeden Journalisten frei sich eine Karte zu besorgen und über das Konzert als Besucher zu berichten – kann und wird niemand verbieten oder verhindern
  • Die Onkelz sind es einfach nur leid nach etlichen Versuchen immer wieder die gleiche, langweilige Scheiße zu lesen der es ebenso an Witz wie auch Originalität mangelt
  • Nichtmal kritisch, sondern einfach nur dumm – wiederholend was unzählige andere schon von anderen abgeschrieben haben
  • Der Ausstieg der Onkelz aus der Skin-Szene vollzog sich Mitte-Ende der 80er – seitdem findet sich im Musik-Katalog nichts mehr was als fremdenfeindlich bezeichnet werden kann – auch wenn die Onkelz sicherlich dann und wann gerne mit ihrer eigenen Vergangenheit kokettiert oder gespielt haben
  • Die Onkelz beteuern nicht sich distanziert zu haben – sie taten es – durch Texte, Interviews, Aktionen…
  • Das kann kann man ihnen gerne glauben oder nicht, aber nicht leugnen das sie es taten, da mehrfach dokumentiert

Lieder wie “Danke für Nichts” sind Hymnen für Verbitterte, die das sehr männliche Publikum, das hier nun für 69 Euro Eintritt endlich Linderung in der Gemeinschaft findet und für das trotz aller Versprechungen eben nie der German Dream in Erfüllung ging, frenetisch feiert.

  • Was ist denn bitte der German Dream? Vom Autoschlosser zum Millionär oder was?
  • Das Publikum ist sicherlich mehrheitlich männlich, der Anteil an Frauen steigt gefühlt aber stetig, würde mal schätzen 30-40%
  • Ist das viel? Kein Plan, aber die Onkelz haben die definitiv die schönsten Frauen im Publikum
  • Beim Fußball ist ein Männer-dominiertes Publikum okay, hier ein Problem?
  • Ist das bei anderen Bands auch so schlimm?
  • Die meisten Konzertbesucher sind recht ausgelassen, singen, feiern und tanzen – verbittert sind da die Wenigsten
  • Zumindest nicht während des Konzerts und außerhalb dessen können Sie es kein Stück beurteilen, geht Sie auch nichts an

Für den weißen heterosexuellen Mann ist alles furchtbar kompliziert und bedrohlich geworden.

  • Mein weißes, heterosexuelles Leben (sorry, hab ich mir beides nicht bewusst ausgesucht, passierte einfach) ist mit Anfang 30 sicherlich komplizierter als mit 16, ich weiß jetzt nicht ob das was mit meiner sexuellen Gesinnung oder Hautfarbe zu tun hat, schätze aber mal nein – eher das Gegenteil
  • Auch das ich die Welt heute vielleicht als bedrohlicher empfinde als vor 20 Jahren hat wohl eher damit zu tun das ich heute interessierter, informierter und kritischer bin – das hat jedoch nichts mit den Onkelz zu tun

Da tut es ihm gut, wenn er in der Zugabe wie früher einfach mit den Kameraden “Mexico” – ein Lied von 1985, aus der Zeit vor der Läuterung, von dem sich die Böhsen Onkelz wohl noch nicht distanziert haben – gröhlen darf: “Siegesgewiss fahr’n wir nach Mexiko, Um uns’re Elf zu seh’n, Im Siegesrausch, voller Alkohol, Lassen wir die Fahnen weh’n.”

  • Kameraden – ernsthaft?!
  • Manche Leute gehen zu diesen Konzerten um sich zu besaufen, zu singen, rumzupogen und mit Gleichgesinnten auszupowern – ist das schlecht?
  • Besser so, als wenn die wenigen Testosteronbomber die da heute noch hingehen sich gegenseitig die Nase eindrücken weil sie nicht wissen wohin mit ihrer Energie oder Aggressionen
  • Und warum sollten die Onkelz sich als saufenden, gröhlende Fußballfans von einen Sauf-Gröhl-Fußball-Song distanzieren?
  • Müssen das die anderen Bands auch machen die Sauf-Gröhl-Fußball-Songs geschrieben haben?
  • Es gibt doch wohl einen qualitativen Unterschied zwischen flachen, dümmlichen Saufliedern die keinen weh tun (außer mir, ich hasse diesen Song!) und gefährlichen, menschenverachtenden, fremdenfeindlichen Liedern wie z.B. “Türken Raus”.

 


Fazit : Nicht wirklich böse, aber eben auch nicht sonderlich clever. Die gleichen, geistlosen Plattitüden wie immer, keine neuen Erkenntnisse, mittel-mäßig “recherchiert” und wenig Substanz. Warum Herr Sommer überhaupt meinte seine Zeit für einen Artikel den es schon zig mal gab investieren zu müssen, erschließt sich mir nicht. Fühlen sich diese Journalisten dazu berufen auf ewig eine Art schreibendes Bollwerk gegen die Onkelz zu sein? Warum? Mit welchen Ziel? Das Olympiastadium war doch dennoch ausverkauft.

Alles in allem eine Bestätigung warum die Onkelz und ihre Fans das Gros der Medien nicht brauchen und sie auch weiterhin links liegen lassen können. Oder rechts, falls sie das witziger finden.

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By Ben
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