BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Es ist kompliziert

Ich bin ein bisschen raus was die Schreiberei angeht. Nur allzu gerne opfere ich gerade jede freie Minute dem Job. Weil es Spaß macht, nicht weil man mich dazu zwingt. Es ist stressig, aber es fühlt sich sinnvoll an und so, das es eine Rolle spielt, was man tut und beiträgt. Ich mag das. Ich merke aber auch, das meine Welt wieder ein wenig zu klein, zu gleich geworden ist. Es fehlt die Abwechslung. Etwas anderes, was den Geist herausfordert. Im letzten dieser Beiträge (welcher schockierender Weise schon wieder von September ist) schrieb ich davon, ab und an mal wieder Urlaub im Schreiben machen zu wollen, dem Wort wieder Raum geben möchte. Das habe ich bisher eigentlich nicht wirklich getan. Asche auf mein müdes Haupt. Zu viel anderes Zeug, was Aufmerksamkeit verlangte oder dem ich diese nur allzu bereitwillig opferte. Ich denke jedoch, dass ist am Ende nicht gut. Wenn man wie ich ein Mensch ist den an sich tausend Dinge interessieren, man sich aber künstlich auf eine Sache verengt, so leidet irgendwann auch diese eine Sache darunter. Fokus, schön und gut. Sich aber selbst zu limitieren, kann nicht gesund sein. Ich muss hier also wieder einen Weg raus finden, ohne dass das jetzt zu dramatisch klingen muss und soll.

Es fällt mir an sich leicht über Politik zu schreiben. Für mich, ist am Ende fast alles politisch oder sollte es zumindest. Ich weiß nicht ob diese Zeiten wirklich so dramatisch anders sind als früher (ich trage eine nicht zu unterschätzende Verachtung für solche Phrasen tief in mir), ich weiß nur, dass wir uns es an sich nicht leisten können, unpolitisch zu sein. Dabei geht es ja nicht nur um Parteifarben, es geht eben darum sich zu etwas zu bekennen und gerade zu machen. Das ist genauso einfach, wie es schwer sein kann. Wie die meisten bin ich auch nicht immer sicher was richtig ist, ich weiß nur das sich raushalten, definitiv falsch ist. That being said, zurzeit ödet es mich an, über Politik zu schreiben. Einfach weil ich viele Dinge zu doof, zu selbstverständlich finde, als das ich mich darüber aufregen müsste. Der Blog-Post eines Hobby-Bloggers wie mir hat noch nie etwas geändert, aber darum geht es ja auch nicht zwangsläufig. Früher, musste ich diese Artikel schreiben um nicht durchzudrehen. Es half mir, meine Gedanken zu ordnen, klar zu kommen und im besten Fall den nächsten Schritt gehen zu können. Irgendwie funktioniert das heute nicht mehr. Ich habe zurzeit gar nicht umbedingt das Verlangen und ich verstehe selbst nicht so sehr, warum nicht. Klar, ich bin dauerabgelenkt von all dem was ich noch tun könnte aber genau davon schreibe ich ja: Ich will gar nicht das sich mein Leben nur um eine Sache dreht. Dafür kann mein Gehirn zu viel – nicht so sehr im realen, viel mehr im kreativen Sinne. All das, ist ziemlich eingeschlafen und das stört mich massiv. Bei den politischen Artikeln fehlt nicht nur die Motivation oder viel mehr das Verlangen alles mögliche zu kommentieren, wenn ich wie heute kurz davor bin frage ich mich dann “Wozu? Andere haben doch schon darüber geschrieben und das so viel besser, als du es je könntest. Welchen originären Gedanken könntest du denn schon noch groß dazu beitragen?” Darauf, habe ich eben keine Antwort. Hätten die meisten nicht, aber sie stellen sich eben gar nicht erst diese Fragen. Habe ich früher auch nicht, warum tue ich es jetzt?

Das Verlangen, der unbedingte Wille etwas besonderes zu erschaffen, etwas das Relevanz hat und nicht nur für mich wichtig ist, habe ich schon mein Leben lang. Mir scheint nur, das je größer meine Welt wurde, desto mehr Dinge ich erfahren und erleben konnte, ich mich immer weiter von der Idee entfernt habe, dass ich je etwas von Bedeutung erschaffen könnte. Die Chance einer Möglichkeit erscheint heute geringer denn je. Das müsste mich deprimieren. Tut es sicher auch, fühlt sich nur gerade nicht so an.

Vor ein paar Jahren unterhielt ich mich mit Leuten, ein wenig älter als ich, die es sich in ihren kleinen Leben nett eingerichtet hatten und sich im Großen und Ganzen nicht mehr dafür interessierten, was außerhalb dessen passierte. Ich konnte das nicht verstehen, habe diese Menschen im Geheimen sogar verurteilt. Ich würde immer noch behaupten, so nicht zu sein es auch nicht zu wollen, aber ich verstehe das heute viel mehr. Vieles wird egaler und das, wo ich mich selbst immer noch als einigermaßen jung begreife. Ich bin ja jetzt keine Sechzig auch wenn ich mich ab und an so fühle.

Das Tagebuch schreiben wollte ich hier eigentlich vermeiden. Doch geht es um das Wort, meine Beziehung dazu und meine Erfahrungen damit. Zurzeit, ist unser Verhältnis sagen wir ein wenig angeknackst. Ich bin aber noch nicht soweit Schluss zu machen und weiter zu ziehen. Ich wüsste auch nicht was dieses “weiter” überhaupt sein könnte. Und ich weiß ja, das irgendwo in mir eine große Leidenschaft für das Schreiben schlummert. Eine Liebe die mit wenig sonst vergleichbar ist. Schon das ich hier nicht vor dem Wort Liebe zurückschrecke, zeigt mir, dass ich immer noch verdammt viel dafür übrig habe. Es ist aber irgendwie kompliziert gerade. Leidenschaft – und vielleicht ist das eine Erkenntnis des älter werden – kommt auch nicht immer einfach so. Man muss sie füttern, ihr Raum geben, Nahrung, sie entfachen. Daran will ich wieder arbeiten. Zurzeit, weiß ich noch nicht so recht wie, wenn ich ehrlich bin. Einfach machen – natürlich. Werde ich auch. Und wenn es erst mal nur dem Zweck dient, dem wieder Raum zu geben, Zeit einzuräumen. Routine entwickeln und sich mal wieder miteinander befassen.

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By Ben
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