BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Entschuldigen Sie, aber sie sind leider zu alt für Politik!

Ich höre ganz gerne Deutschlandfunk. Ob nun Der Tag, Interviews oder Hintergründe (eher seltener, obwohl interessant) Ab und an mal Der Kommentar. Gute Formate, informativ und mitunter lehrreich. Meist kommt dort die Generation 50+ zu Wort, vor allem bei den Interviews. Diese Woche hörte ich ein längeres (heißt so um die 10 Minuten) Interview und konnte mich dem Eindruck nicht erwehren hier einer eher jüngeren Politikerin zu zuhören. Eine kurze Recherche ergab, in der Tat – die Dame ist zwei Jahre jünger als ich. Dabei fiel mir mal wieder auf, wie selten das ist. Wenn man nicht gerade mal wieder Kevin Kühnert vors Mikro zerrt – natürlich immer mit dem Zusatz das er für alles mögliche letztlich aber noch zu klein ist – sieht es sonst recht düster aus mit der Generation 30+ in der politischen, medialen Öffentlichkeit. Es scheint allgemeiner Konsens das man für Politik zu jung, niemals aber zu alt sein kann. Warum, erschließt sich mir einfach nicht.

Während Hollywood langsam versteht, dass es diverser werden muss wenn es weiterhin eine Relevanz haben will, so ist davon in der deutschen Politik wenig zu sehen. Natürlich steht der Republik seit nun mehr 13,4 Jahren eine Frau vor, zudem aus dem Osten. Nur merkt man von beidem herzlich wenig. Wenn ich es auch wichtig finde, so geht es mir hierbei jetzt mal nicht um Geschlechter, Gesinnung der Herkunft sondern tatsächlich ums Alter. Ich bin sicher kein Fan von Jung gegen Alt. Es geht mir um Repräsentanz. Ich wünsche mir kein Parlament welches zu 90% aus unter 30-jährigen besteht, aber eben einen gesunden Mix. Was ich stattdessen immer wieder bekomme, ist ein von alten, weißen Männern dominierter Bums der sich einen Dreck um die Belange jüngerer kümmert. Da hilft mir auch ein Philipp Amthor herzlich wenig der mit seinen 26 Jahren klingt wie ein 80-jähriger. Er kann als Mitzwanziger gerne ein Weltbild von vor 50 Jahren haben und Politik für Rentner machen, dafür ist er eben in der CDU. Alles sein gutes Recht. Es erschließt sich mir nicht (lasse ich rein machtpolitische Gründe mal weg), aber es ist eben sein gutes Recht auch als junger Mensch dämliche Politik von vor 50 Jahren zu machen. Mein Punkt: Er ist da recht alleine. Der Altersdurchschnitt unserer derzeitigen Regierung liegt glaube ich bei 55 oder so. Im Parlament selbst gibt es wenige unter Dreißig-jährige, wenn überhaupt unter Vierzig-jährige. Dementsprechend ist die Politik.

Ich halte wie gesagt nichts von Jung gegen Alt. Auch ältere Menschen können kluge und zeitgerechte Politik machen oder anmahnen – siehe Gregor Gysi und andere und auch junge Menschen können blödsinnige und mitunter gefährliche Politik vertreten. Nur weil ich jung bin, heißt das ja nicht gleich das ich schlau bin und alles besser weiß. Vice versa gilt das aber eben auch. Es geht um Balance, Ausgleich. Ich möchte ebenso viele jüngere wie ältere Politiker. Wir haben eine Repräsentative Demokratie. Ich will mich vertreten sehen und fühlen. Nun kann man natürlich sagen das in einer immer älter werdenden Gesellschaft nichts so gut unsere Realität widerspiegelt, wie die derzeitige Regierung. Erstens will ich mich damit nicht abfinden müssen, zweitens sollte unsere Politik in dem Fall besser sein, als die Realität. Politik sollte ja mehr sein als Verwaltung, auch wenn genau das den Konservativen nicht liegt. Es geht darum aktiv etwas zu gestalten. Mache ich Politik für junge Menschen, schaue ich positiv in die Zukunft und versuche diese zu gestalten, zum Wohle aller, mag der Wunsch nach eigenen Kindern auch wieder populärer werden. Wie sagte Volker Pispers einmal so schön “Es ist ja nicht so als ob die Deutschen nicht mehr wüssten wie es geht”.

Weil ich im Grunde meines Herzen ein positiver Mensch bin, fasst ein Optimist nur halt ohne die scheiß gute Laune, hoffe ich das dies das letzte Parlament von lethargischen Vollidioten war, welches wir uns zusammengewählt haben. Weil ich aber weiß, dass da hinter System steckt, der Marsch durch die Institutionen darauf angelegt ist, Jahrzehnte anzudauern, befürchte ich, dass es erst mal so weiter geht. Teils aus mangel an Alternativen, teils weil wir gar nichts von diesen Alternativen erfahren. Wie oft redet der DLF denn mit jungen Politikern, wie oft hingegen dürfen die immer gleichen alten Säcken ihren Schwachsinn verbreiten? Das System muss sich ändern, damit sich etwas ändern kann. Die Konservativen sind hier verloren. Die werden hart abgefeiert wenn sie nach 18 Jahren quasi zwangsläufig mal ein wenig Demokratie in ihrem Kanzlerwahlverein ausprobieren und eine über Sechzig-jährige mit einer Mitfünzigerin ersetzen. Und ich frage mich, ob das wirklich das beste ist, zu was wir bzw. eben unsere Institutionen im Stande sind? Es muss doch besser gehen als das.

Etwas in mir wünscht sich das die Konservativen verschwinden. Längerfristig glaube ich auch nicht daran das die Menschheit als ganzes mit solchen Menschen, einer solchen Denkweise überleben kann. Ich mein, während die einen an der Besiedelung des Mars arbeiten, daran Krankheiten zu heilen, den Hunger zu besiegen, die Umwelt (für uns) zu retten, reden wir tatsächlich über Homophobie, Flüchtlinge und darüber ob es okay ist Priester die Kinder vergewaltigen als Vergewaltiger zu bezeichnen oder ob es zu hart ist diese in den Ruhezustand zu versetzen. Ich meine, ernsthaft? Wie können wir uns als halb-intelligente Wesen tatsächlich immer noch mit dieser Scheiße aufhalten? Warum haben wir das nicht schon lange hinter uns gelassen? Wieder will ich die Jugend (Kevin Kühnert ist übrigens 29, nicht 16 – wie lange geht so eine Jugend in der Politik eigentlich?) nicht überhöhen, aber könnte es sein, dass sich bestimmte Probleme irgendwann einfach erledigen wenn wir Politiker an bestimmten Stellen hätten für die diese Themen ebenso wenig diskussionswürdig sind wie für große Teile der (jungen) Gesellschaft? Beispiel Ehe für Alle. Hoch emotional thematisiert. Jahrelang bekämpft. Ist das heute irgendwo noch ein Problem? Hat sich deswegen irgendwas geändert? Ist die Ehe nur eines heterosexuellen Paares deswegen irgendwie weniger wert? Wie viele Kinder sind deswegen verschwult? Es ist ein Witz, es ist scheiß egal, es ist ein Kunstthema und davon gibt es zu viele. Die müssen weg. Die ganze AfD ist ein scheiß Kunstthema. Diese Leute die zurzeit in Amt und Würden stehen, schaffen das nicht mehr. Also müssen wir die allesamt abwählen. Wir könnten viel weiter sein. Wir müssen aufhören uns mit Blödigkeiten zu beschäftigen, wir haben viel wichtigere Probleme.

Foto : dpa

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By Ben
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