BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

Die Perversion der Beschränktheit

14-008_fuck-wallstreetFolgendes Gedankenspiel: Da ist eine innovative Firma welche Produkte herstellt die sich großer Beliebtheit erfreuen. Diese Firma schreibt seit Jahren gute Zahlen. Jedes Jahr kann diese Firma die Erwartungen übertreffen. Die Aktie steigt auf nie dagewesenes Hoch, der Konzern avanciert in kürzester Zeit zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Unabhängig innovativer Flauten verkaufen sich die Produkte nach wie vor extrem gut, der Konzern wird als Marke wahrgenommen, polarisiert, auf der einen Seite verehrt, auf der anderen verachtet. Besser geht es nicht. Wiedereinmal legt der Konzern fantastische Quartalszahlen vor, wieder einmal deutlich über dem was der Konzern selbst vorausgesagt hatte, wieder einmal deutlich vor der Konkurrenz, wieder einmal sind die Aktionäre eigentlich zu frieden, doch oh weh, trotz das die Zahlen fantastisch waren, bestimmte Analysten, Spekulanten hatten noch mehr erwartet. Wohlgemerkt, die Zahlen sind mehr als nur solide, sie sind fantastisch, doch getreu dem Motto “Zu viel war nicht genug” hätten sie halt noch fantastischer sein sollen. Nicht können, aber sollen. Die Analysten sind enttäuscht, die Aktie verliert an Wert (nicht wenige dieser Analysten werden vorher auf genau dieses Szenario gewettet und sich damit dumm und dämlich verdient haben) und obwohl der Konzern gesund ist, obwohl er funktioniert, obwohl er immer noch das Maß aller Dinge, verliert das Unternehmen real an Wert. Der Konzern der über große Barreserven verfügt (wohl gemerkt, ein Schuldenfreies Unternehmen!) hatte kurz zuvor ein Kredit in Milliardenhöhe aufgenommen, angeblich weil dies günstiger sei als das im Ausland investierte Geld abzuziehen, vor allem aber um in irgendwas investieren zu können und seien es eben Schulden), kauft nun für 20 Milliarden eigene Aktien zurück um den Kursverfall zu stoppen. Obwohl offensichtlich funktioniert es, die Aktie steigt um 5%. Um also kein Geld zu verlieren, verschleudert man Milliarden.

Jeden den man das erzählt und der nicht gänzlich bescheuert ist würde einen für nicht ganz dicht erklären, doch genauso funktioniert unsere Wirtschaft, bzw. der Aktienmarkt. Das ganze ist ein Kindergarten mit gefährlichen Instrumenten der überhaupt nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Apple ist hier keine Ausnahme, jedes Unternehmen das solide wächst (da Wachstum nun mal leider der einzige Indikator für Erfolg ist an dem wir glauben), aber irgendwann keine pervers hohen Wachstumsraten aufweisen kann (irgendwann ist nun mal Schluss), verliert an der Börse an Wert. Es geht nicht um den tatsächlichen Wert des Unternehmens, um das Produkt was hergestellt wird. Es geht um nichts reales, es geht nur um die Wette, das Spekulieren darauf wie lange ein Unternehmen rasant wachsen kann. Es geht um den richtigen Zeitpunkt ein Unternehmen fallen zu lassen und mit dessen Scheitern das richtige Geld zu verlieren. Wenn es schwächelt (was weder Apple noch Amazon in der Realität tun), ist es zum Abschuss freigegeben.

Warum lassen wir zu das unsere reale Wirtschaft und damit unser aller Existenz von diesen Spekulations-Arschlöchern bedroht wird? Warum nehmen wir es hin das die wenigen die überhaupt spekulieren und sich bereitwillig oder aus Dummheit auf diesen Wahnsinn einlassen unser aller Wohlstand verzocken können? Es geht hier bei nicht um Apple, nicht um Amazon oder sonst irgendein Unternehmen. Es geht um das Konstrukt selbst, das Prinzip Wahnsinn was dermaßen realitätsfern und gefährlich ist. Da entlässt ein Unternehmen tausende Mitarbeiter. Nicht weil sie nichts zu tun hätten, nicht weil sich das Produkt schlecht verkauft, nein, einfach nur weil das letzte Quartal den Analysten zu schlecht war. Nichts geht schneller als an den Personalkosten zu sparen, ob es dem Unternehmen gut tut, siehe Deutsche Bahn.

Dieses System ist irre, es ist brand-gefährlich, es wird uns immer wieder um die Ohren fliegen bis es hoffentlich bald dermaßen kraftvoll und endgültig implodiert das es alles was damit zu tun hat verzerrt und vernichtet. Dies wird jedoch nicht leise über die Bühne gehen. So sehr ich es mir wünsche, ich kann mir kaum einen leisen Paradigmenwechsel vorstellen, die problemlose Transformation vom Casino-Kapitalismus zum demokratischen Sozialismus. Bricht der weltweite Kapitalismus so zusammen das kein Staat es sich leisten kann alle Banken etc. zu retten, bedeutet das erst mal das Ende der meisten Zivilisationen unseres Planeten. Zumindest eben in ihrer jetzigen Form. Auch wenn das Leben immer weiter geht, so bestünde doch die Gefahr von massenhafter Verarmung, Verteilungskriegen, Anarchie. Extreme Umstände in denen Menschen sich oft nach radikalen, falschen Führungspersönlichkeiten sehnen, in denen die mut- und ideenlosen ihr Denken gerne abgeben und es anderen überlassen. Vielleicht ist die Frage danach wie dumm wir eigentlich sind das wir ein solches System einfach so hinnehmen grundverkehrt, vielleicht sollte die Frage viel mehr lauten ob wir wirklich nicht zu mehr als das hier fähig sind. Vielleicht ist es keine Frage davon was wir wirklich hinnehmen, sondern was uns besseres einfallen könnte angebrachter. Sicher, wir gelten als sie höchst entwickelte Spezies des Planten. Betrachtet man unsere Fähigkeiten uns auszudrücken, Sprache, Musik, Kunst unseren Einfallsreichtum, unser Bestreben unsere evolutionären Nachteile auszugleichen, so mag das stimmen. Dann wiederum gibt es keine andere Spezies die in einen solchen Ungleichgewicht zur Natur existiert wie der Mensch. Das wir wider besseren Wissens nach und nach unseren eigenen Lebensraum zerstören zeugt von einer unfassbar ausgeprägten Ignoranz oder schlicht Dummheit. Es mag daher die Frage erlaubt sein ob dieses System, obwohl offensichtlich mangelhaft wirklich das beste ist was uns einfallen kann. Unser Verstand mag nicht für mehr ausreichen. Bis hier her konnten wir uns entwickeln, mehr geht nicht. Ist dieses kaputte System in denen die Vielen den Wenigen dienen das beste,  was uns mit unseren beschränkten Geist einfallen kann? Vielleicht sind wir schlicht und ergreifend noch nicht bereit für ein intelligenteres, gerechteres System in welchen alle Menschen in Würde leben könnten. Während die Vorstellungskraft einiger für solche eine Utopie ausreicht, erkennt man schon am Begriff Utopie das der Großteil von uns dafür nicht bereit zu sein scheint und in diesen System deutlich besser aufgehoben ist. Ein System welches den Schwachen zwar unterdrückt, ein System in welchen man selbst nichts weiter ist als ein unbedeutendes Zahnrad, aber mit klarer Rollenverteilung, mit klaren Zielen und wenig Fragen.

Quelle: Google

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By Ben
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