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Das blutige Ende eines Tyrannen

Muammar al-Gaddafi ist tot. Der Oberst wurde nach gut einem halben Jahr auf der Flucht am Donnerstag in seiner Heimatstadt Sirte gestellt und offenbar auf der Flucht erschossen. Mit der letzten Hochburg des Gaddafi-Regime fällt auch der irre Machthaber selbst. Wie genau der Tyrann zu Tode kam ist noch vollkommen unklar, es gibt Bilder die ihn verletzt, aber lebend in den Händen der Rebellen zeigen. Es scheint als wäre er dann zu Tode gehetzt wurden. Ein unschönes Ende für einen despotischen Verbrecher. Er selbst hätte sich das ersparen können, wenn er rechtzeitig aufgegeben hätte. So starb er für seine verwirrten Überzeugungen. Sicher hat dieser Mann den Tod verdient und die Welt wird ihn nicht vermissen, dennoch hätte ich es lieber gesehen, wenn er in Den Haag vor Gericht gestellt worden wäre. Doch wie schon Saddam und Bin Laden wurde Gaddafi – sicher zur Erleichterung des Westens – schnell und leise außer Verkehr gezogen, ohne das er seinen ehemaligen Verbündeten echten Schaden zufügen kann.

Anders als seine tyrannischen Kollegen wurde die Leiche von Gaddafi für alle zugänglich Tagelang öffentlich zur Schau gestellt. Auf der einen Seite finde ich das gut da so kein Zweifel an seinem tatsächlichen Tod bleibt (anders als bei Bin Laden), andererseits haben selbst die Größten Verbrecher einen letzten Rest an Würde verdient, auch wenn er dies selbst seinen Opfern verwehrt hat. Seine Familie fordert die Herausgabe des Leichnams, weiß nicht wie ich das finde. Es war Muslime und ich bin absolut dafür das er nach muslimischen Traditionen beigesetzt wird (wobei das dann auch  innerhalb von 24 Stunden hätte stattfinden müssen), aber er sollte an einem geheimen Ort beerdigt werden, damit seine letzte Ruhestätte nicht zu einer Pilgerstätte für geistig Verwirrte wird. Der Westen fordert eine lupenreine Aufklärung über die Umstände des Todes von Gaddafi, das scheint dem Übergangsrat zwar unangenehm zu sein, sie haben jetzt aber einer Obduktion zugestimmt. Es scheint so als haben sie kein echtes Interesse daran herauszufinden wer genau Gaddafi den tödlichen Schuss verpasst hat, Hauptsache der Bastard ist tot. Auch verständlich, aber das neue Libyen sollte nicht mit einer Lüge beginnen. Niemanden wird ihnen übel nehmen wenn sie Gaddafi hingerichtet haben.

Kohl, Schröder, Merkel, Putin, Clinton, Bush – sie alle und noch viel mehr haben Jahrelang Geschäfte mit Gaddafi und seinem widerlichen Regime gemacht. Ihn allen war die Unterdrückung des libyschen Volkes herzlich scheiß egal. Erst als die Revolutionäre sich zu Millionen erhoben und dem herrschenden Regime den Krieg erklärten ließen all unsere Schein-Demokraten Gaddafi fallen. Jeder von ihnen wird ins Geheim sicher froh sein das der Mann nun tot ist und es keinen Prozess geben wird. Man stelle sich diesen – zugegeben – gänzlich irren Tyrannen vor Gericht vor, wie er all die dunklen Machenschaften mit seinen ehemaligen West-Verbündeten aufdeckt. Die Familie Bush hätte bis zum letzten Glied auswandern müssen.

Ich verstehe natürlich das die Libyer sich an Gaddafi und seinem schrecklichen Regime rächen wollten und sich nach Genugtuung für über vier Jahrzehnte von Unterdrückung und Terror sehnten, dennoch wäre es für das neue Libyen besser gewesen, wenn man Gaddafi vor Gericht gekommen wäre. So wird er – wenn auch für sehr Wenige – zum Märtyrer werden. Das er zum Schluss tatsächlich in seiner Heimatstadt gefunden wurden, also nicht außer Landes geflohen ist, wird das Bild des furchtlosen Kriegers sicher stützen.

Nun ist der Irre weg und ich hoffe das es den verschiedenen Clanen gelingt sich zu verständigen und zusammen ein neues, freies, demokratisches Libyen zu formen. Ich wünsche es nicht dem Westen, die in Libyen vor allem einen wichtigen Verbündeten denn ein Volk sehen, ich wünsche es den Menschen dort, die nun viel zu lange unter diesen Despoten gelitten haben. Der Übergangsrat hat schon verkündet das die neue Verfassung Libyens sich an die Scharia richten wird, nicht gerade das was sich der Westen, allen voran sicher die USA, gewünscht haben. Tja, Pech gehabt.

Ich habe heute gelesen das sich Gaddafi’s Privatvermögen auf über 200 Milliarden US-$ belaufen soll, damit wäre er der reichste Mensch der Welt gewesen, viermal so vermögend wie Bill Gates. Alleine daran sieht man doch das Gaddafis Regime ebenso kriminell wie unbarmherzig war: Das Volk hungert und der Mann bereichert sich als Einigster an den Bodenschätzen seines Landes und bedeutet seine Leute aus. Ekelhaft.

Ein Wort noch (weil ich nie dazu kam) zur Beteiligung der Deutschen zum NATO-Einsatz zur Unterstützung der Aufständischen, bzw. der Verweigerung derselbigen. Wir erinnern uns, als es darum ging (nachdem schon Hunderte, Tausende einfach so umgebracht wurden) die armen Menschen in Libyen vor den übermächtigen Gaddafi-Militär aus der Luft zu unterstützen, enthielt sich Deutschland und lehnte eine aktive Beteiligung an dieser Operation strikt ab. Wir waren nicht dagegen, doch wir wollten nicht mitmachen. Ich bin bekanntermaßen dagegen das deutsche Soldaten irgendwo in fremden Kriege kämpfen. Krieg ist immer die falsche Antwort. Hier ging es aber darum Unschuldige von einen Tyrannen zu befreien der sein eigenes Volk niedermetzelt, weil dieses ihn nicht mehr wollte. Das ist ein qualitativer Unterschied. Ich will bei so was nicht zu gucken müssen. Wie können wir nach Afghanistan gehen, einen Krieg führen den es gar nicht hätte geben dürfen und hier humanitäre Hilfe verweigern? Zumal wir brav Waffen an alle möglichen Länder liefern und  – wie erst vor kurzem bekannt wurde – die Ziele für die NATO-Bomber auswählten. Wir sind so scheinheilig, so feige das wir den anderen zwar erzählen wo sie ihre Bomben hinschmeißen sollen, selber aber keine Soldaten schicken weil die Wähler das uncool finden. Unsere Außen- und Waffenexport-Politik widert mich so was von an, ich könnte kotzen.

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By Ben
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