BENSTAGE 19.1 Next Level Failure

26 Gründe nicht die CDU zu wählen … Einundzwanzigstes: Phantasielos

Am 26. September wird gewählt. Wie auch die letzten Jahre, geht es um etwas. Doch der Unterschied ist, das es mit dem Ende der Ära Merkel (diese harte Überhöhung einer absolut unterdurchschnittlichen Karriere geht mir hart auf den Sack) eine echte Chance der Veränderung gibt. Was Merkel gekonnt unterdrückt oder besser eingeschläfert hatte, bricht sich Bahn: Wechselstimmung. In den Umfragen ist die CDU auf teilweise 20% abgestürzt. Doch ich traue dem Ganzen nicht und rechne damit, dass die CDU, gleichwohl sie sicherlich herbe Verlust hinnehmen wird müssen, letztlich wieder die stärkste Partei wird. Doch selbst wenn, bestünde die Möglichkeit eine Regierung ohne sie zu bilden. Wenn der Wille besteht. Diese Serie richtet sich an die, die immer noch damit liebäugeln der CDU die Stimme zu geben – jeden Tag ein triftigen Grund, nicht die CDU zu wählen …

Es ist das eine, keine Vision zu haben, keine Phantasie zu besitzen, ist etwas ganz anderes. Auch bedingt das eine, wohl das andere. Was aber hat Phantasie mit Politik zu tun? Dabei geht es um Fakten, bitte sehr! Gut, nennen wir es Vorstellungskraft. Wenn ich nicht in der Lage bin, mir etwas anderes als den Status Quo vorzustellen, mache ich zwangsläufig immer wieder die gleiche Politik. Die CDU hadert deswegen so mit Veränderungen, weil sie sich maximal den Status Quo oder aber die Vergangenheit vorstellen kann. Wie etwas sein könnte, Wie sich etwas entwickeln könnte, das entzieht sich vollkommen deren geistige Fähigkeiten.

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

Carl Josef Neckermann

Beispiel Mindestlohn. Jahrelang auf bitterste bekämpft, das könne man sich nicht leisten, es würde zu Massenarbeitslosigkeit führen, Deutschland wieder zum kranken Mann Europas machen. Man muss sich das perfide dieser Statements deutlich machen: die Partei, die von sich behauptet eine hohe Wirtschaftskompetenz zu besitzen sagt “Sorry, aber von bestimmten Jobs kann man halt nicht leben, das lohnt nicht die fair zu entlohnen. Brauchen tun wir die natürlich trotzdem, müssen wir als Gesellschaft halt subventionieren, aber der Wirtschaft kann man nicht zumuten jeden so zu entlohnen, dass man davon leben kann” – ernsthaft? Der Mindestlohn kam und es gab genau Null Probleme damit. Ja, der Friseurbesuch wurde teurer und natürlich ist das für die Ärmsten unter uns ein Problem aber guess what, die haben ja auch ein wenig mehr Geld und stecken dies – Oh Wunder – nicht in Aktien, sondern geben es aus und bestreiten ihr Leben.

Beispiel Autofreie Stadt. Als leidenschaftlicher Fahrradfahrer kann ich mir das gut vorstellen. Stand jetzt hätte ich nicht für alles Lösungen was das an Herausforderungen mit sich bringt (Pendler müssen ja immer noch in die Stadt, bestimmte Berufsgruppen die nicht auf ihr eigenes Fahrzeug verzichten können etc.), aber als Ziel, als Utopie finde ich das interessant und würde gerne darüber nachdenken. Für die CDU ein Affront. Städte ohne Autos, wo kämen wir dahin? Ohne autos veröden Innenstädten. Zwar ist dieser Mythos lange widerlegt, aber deswegen kann man dieses tote Pferd ja noch ein paar Jahrzehnte reiten. Ich würde nicht morgen die Autofreie Stadt ausrufen wollen, aber Schritte in diese Richtung unternehmen. Evolution statt Revolution. Für die CDU nicht mal ein Thema was es wert wäre diskutiert zu werden. Autos sind alternativlos. Gleichzeitig quarkt man etwas von Mobilitätswende. B-Scheuer-T.

Beispiel Bedingungsloses Grundeinkommen. Ebenfalls kein Thema für die CDU. Wer soll denn dann noch arbeiten gehen und wer soll das ganze Geld erwirtschaften? Das geht, denke ich, am Thema vorbei. Während die Digitalisierung viele neue Jobs schaffen wird, dies in einer Geschwindigkeit die wir uns jetzt noch nicht vorstellen können, werden viele andere Berufe schlicht obsolet werden. Eben gerade weil dies immer schneller geschieht, werden die Betroffenen vielleicht nicht mal die Chance haben, sich rechtzeitig umzuorientieren. Was machen wir mit all denen, deren Arbeitskraft schlicht nicht mehr gebraucht wird (die ja aber vielleicht andere Talente haben, die man aber evtl. nicht so gut monetisieren kann)? Ich glaube schlicht das wir irgendwann um ein BGE nicht mehr herum kommen werden, irgendeine Art davon. Ein schwieriges Konzept, was sicher nicht sofort gelingt. Um so wichtiger wäre es, dies breit zu diskutieren, es auszuprobieren (im sehr kleinen findet das ja auch statt, langsam), zu lernen und es stetig zu verbessern. Die CDU kann sich diese Zukunft nicht vorstellen, daher ist es kein Thema.

Beispiel 4-Tage Woche. Das wir im Schnitt 40 Stunden, 5 Tage die Woche arbeiten ist ein Ergebnis von Arbeitskämpfen, Gewerkschaften und so weiter. Inzwischen scheint dies aber irgendwie Gott-gegeben zu sein, nichts, was man jemals verändern müsste. Ein Sakrileg wer auch nur daran denkt. Dabei könnte es ein erstes Instrument sein um auf die Digitalisierung zu reagieren, die allgemeine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit, bei vollen Lohnausgleich natürlich. Dürfte am Ende sogar Arbeitsplätze schaffen. Kein Thema für die CDU, eine Welt in der Menschen mehr Zeit haben für sich, für ihre Familien, Freunde, Hobbies oder vielleicht sogar um sich ausgiebiger mit Politik zu beschäftigen, undenkbar für die CDU.

Foto : Britta Pedersen / DPA

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By Ben
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