BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

Der merkwürdige Mensch und das Lied von der Liebe

Ich traf einmal einen Mann, ganz flüchtig nur, der war verliebt. Ich fragte ihn, wie das geschehen konnte und er wusste es nicht. Er habe solange nach der Liebe gesucht, sie verflucht und zum Teufel gewünscht und sie dabei doch in jeder noch so finsteren Ecke erhofft, das er beinahe geblendet war, als sie eines Tages einfach so vor ihm stand. Wunderschön und makellos.

Woran er sie denn überhaupt erkannte fragte ich ihn, wenn er sie doch noch nie zuvor getroffen hatte. Das habe er nicht. Sie erkannte ihn. Doch sie zu beschreiben würde ihm noch immer schwer fallen. Sie war ein Geschöpf aus Licht und purer Verheißung. Flammen die einen nicht verbrannten, aber wärmten. Wasser was einen nährte, doch nicht nässte. Luft die zu Flügeln wurde, die einen trugen. Erde die sich um die eigenen Wurzellosigkeit formte und die Idee einer Heimat in ein sehnsüchtiges Gewand kleidete. Elemente die Chaos erschufen und es in die Ordnung stürzten.

Die Liebe, so seufzte er, war das Kind der Ewigkeit. Sie war die Musik zu der sie durch die Unendlichkeit tanzten. In nur einer Sekunde, erlebten sie unzählige Leben. Unaussprechliche Dinge die in Welten geschahen, die niemand je verstehen würde. Eng aneinander geschmiegt, war dort nichts was sie hätte trennen können. Jähzornig doch auch voller Bewunderung blickte die Zeit sehnsüchtig auf sie und wusste, dass sie diesen beiden Liebenden nichts würde anhaben können. Das sie ihr entkommen würden. Zusammen schauten sie vom Himmel herab und verstanden alles.

Er müsse der glücklichste Mensch der Welt sein staunte ich. Da begann er bitterlich zu weinen und lies es regnen. Schwarze, schmutzige Tropfen bedeckten das verwelkte Land, verhüllten seine geschundene Hülle. Er hätte sie verloren und würde sie niemals wieder sehen. Warum er sich dessen so sicher sei musste ich wissen. Er schaute mich mit verlorenen Augen an und das Herz wurde mir schwer. Niemals hätte er gedacht der Liebe tatsächlich noch zu begegnen. So sehr er sich danach verzehrte, so wenig glaubte er ihrer würdig zu sein. Sich ihrer Existenz sicher seiend, hatte er die Hoffnung verloren sie je erblicken zu dürfen.

Alles, was in ihm zum Leben erwachte, verdankte er dem unbekannten Kind einer Welt, die er nicht verstand. Einer Zeit, derer er niemals Herr wurde. All diese Gedanken, Gefühle, Farben und Möglichkeiten. Das wunderschöne Lied was durch seine Adern vibrierte. Das Feuer das die Zeit verbrannte. Mit ihr an seiner Seite, mit der Melodie des Lebens im Herzen, würde er ewig leben und immer wieder neue Seiten des Sein beschreiben können. Kapitel um Kapitel. Doch dann, verstummte die Melodie und die Realität die sie erschaffen hatten, zerbrach. So viel mehr, als er je für möglich hielt, zerbrach und wurde von der Dunkelheit verschluckt.

Es schien, so schluchzte er, das er am Ende in der Tat nicht würdig war etwas so kostbares sein eigen nennen zu dürfen. So war es der Mann selbst, der – ohne es zu wollen – die Liebe um ihr wunderschönes Lied brachte ohne das sie nicht atmen konnte. Sie ersticke in seinen ungeschickten Händen und ergab sich der Zeit die sie an sich riss und lachend davon schritt.

Seine Geschichte brach mir das Herz doch wollte ich ihn aufmuntern und träumte, dass er sie wieder sehen könne, wenn er nur immer nach ihr suchen würde. Vielleicht fand sie ihn eines Tages wieder und schrieb ein neues Lied für sie beide. Eine andere Melodie. Schöner noch, als die erste. Doch er schüttelte den Kopf und offenbarte mir das er genau wissen würde, wo die Liebe heute sei.

Sie litt, schrie und weinte laut in dem Gefängnis welches er in seinem tiefsten Inneren für sie erschaffen hatte. Dort kauerte sie am Boden, von der Zeit lange verlassen, der Ewigkeit ergeben. Hinter Gitterstreben die sie ebenso wenig überwinden konnte wie er selbst. Sie war so nahe doch könnte sie ebenso gut am anderen Ende des Universums sein, welches nur wegen ihr so etwas wie ein Ende kannte. An diesem Ort, tief, ganz, ganz tief in seinem Inneren, saß er ihr in einer anderen Zelle die sie für ihn erschaffen hatte gegenüber. Er spürte sie, doch konnte er sie nicht sehen. In dieser anderen Zelle, dort hatte sie alles was gut und rein war eingesperrt. Dort, im Dunklen, ohne das er es erblicken konnte wusste er, war das Paradies was er einst in Händen hielt und dort, würde es ewig leben während er in seiner Zelle langsam verblasste.

Als ich den Mann verließ, war ich mir sicher das ich der Liebe niemals begegnen wollte. Da hörte ich diese schöne Melodie…

 

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By Ben
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Zum Finden berufen, zum Suchen verdammt.

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