BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

Der Besuch

In einer nicht allzu unwahrscheinlichen Zukunft…

Das ehrwürdige Büro lag im Dunklen. Es war still. Ein sterbendes Feuer glimmte schwach im Kamin. Flammen züngelten um den letzten Holzscheit, verzehrten was noch davon übrig war. Sich dem baldigen Ende bewusst. Doch hungrig und nach mehr strebend. Ein beruhigendes Knistern erfüllte den Raum. In der Ferne waren leise Protestgesänge zu hören, eine Revolte vielleicht. Maschinengewehrsalven die sich den Aufständischen annahmen. Die Melodie des Todes die weite Teile der unruhigen Stadt einnahm und sich langsam über das gesamte Land ausdehnten. Ab und an klopfte es panisch an der Tür. Verzweifelte Gestalten die Einlass erbaten, doch der Mann hinter dem großen Schreibtisch rührte sich nicht. Die klobige Gestalt hatte die Füße auf den antiken Tisch geruht und starrte auf das Display seines Smartphones. Es erhellte sein dumpfes Gesicht, seine orangenen Haare schienen im Dunkel zu glühen. Mit einem breiten Grinsen beobachtete er die Reaktionen auf seinen letzten Tweet „No North Korea anymore – told you not to test me! So sad.“ Wenige Minuten zuvor hatten amerikanische Atomraketen das kleine Land ausgelöscht. Aus Rache hatte Kim Jong Un vor seinem Tod Südkorea und die Insel Guam vernichtet. Millionen waren umgekommen. Präsident Trump hatte Wort gehalten – mit Feuer und Wut.

Natürlich waren seine Berater dagegen, einige hatten ihn sogar die Gefolgschaft verweigert. Feiges Pack. Und natürlich würden die Fake News Media ihm das wieder ankreiden. Zu emotional und unberechenbar. Pfff – eben das, war doch seine Stärke. Und es war Zeit das wieder einmal unter Beweis zu stellen. Was hätte er denn sonst tun sollen – Politik etwa? Es war verdammt nochmal nicht die Zeit für Politik. Die USA lagen im Sterben, es musste gehandelt und nicht ewig über die richtige Behandlung lamentiert werden. Reden konnten die anderen. Er war der ewigen Diskussionen überdrüssig. Das ständige sich erklären. Er war Präsident verdammt nochmal! Ja, er hatte Millionen auf den Gewissen. Na und? Hatten die anderen auch. Die standen nur nie dazu. Außerdem, keiner zwang diese Menschen in einer Diktatur zu leben. Waren sie doch selbst schuld! Sie hätten ja auswandern und Kim in seinen kommunistischen Kackland alleine lassen und woanders einwandern können. Natürlich nicht in die USA. Hier gab schon zu viele Alt-Left’s. Aber es gab ja auch andere Länder… Holland zum Beispiel! Hatte Holland eigentlich Atomwaffen? Und wo genau lag Holland nochmal? Er müsste das googeln und machte sich eine Notiz.

Das Klopfen an seiner Tür wurde lauter. „Mister Präsident, bitte…“ rief eine verzweifelte Stimme. Vermutlich Mike, dieses Weichei. Der hatte einfach nicht die Eier. Jetzt war doch eh alles egal. Mit Fake-News-Zustimmungswerten von 5% war vollkommen egal was sie taten oder nicht. Außerdem hatte er ihnen Allen vermutlich gerade den Arsch gerettet. Checkten die das nicht? Niemals hatten die Amerikaner einen Commander in Chief abgewählt, der sich im offenen Krieg mit irgendeiner minderwertigen Diktatur befand. Diese Deppen. Sie würden ihn wieder wählen. Und dann würde er sie fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel.

Das rote Telefon klingelte. Er blickte kurz auf. Vermutlich Merkel, die teigige Kröte als Old-Europe. Ihm schauderte kurz. Die Ostzonen Schlampe ging ihm langsam wirklich auf’n Keks. Früher, da standen die Ex-Nazis immer treu an der Seite der Amerikaner. Auf einmal wollten die aufmucken, legten sich ständig mit seiner Regierung an. Dies sei nicht gut, das sei nicht okay. Bla bla bla. Was glauben die eigentlich wer sie waren? Schließlich gäbe es die gar nicht mehr ohne die… na, wie hießen die noch… Donut-Bomber? Er musste das googeln und machte sich eine Notiz. Nur weil die Olle nicht verstand wie Twitter funktionierte. Soll sie halt weiter Politik machen wenn es ihr Freude machte. Er hatte da keinen Bock mehr drauf. Hatte er nie.

Der Lärm von Draußen wurde lauter, Sirenen, Schüsse, Geschrei, ein paar Explosionen. Junge, junge. Trump verdrehte die Augen. Weibisches Pack. Das war eben die neue, amerikanische Härte. Genau dafür hatten die ihn gewählt. Sie brüllten, Er holte die Mistgabel raus. Er hielt seine Versprechen. Plötzlich wurde es still. Er schaute nach draußen und sah das im wahrsten Sinne des Wortes Stillstand herrschte. Niemand bewegte sich. Gegenstände, Menschen verharrten in der Luft. Er wusste, was das bedeutete und dreht sich um. Eine grüne Stichflamme erhellte den Raum und ihr entstieg… der Fürst der Finsternis.

„Hey Lu!“ begrüßte er fröhlich die garstige Gestalt des Grauen.

„Donald!“ erwiderte dieser und begrüßte ihn lässig mit Bro-Fist. Dann lies er sich entspannt in den schweren Ledersessel fallen. Blut, Schwefel, Schweiß und andere unidentifizierbare Flüssigkeiten tropften von seiner verbrannten Haut auf das edle Leder.

„Lu, der Sessel, bitte…“

„Donald“, er hob eine Hand, unterbrach Trump und signalisiert ihm zu schweigen. Neugierig nahm er eine der kleinen amerikanischen Flaggen zwischen seine langen, verkohlten Finger und begann mit ihr zu spielen, „was sollte die Nummer mit Nord Korea, hm?“

„Lu…“

„Nenn mich nicht Lu bitte.“

„Okay, ja, Herr Lehmann“, der Leibhaftige lächelte. „Die haben mich provoziert. Was hättest du getan?“ Herr Lehmann hob was Augenbrauen noch an nächsten kommt. Er seufzte schwer.

„Donald, ich sage dir was ich Cesar, Mao, Adi und den anderen gesagt habe – übertreib es nicht.“

„Aber Herr, ich wollte doch nur…“

„Du stiehlst mir dir Show, mein Lieber.“ Er lächelte süffisant. „Das ist nicht Teil der Abmachung. Ich bringe dich ins Weiße Haus, du hast ein wenig Spaß und hilfst mir Angst und Schrecken zu verbreiten…“

„Das tue ich doch“ erwiderte Trump empört, nahm sich aber gleich wieder zurück.

„Die Leute sollen MICH fürchten und nicht irgendeinen Irren mit Dackel-Toupet, verstehst du? Es war nie die Rede davon das du Nord Korea auslöscht. Es hat mich Jahrzehnte gekostet diese inzestuöse Dynastie der Verachtung so hin zu züchten, wie sie war. Die Kim’s sind, waren zufällig eines meines meiner liebsten Hobbies – und du Penner löscht sie einfach aus!“ Er knallte die Fahne auf den Schreibtisch und stand auf. Er umkreiste Trump, ging ans Fenster und verschränkte die Arme auf dem Rücken. „Adolf hatte recht, du bist einfach noch nicht bereit dafür.“

„Ach der!“ Schnaubte Trump verächtlich. „Der hatte es doch einfach. Andere Zeiten, andere Kriege. Jeder kann Juden vergasen, die hassen eh alle.“

„Ja, und hast du dich mal gefragt warum das so ist? Mein anderes Hobby.“

Trump schmollte. Er hasste es wenn Lu ihn kritisierte. Er fühlte sich dann immer so ertappt. Fast so nervig wie die olle Merkel.

„Donald, Donald… was mache ich nur mit dir, hmm?“ Er schaute auf Trump hinab.

„Wieso, was meinst du?“

„Na, was glaubst du denn was jetzt passiert? Ein bisschen schlechte Presse und dann ist gut? Donald, du denkst nicht Vierdimensional!“

„Was meinst du? Ein paar Scharmützel, nichts was wir nicht hinkriegen werden. Meine Regierung ist stark!“

„Deine Regierung ist ein Witz und praktisch nicht mehr vorhanden. Was glaubst du denn was gerade vor dieser Tür da abgeht“ – er zeigte zur Tür. Trump gucke verwirrt.

„Ich verstehe dich nicht. Tod und Verderben, das ist doch dein Business oder nicht? Darum hast du mich doch ausgewählt…“

Lu fuhr herum und beugte sich aggressiv über Trump. „Ich habe dich überhaupt nicht ausgewählt, Bush hat dich mir an gequatscht falls du das vergessen hast. Du verstehst einfach nicht wie das hier funktioniert. Die brutale Schönheit des Terrors, die sanfte Melodie der Verachtung. Die kunstvolle Inszenierung von Genozid und Massenvernichtung. Du bist so plump wie du aussiehst.“ Er ließ von ihm ab und drehte sich wieder um.

„Für dich, ist der Tod, das Auslöschen von Menschenleben nur eine Tat, ein Befehl, etwas Abstraktes. Du begreifst es nicht. Es macht nichts mit dir. Selbst W. war da empfindsamer. Für mich ist es Kunst. Jeder Atemzug der erlischt, ist eine Symphonie, ein vollkommener Pinselstrich der Vernichtung auf meiner Leinwand des Grauen. Für Adolf war das ähnlich, weißt du? Oh ja, denkt man gar nicht bei der systematischen Vernichtung die er betrieb. Aber er freute sich über jede einzelne Seele die er vernichtet hatte, spürte den Tod dieser Millionen Unschuldiger in seiner Brust. Über Kilometer hinweg. Noch immer teilen und genießen wir den Schmerz den er verursacht hat. Er ist und bleibt einer meiner Besten…“ Seine Augen glühten auf vor Stolz. Er dreht sich wieder um. „Du jedoch, du verstehst einfach nicht worum es geht.“

„Aber Herr, das kann ich doch auch. Vielleicht keine Juden vergasen, ich denke das kriege ich hier nicht durch, aber die Neger zum Beispiel…“

Lu seufzte. „Du kapierst überhaupt nichts. Das Böse, ist viel komplexer als du es dir vorstellst. Du bist tatsächlich zu doof dafür. Jeder Trottel kann ein Land mit überlegener Feuerkraft ausradieren. Glaubst du nicht, ich hätte das längst getan, wenn ich es gewollt hätte? Wer soll mich aufhalten – Gott etwa? Der hat noch mehr die Schnauze voll von euch, als ich. Wenn es nach ihm gehen würde, hätten wir den Laden hier vor Jahrhunderten dicht gemacht“, er breite die Arme aus. „Nein, euer jämmerliches Fortbestehen verdankt ihr nur mir. Und dann ziehst du so eine Show ab. Du sollst den Laden anheizen und nicht dicht machen. Das ist nicht dein scheiß Job, Herr Präsident!“ Er atmete tief durch. „Du kapierst einfach nicht was subtiler Terror bedeutet. Du bist tatsächlich zu doof richtig böse zu sein. Leben wir im Mittelalter?“ Er zeigte nach draußen. „Wenn ich Fackeln und Mistgabeln gewollt hätte, hätte ich David Duke zum Präsidenten gemacht. Du bist wie eine hysterische Comicfigur auf Droge. Du bist tatsächlich lächerlicher als deine eigenen Karikaturen. Was ich will, ist psychologischer Terror, kein weiterer Weltkrieg. Dafür hab dieses Jahrhundert einfach keinen Nerv. Ich will die kleinen Krisen, die Reinheit des Bösen in den simplen Dingen. Bosheiten und private Tragödien. Was machst du? Du haust mit dem Hammer auf alles was du nicht verstehst, du Otto!“

„Dann mach es doch rückgängig, wenn es dir nicht gefällt“, schnodderte Trump beleidigt.

„Wer bin ich, Jesus oder was?“ er breite die Arme zum Kreuz aus. Ich mache nichts rückgängig. Es gab ZWEI Weltkriege wie du weißt, nicht keinen. Es gibt DREI Bush Brüder, nicht keinen.“

„Es sind vier oder?“

Lu’s Augen glühten „Marvin ist kein echter Bush, der ist viel zu weich. Sagt Herbert.“

„Hmm… Also, was ist jetzt?“ Drängelte Trump. Er wurde müde und wollte ins Bett.

„Ich weiß nicht, ich muss nachdenken. Wenn es nach Adi geht, nehme ich dich gleich mit. Aber nicht für das Oberhaus. Slump-Hölle, mein Lieber. Unterster Höllenkreis. Bei Falwell und Nixon.“ Trump schauderte.

„Aber das ist mir zu einfach. Außerdem darf ich Adi nicht zu viele Wünsche erfüllen, der wird mir langsam zu arrogant. Reichst ihm den kleinen Finger, reißt er gleich den ganzen Arm nach oben…“ Lu wirkte abwesend. Eine unangenehme Stille breite sich aus. Je länger sie dauerte, desto schwerer lastete sie. Trumps Eingeweide zogen sich zusammen. Sein Darm gluckste. Ein unangenehmes Grummeln und Drücken. Er musste furzen und konnte es kaum zurückhalten. Verdammte Bohnensuppe.

„Weißt du Donald,“ Trump erleichterte sich so leise es ging, jedoch nicht ohne etwas Land in seine Unterhose zu entlassen. Schon wieder. Lu hielt kurz inne, verzog was mal eine Nase war, räusperte sich und fuhr fort, „du bist halt nicht mal sonderlich witzig. Ich mein ja, du warst es. Hattest deine Momente. Aber wie ein Kaugummi verlierst du einfach zu schnell an Geschmack. Ich hätte es wissen müssen. Ich habe mich von deiner brachialen Abartigkeit blenden lassen. Habe etwas in dir gesehen, was einfach nicht da ist. Ich hatte drei oder vier Amtszeiten für dich vorgesehen weißt du, aber du langweilst mich eigentlich jetzt schon. Ich weiß einfach nicht was ich mit dir machen soll…“

Trump tat so als würde er überlegen, dann fuchtelte er mit seinen kleinen Händen. „Wie wäre es mit einer Beförderung, Engel des Todes oder so etwas?“ Er grinste.

„Beförderung? Du?!“ spottete Lu, „Engel des Todes? Hast du überhaupt eine Ahnung was die machen? Sorry, du kannst vielleicht dieses degenerierte Land kaputt regieren, aber ich würde dir nicht mal meinen Keller anvertrauen. Ganz zu schweigen von der Seelenernte. Dafür braucht man Köpfchen, mein Lieber, Ausstrahlung, Charisma“, er zeigte verächtlich auf Trump, „keine Attribute mit denen du glänzen kannst.“

Der Fürst der Finsternis schaute sich im Oval Office um, betrachtete geistesabwesend die Gemälde von Trumps Vorgänger an den Wänden. „Ich hasse es hier her zukommen, weißt du? Es langweilig mich. Ich komme schon so viele Jahrzehnte hier her, erzähle euch was ihr tun und lassen sollt. Und irgendwie werdet ihr tatsächlich von Iteration zu Iteration dümmer.“ Er schaute hinunter auf Trump, welcher ihm offensichtlich nicht folgen konnte. „Vergiss es“, er machte eine abschätzige Handbewegung. Trump gluckste.

Lu rieb sich das Kinn. „Ich kann jetzt einfach keinen weiteren Weltkrieg gebrauchen, verstehst du? Ich arbeite an etwas Großem“, seine Augen leuchteten, „und der scheiß Papierkram für so globale Krisen wird immer aufwändiger. Von wegen schöne, neue Welt. Du hast ja keine Idee wie aufwändig so ein Weltkrieg mit Millionen von Toten ist. Es ist echt die Hölle… Du bringst mich in eine schwierige Lage, Donald.“

„Und wenn ich zurücktrete?“ schlug Trump nach einer Weile schüchtern vor.

„Ach, ich kann dich auch von Rosie O’Donnell erschießen lassen, darum geht es ja nicht. Nein, es geht um den Schaden den du angerichtet hast. Du bringst meine ganze ToDo-Liste durcheinander.“

Er betrachtete Trump wie dieser mit leeren, ratlosen Blick vor ihm saß. Wie ein kleiner, dummer Junge der nicht weiß, was er falsch gemacht hat. Ein armes Würstchen was nie so richtig verstanden hat, warum er ihn seit Jahrzehnten unterstützt und gefördert hatte. Lu mochte die Dumpfen, die etwas Einfältigen. Man konnte sie so ehrlich böse Dinge machen lassen. Aber er verachtete die wirklich Dummen. Die, die einfach zu blöde waren das wahre, grauenhafte Genie das er war zu begreifen. Die Banalität des Blöden, danke Hanna Arendt, dachte er. Er seufzte. „Du lässt mir keine andere Wahl.“

Ein paar Jahre zuvor lehnte Lu als Roger Stone getarnt (er genoss es einfach zu sehr als einer von ihnen unter den Menschen zu wandeln) entspannt an einer der Zuschauer-Tribünen des Republikanischen Nominierungsparteitag, als der frisch-gekürte Kandidat Trump gerade die Bühne betrat. Die Halle tobte und doch schüttelten einige verwundert ihren Kopf. Trottel, dachte Lu. Trump begann zu sprechen und Lu hielt sich die Ohren zu. „Dein Auftritt, Rosie“ flüsterte er.

Und während alle aufgeregt von ihren Plätzen hoch sprangen, einige schockiert zur Bühne stürmten auf der eine manische kreischende Rosie O’Donnell soeben Donald Trump mit mehreren Schüssen in den Kopf hingerichtet hatte, drehte er sich langsam um und verschwand unentdeckt in der panischen Menge.

Foto / Quelle : themillennialdemocrats.com

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