BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

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Unzählige Schritte. Viele verbrannte Brücken hinter sich gelassen. Sich nur deswegen bewegend, weil es das Gesetz des Seins einst so vorgesehen hatte. Unfähig zu laufen, unwillig stehen zu bleiben. Ab und an stolpernd. Manchmal zu Boden stürzend. Die schützende Hand besserer Tage lange losgelassen, weg geschlagen gar und trotzig darauf gespuckt. Die Kälte nicht mal mehr spürend schaute er nur noch selten auf. Zu den Sternen. Den fernen Boten besserer Tage. Diesen unbekannten Beobachtern. Verurteilten oder begleiteten sie ihn bei seiner Reise? Wussten sie, wohin es gehen sollte?

Er irrte durch die Zeit und wart lange verloren. Die Zeit, das war sein Leben. Alles davor war bedeutungslos, alles danach würde bedeutungslos sein. Was zählte, waren nur die Tage die er mit Leben füllte. Es zumindest versuchte. Doch tat er das eigentlich? Leben? Irgendwann einmal, irgendwo war leben mehr als nur zu atmen, war es nicht so?

Woher wussten die Menschen das sie ein gutes Leben lebten? War nicht jeder das erste und auch das letzte Mal hier? War dies nicht Generalprobe und letzter Vorhang zugleich? Warum gelang es einigen dann so viel besser als anderen? Was wussten sie, was die Unscheinbaren unter ihnen nicht sehen konnten? Und warum entschlossen sich immer wieder einige von ihnen umzukehren? Konnten sie nicht einfach einen Moment stehen bleiben, sich setzen und der Szenerie um sich herum ihren Lauf lassen? Waren es bessere Tage die sie heim riefen?

Niemand rief seinen Namen. Keine Heimat die sein Antlitz kannte. Unbekannte Worte, der Ewigkeit nicht vertraut. Dort wo seine Dämonen an ihm zerrten und immer wieder zu Boden zwangen, war dort nichts was ihn irgendwo hin zog. Er konnte gehen wohin er wollte, denn er wusste das alles was er hatte, das einzige und letzte was ihm blieb, der Weg selbst war. Die Erde unter seinen Füßen. Deswegen blieb er hier. Es gab nichts davor, es würde nichts danach geben. Dieser merkwürdige Mensch der immer geräuschloser durch die Gezeiten glitt, würde niemals irgendwo ankommen. So ging er nicht mal der eigenen Vernichtung entgegen. Er würde warten, bis sie ihm fand.

An Tagen wie diesen war er sehr müde. In jeder erdenklichen Form. Er spürte jeden Tag, jede Stunden, jede Sekunde. So viele davon verschwendet. Der Bedeutungslosigkeit geopfert. All diese kostbaren Momente, der Unvollkommenheit ergeben. Der grausame Blutzoll der Unfähigen. Unzählige, unerträgliche Stiche dort wo es am meisten schmerzte. Ein dumpfer Schmerz tief in seinem Inneren. Dieser dunklen Welt die er nicht mehr verstand. Die noch viel dunkleren Pfade in das düstere Reich seines verwirrten Kosmos die er nicht mehr betreten konnte. Ausgesperrt, von dem was einmal wichtig war.

Der Weg wirkte fad und eintönig. Tonlose Klänge, einfallslose Tristesse. Keine Raffinesse, keine Überraschungen mehr. Die immer gleichen Schritte die nirgendwo hin führten. Mit jeden weiteren von ihnen verlor das Sein eines ihrer cleveren Farben. Sie starben und kamen nicht wieder. Eine beinahe monochrome Welt. Zu selten vom Feuer des Unerwarteten durchbrochen. Der Terror des Unbekannten zog kaum noch über diese Lande und versetzte sie zu selten in Schrecken. Alles war genau so, wie es sein sollte. Jeder Stein dort, wo er hingehörte. Eine künstliche Welt, gezeichnet in den akzentlosen Farben des Versagen, der Verzweiflung einhergehend. Wieder neigte sich ein Tag dem Ende zu. Wieder, war das nicht von Bedeutung.

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By Ben
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Zum Finden berufen, zum Suchen verdammt.

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