BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

Star Wars : The Last Jedi

Vorwort

Episode VIII läuft nun seit gut einer Woche überall im Kino und schickt sich an wie sein Vorgänger Milliarden in die Disney’schen Kassen zu spielen. 450 Millionen $ am ersten Wochenende ist amtlich – übertroffen nur vom Vorgänger The Force Awakens. Der Hype sollte langsam versiegen, tut er aber zumindest in meiner Filterbubble nicht. Selten habe ich nach der Veröffentlichung eines Star Wars Filmes so viele posthume Artikel gelesen die sich mit der Geschichte, dem warum und wieso beschäftigen – oder kommt mir das nur so vor? The Last Jedi scheint ein Film zu sein, über den es lohnt zu reden. Und auch wenn mich die scheinbare Dauerpräsenz von TLJ langsam beginnt zu nerven, so komme ich nicht ohnehin meine erste Kurzkritik jenem achten Kapitel in der Skywalker Saga zu widmen. Star Wars ist für mich mehr als nur diese nerdige Hochglanz-Space-Opera. TLJ fordert mich, auf verschiedenen Ebenen und vielleicht widme ich dem ganzen nochmal ein Essay aus der Sicht eines Fans und Möchtegern-Autoren. Und na klar, wer TLJ noch nicht gesehen hat, dies aber vorhat, sollte jetzt nicht weiter lesen.

[ ACHTUNG SPOILER ]

Story

Während Ray auf Ahch-To versucht Luke Skywalker davon zu überzeugen mit ihr aufzubrechen um Kylo Ren zur Hellen Seite der Macht zu bekehren und so die First Order zu vernichten, kämpft der Widerstand unter der Führung von General Organa ums nackte Überleben. Als es der First Order gelingt die letzten Überreste des Widerstandes im Hyperraum aufzuspüren, beginnt ein Rennen um die Zeit in dessen Folge Fin sich mit der Wartungsarbeiterin Rose auf ein gefährliches Abenteuer begibt, um die Flotte in letzter Sekunde zu retten…

Kritik

Wie zu erwarten beginnt Episode VIII wo Episode VII aufgehört hat – aber anders als gedacht. Und das, ist auch schon das Leitmotiv von TLJ – dieser Film ist anders. Rian Johnson hat versprochen neuen Wind in die Saga zu bringen und er hat geliefert. Während The Force Awakens dafür kritisiert wurde letztlich nur ein uninspirierter Abklatsch von A New Hope zu sein, hebt sich Johnson’s Film deutlich davon ab, spielt mit Erwartungen, bricht Konventionen und tut nichts geringeres als uns Fans teilweise den Teppich unter den Füßen wegzuziehen. Die einen feiern ihn dafür, andere verdammen Johnson und Disney und erklären Star Wars für tot. Im Großen und Ganzen ist das Feedback aber äußert positiv, wird TLJ doch als bester Star Wars Film seit The Empire Strikes Back – der ultimativen Messlatte der Galaxy far far away – genannt. Ich gehöre zu denen die TLJ eher kritisch sehen, einer der noch immer darüber nachdenkt und nicht so recht weiß, wo und wie er diesen Film einordnen soll.

TLJ ist der bisher längste Star Wars Film. Hier und da merkt man das auch, auch wenn er keine wirklichen Längen aufweist. Dennoch ist dies einer meiner Kritikpunkte: Noch nie hat sich ein Regisseur so viel Zeit für einen Star Wars Film genommen und noch nie hatte ich das Gefühl die (neuen) Figuren, Fahrzeuge, Wesen und Orte so wenig zu kennenzulernen. Statt einen echten Eindruck von all den neuen Dingen gewonnen zu haben, ist es als ob mir nur in schneller Abfolge ein paar undeutliche Bilder gezeigt wurden die nicht wirklich hängen geblieben sind. Das ist schade.

Die Story an sich – ein störrischer, desillusionierter, alter Jedi Meister der nicht helfen will und eine Flotte denen der Sprit ausgeht und die deswegen kurz vor der endgültigen Vernichtung steht – ist eigentlich recht dämlich. Natürlich geht es um mehr. J.J. Abrams TFA weckte Erwartungen, stellte viele Fragen. Fragen, auf die ich Star Wars gerechte Antworten haben will und eben diese, verweigert uns Johnson. Wer ist dieser mysteriöse Snoke und wie wurde er, was er war? So viele Fan-Theorien. Stellt sich raus, es ist vollkommen egal – Kylo bringt ihn einfach um und wird selbst zum Supreme Leader. In was für einen Zustand ist die Republik nach der Vernichtung von Hosnian Prime? Stellt sich raus – ist uns vollkommen egal. Der Widerstand jedenfalls ist fast komplett vernichtet. Und wie konnte das überhaupt passieren, warum sind die der First Order dermaßen unterlegen? Wer sind die Ritter von Ren? Vermutlich ein paar der Mitschüler von Kylo die er als er Lukes Tempel vernichtet hatte, nicht umgebracht hatte. Aber wo sind die jetzt? Wer sind Rays Eltern? Stellt sich raus – niemand, es ist schlicht egal. (Letzteres glaube ich noch nicht, aber nehme es erst mal hin.) Es gibt noch viele solche Fragen, auf die Johnson unbefriedigende oder gar keine Antworten liefert.

Unbefriedigend deswegen weil er neues, unbekanntes Terrain betritt. Während Abrams Episode A New Hope vielleicht zu ähnlich war, so fühlte sich TFA eindeutig wie Star Wars an. TLJ fühlt sich teilweise wie Guardians of the Galaxy an. Während ich Marvel liebe, so soll Star Wars sich doch anders anfühlen. Ich bin teilweise geschockt ob der Entwicklungen in TLJ und frage mich was diese für das Finale der Sequel Trilogie bedeuten. Natürlich kam Johnson nicht ohnehin Luke zu opfern. So sehr hatte ich gehofft das dies erst im Finale passiert, aber ich verstehe natürlich das dies die Trilogie einer neuen Generation ist. Da ist kein Platz für alte Helden. Angesichts des tragischen Todes von Carrie Fisher wäre es natürlich besser gewesen, Leia in dieser und Luke in der nächsten Episode zu opfern. So überlebt unsere Prinzessin und wenn Lucasfilm sich an seine Ankündigung hält Fisher nicht digital wiederauferstehen zu lassen, wird Leia also einfach so fehlen im Finale. Ein Off-Tod, sehr unbefriedigend.

Der Tod von Luke Skywalker wiederum, einer meiner Kindheitshelden schmerzt mich sehr. Auf verschiedenen Ebenen. Ich war mir sicher das er diese Episode nicht überlebt und ich verstehe die Notwendigkeit, fühle mich aber betrogen. Als wir Luke das letzte Mal gesehen hatten, war er eigentlich immer noch ein Schüler. Er wurde erst langsam zu einem echten Jedi. Begriff erst langsam was es mit der Macht auf sich hat. Über die Jahre wurde er zum Meister, älter, weiser, stärker und besser. Diesen selbstbewussten, weisen, starken Luke durfte ich nie sehen. Wir durften nie erleben wie er agierte, wie er kämpfte. Auch wenn Johnson uns letztlich ein paar Eindrücke dessen vermittelt, so bleiben dies nur flüchtige Blicke in eine Vergangenheit die mich mehr als alles andere interessiert. Als gelungen empfinde ich den Abschied zwischen Luke und Leia. Auch der Abschied von Luke selbst mit der Reminiszenz an die sehnsüchtigen Tage auf Tatooine ist ein Gänsehaut-Moment.

Eines der wichtigsten Motive von TLJ ist Hoffnung. Sind es nur die Jedi die Hoffnung verbreiten können oder ist die Macht selbst, Hoffnung? Mit dem Tod von Luke, der selbst ein recht dürftig ausgebildeter Jedi war, sind die Jedi wie sie seit Tausenden von Jahren über die Galaxies wachten endgültig Geschichte. Johnson tötet die Religion um sie anders wiederauferstehen zu lassen. Als Abrams uns nach Ahch-To geführt hat, gingen wir davon aus nun einiges über die Ursprünge der Macht, zumindest aber über die Jedi zu erfahren. Aber nichts da. Yoda – welcher in einer denkwürdigen Szene als Machtgeist nach Dekaden zurückkehrt – vernichtet den ersten Jedi Tempel um Luke eine letzte Lektion zu erteilen. Diese Szene – welche mit einer Puppe die exakt der von Episode V gleicht umgesetzt wurde – verdeutlicht Johnson’s Liebe zu Star Wars, an der ich nicht eine Sekunde zweifle. Während Abrams aber vielleicht ein wenig zu sehr im Status Quo verweilte, dem Gefühl was Star Wars war, so wollte Johnson Star Wars weiter entwickeln, neue Möglichkeiten aufzeigen, altes hinter sich lassen und einen Schritt weiter gehen. Ich finde nicht das Star Wars das bitter nötig hatte oder irgendwie nicht mehr funktionierte, es ist nichts falsch mit dem Franchise, schaden tut es aber sicherlich auch nicht. Ich denke jedoch das dies wenn bereits im ersten Teil der Trilogie hätte passieren müssen. Jetzt bleibt nur noch ein Teil für die Auflösung in einer Galaxie in der nun so vieles durcheinander ist.

Bei einer Sache haben bisher jedoch beide Regisseure versagt: Der glaubwürdigen Verbindung zu den beiden vorigen Trilogien, ins besondere der verhassten Prequel Trilogie. Sie zu ignorieren ist ein Weg, sie vielleicht durch bestimmte Referenzen clever und sinnvoll einzubinden vielleicht der bessere. Die Episoden-Filme gelten als die Skywalker-Saga. Zwar trägt Kylo alias Ben Solo Skywalker-Blut in sich, doch ist dies ohne Luke nicht mehr dasselbe. Mit dem Tod von Luke endet die Skywalker-Saga. Was immer Abrams in Episode IX auch macht – und ich rechne fest mit einem Cameo von Mark Hamill – so ist dies der Auftakt eines ganz anderen Universums. Auch frage ich mich, wie diese Trilogie sich einmal am Stück anfühlen wird. Bis jetzt, sind das zwei sehr unterschiedliche Filme die noch nicht wirklich zusammen passen während die Filme der beiden anderen Trilogien wenn auch qualitativ höchst unterschiedlich sich wie ein Werk anfühlten.

Bei aller Kritik – die aber nur deswegen so vielfältig ausfällt weil Johnson so viele Dinge adressiert und versucht hat etwas einzigartiges zu erschaffen, macht TLJ mehr richtig, als falsch. Wirklich falsch macht der Film auch gar nichts. Bis auf die ein, zwei Momente wo Johnson mit dem Humor übers Ziel hinaus geschossen ist und Star Wars der Lächerlichkeit preisgibt. Diese Spaceballs-Momente (das Bügeleisen) hätte er sich wirklich sparen sollen. Johnson erzählt nicht die Geschichte, geht nicht in die Richtung, die ich gerne gesehen hätte. Das ist kein Verbrechen. Dennoch ist es so, das ich von Star Wars in aller erster Linie verzaubert werden will, fordern sollen mich andere Filme.

Visuell ist der Film ein Hammer, er ist witzig, innovativ, dramatisch, überraschend, abwechslungsreich und auf jeden Fall regt er zum Nachdenken an. Man kommt kaum einfach so dran vorbei und das, ist sicherlich ein Verdienst auf den Johnson stolz sein kann. In meinen Augen hat er Star Wars nicht kaputt gemacht, aber ordentlich durchgeschüttelt und es bleibt abzuwarten, was am Ende davon übrig bleibt.

Promo

Ein paar Sätze noch zur Promo. Die war wie immer massiv wobei ich fast das Gefühl hatte das es bei TJA noch schlimmer, Star Wars dort noch präsenter war. Die Trailer haben mich bei dieser Episode lange nicht so in Bann gezogen wie das noch beim Vorgänger der Fall war, obwohl Luke nun eine größere Rolle spielen sollte. Es gab extrem viele TV-Spots was mich dann schon irgendwann genervt hat. Ich glaube, ich habe nicht mal alle gesehen.

Was ich aber höchst gelungen finde ist die Plakat-Kampagne. Wunderschöne, edle, ungewöhnliche, interessante Plakate. Rot ist natürlich sehr aggressiv, dem zweiten Teil der immer der düsterstes sein soll angemessen auch wenn der Film letztlich ja höchst positiv endet. Der Designfreak in mir feiert diese Plakate, alle Visuals extrem ab. Wird schwer das zu toppen, zu mal die Frage ist welche Farbe Episode IX bekommen wird – Blau oder Grün?

Fazit

The Last Jedi ist ein unterhaltsamer, witziger, wie auch dramatischer Film, der mit Erwartungen spielt, Konventionen bricht und das Star Wars Universum wie wir es kennen, auf dem Kopf stellt. Lange nicht so düster wie The Empire Strikes Back, stellt TLJ dennoch eine Zäsur dar. Für Hardcore-Fans sicherlich eine echte Herausforderung, bietet er dem normalen Zuschauer doch feinstes Popcorn-Kino und grandiose Unterhaltung.

Die eigentliche Dramatik dieses Filmes liegt in der Unscheinbarkeit, beinahe Unbedachtheit mit der einige Dinge scheinbar einfach so passieren. Hätte Johnson einen melancholischeren Ton gewählt, wäre er gewillt gewesen dem was er da angerichtet deutlicher und anders Ausdruck zu verleihen und seinen Film auf eine weniger hoffnungsvolle Note enden zu lassen, so wäre TLJ sicherlich der düsterste, traurigste und dramatischste Teil der gesamten Saga geworden. So tut er weh, ohne weh zu tun.

Bewertung:4/5 Bens
P.S. An der Kürze muss ich noch arbeiten, ging hier aber echt nicht…

Foto : Lucasfilm / Disney

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By Ben
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Zum Finden berufen, zum Suchen verdammt.

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