BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

Pastewka – Staffel 8

Vorwort

Nach vier Jahren kehrt Pastewka zurück, jedoch nicht auf Pastewka’s kuscheligen Heimatsender SAT.1 sondern ins Internet. Nein! Doch! Ohhh! Nachdem er mit „Morgen höre ich auf“ bereits einen Ausflug zu den Öffentlich Rechtlichen unternommen hatte, wagt er dieses mal das Experiment Streaming Dienst. Nicht nur hatte Amazon Prime die Rechte für alle bisherigen Staffeln erworben, auch sicherten sie sich die Exklusiv-Rechte für eine brandneue Staffel. Ich war sehr gespannt, vor allem ob man die neue Umgebung bemerken würde.

[ ACHTUNG SPOILER ]

Story

Seit vier Jahren gibt Basti den Klischee-Schwulen in der Hit-Serie Frier an der Seite der nervigen Anette Frier. Nach Abschluss der aktuellen Staffel reicht es Basti und er will aussteigen. Typische Basti-Missverständnisse sorgen letztlich dafür das er nicht nur aus der Serie aussteigt und nach Jahren tatsächlich seiner Agentur kündigt, auch beendet er mehr oder weniger aus Versehen die Beziehung zu seiner Frau Anne, die inzwischen Ärztin ist. Danach begibt er sich auf eine irre Reise der Selbstfindung, verliert sich in Selbstmitleid bis zur fast vollkommenen Verlotterung, ruiniert Freundschaften und kommt doch irgendwie wieder zurück.

Kritik

Das Narrativ von Pastewka war immer das Basti und Anne nicht heiraten dürften, ansonsten wäre die Sendung am Ende. Als Anne und Basti in der letzten Staffel schließlich in den Bund der Ehe eintraten, musste man befürchten das es das nun war. Danach wurde es tatsächlich still um den unsympathischen und tollpatschigen Egoisten, brilliant verkörpert von Bastian Pastewka. Doch wie auch dem Original – Curb Your Enthusiasm – kürzlich nach längerer Abstinenz eine neue Staffel vergönnt wurde, so fand auch Pastewka bei Amazon Prime ein neues Zuhause. Warum SAT.1 das Interesse an dieser genialen und in Deutschland einzigartigen Serie verlor, ist mir nicht klar. Höchst neugierig habe ich alle Folgen am Stück verschlungen, vor allem gespannt wie sich Pastewka 2018 anfühlt, ob man einen Unterschied bemerkt. Das tut man. Alles in allem ist die Achte Staffel düsterer und viel sexueller.

Letzteres liegt nicht nur daran, dass Basti unfreiwillig ein paar Tage auf einem Nudisten-Camping-Parkplatz verbringt. Auch darüber hinaus gibt es von mehreren Figuren viel mehr nackte Tatsachen. Nicht nur, aber auch im sexuellen Kontext. Auch wenn es weit vom pornografischen entfernt ist, so frage ich mich ob das auf SAT.1 so möglich gewesen wäre.

Düsterer ist diese Staffel weil Basti mit vielen in seinem bisherigen Leben bricht: Die Trennung von Anne, seiner Agentur, Freunde, bzw. Kollegen die sich von ihm abwenden. Generell hat man das Gefühl das viele einfach die Nase voll von ihm haben und nichts mehr mit ihm zu tun haben. Das verleiht dieser Staffel einen gewissen dunklen Grundton, im humoristischen Kontext natürlich. Darüber hinaus gehen die Gastauftritte fernab des Hauptcast viel zu schnell vorbei. Das ist auch schon einer meiner wenigen Kritikpunkte: Die Gastauftritte.

So ziemlich jeder den wir kennen ist wieder dabei (außer Kalkofe, aus bekannt-unbekannten Gründen) – jedoch alle nur sehr, sehr kurz. Selbst Kessler, Bastis bester Freund, kommt länger nur in einer Folge vor. Nicht das es der Staffel schadet, Pastweka schafft es schon das auszufüllen, aber die Cameos waren immer sehr nett. Vor allem Hugo-Egon Balder, der nur sehr, sehr kurz vorkommt. Der Haupt-Cast ist unverändert. Bastis Vater (kongenial dargestellt von Dietrich Hollinderbäumer) hat aber definitiv zu wenig Airtime. Schön fand ich aber die Beziehung von Basti und seine Nichte Kim (seit jeher von der großartigen und wunderschönen Cristina do Rego verkörpert), die nach all den Jahren der ätzenden Anfeindungen eine Art freundschaftliches Level erreicht hat. Jedenfalls verbringen sie viel Zeit miteinander und helfen sich weniger widerwillig als früher. An der Feindschaft zwischen Basti und Frau Brock hat sich jedoch nichts geändert, wenn ist es nur schlimmer geworden. Ein Hoch auf Bettina Lamprecht, die wie immer begeistert, ebenso wie Matthias Matschke (Hagen) der wieder einmal alles gibt.

Wenn eine Serie nach längerer Abstinenz zurück kommt, stellt sich die Frage der Berechtigung. Gibt es noch genug neue Dinge zu erzählen, schafft man es interessante, aber glaubwürdige Twists einzubauen? Bieten die Charaktere noch genug erzählerisches Fleisch, ohne das man sie nicht wiederkennt? Den Machern der Achten Staffel ist all das gelungen. Die Folgen sind spannend, die Twists nicht vorhersehbar, Pastewka 2018 wirkt relevant, anders und doch vertraut. Absolut gelungen und hoffentlich geht es weiter.

Lieblings-Szene

Eine Szene alleine ist nicht hängen geblieben, aber die Folge um den Deutschen Filmpreis ist sicherlich denkwürdig.

Promo

Ein paar kurze Clips hier, ein längerer Trailer dort. In der realen Welt ein paar Plakate, im Web regelmässige Erinnerungen. Pastewka Staffel 8 wird schon ordentlich beworben denke ich und macht auch neugierig.

Fazit

Rasant, konsequent, drastisch, düster, lustig und mit jede Menge nackte Tatsachen. Bis auf die viel zu kurzen Gastauftritte, absolut gelungen und macht Lust auf mehr!

Bewertung:5/5 Bens
Videos / Foto : Amazon Prime Deutschland

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By Ben
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Zum Finden berufen, zum Suchen verdammt.

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