BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

Zwei-Klassen-Hass

Irgendein SPD-Politiker (leider vergessen wer es war) hat vorgeschlagen das öffentliche Verbrennen von selbst gemachten israelischen Flaggen unter Strafe zu stellen, so wie es verboten ist offizielle Flaggen zu verbrennen. Klingt logisch, wenn das eine verboten ist, warum sollte dann das andere erlaubt sein. Persönlich habe ich noch keine gefestigte Meinung wie ich zum Verbrennen von Flaggen stehe. Ob dies für mich nun ein Ausdruck von Meinung ist (ich bin gegen Staat XY, bzw. dessen Politik) oder Rassismus (ich bin gegen die Menschen, das Volk dieses Staates). Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich weiß nur, das ich es falsch oder inkonsequent finde, die Idee eines solchen erweiterten Verbotes nur auf israelische Flaggen zu beschränken.

Ich hatte kürzlich eine Art Diskussion auf Twitter mit einem, bzw. zwei Besorgten Bürgern die sich über den niederträchtigen Mord an eine 85-jährige Jüdin und Holocaust Überlebende in Frankreich empörten, welcher offenbar von ihrem muslimischen Nachbarn aus rassistischen Gründen begangen wurde. Dabei schien es ihnen vor allem darum zu gehen das der Tatverdächtige ein Moslem war, denn wäre sie von einem Nazi ermordet worden, wüssten die Beiden davon vermutlich nicht mal.

Zurzeit wird viel über Antisemitismus geredet und hitzig diskutiert. Diskussionen, das Bewusst machen solcher Verbrechen ist erst mal immer richtig. Es erscheint mir aber das Menschen sich zurzeit vor allem über Judenhass begangen von Moslems empören, während stets behauptet wird, es gäbe in Deutschland keinen rechten Terror. Jeder geistig gesunde deutsche Politiker positioniert sich stets klar gegen Antisemitismus. Das ist richtig so, unsere Geschichte mahnt uns hier nicht weg zu sehen oder ambivalent zu werden. Was mich aber stört ist, dass ich stets das Gefühl habe das wir hier mit zweierlei Maß messen. Natürlich sind wir besonders für den Hass der sich gegen Bürger Israels richtet sensibilisiert. Ich finde das auch nicht falsch, aber ich kann es nicht richtig finden, das uns Hass gegen andere Religionen oder Gruppen irgendwie weniger tangiert. Zumindest fühlt es sich so an als gebe es da ein Zweiklassen-System und das finde ich falsch. Wenn wir der Meinung sind dass das Verbrennen von (selbst gemachten) Flaggen kein Ausdruck von Protest sondern Rassismus ist (ich habe da wie gesagt noch keine gefestigte Meinung zu), dann müssen wir dies eindeutig für alle Völker der Erde fordern und nicht nur für Israel. Ich will einfach das wir hier keine Unterscheidungen vornehmen und auf andere Art und Weise ausgrenzen, auch wenn wir es nicht böse meinen. Ich verstehe – in Ansätzen, da will ich ehrlich sein – die besondere Situation Israels. Das alles ist komplexer und vielschichtiger als das ich es komplett erfassen kann. Und natürlich weiß ich nicht wie es ist ein Jude zu sein der von anderen aufgrund seiner Religionsangehörigkeit oder Herkunft diffamiert, angegriffen und gehasst wird. Aber ebenso wenig weiß ich wie das als Moslem ist, als Frau oder als Person of Color. Ich kann versuchen mir das vorzustellen, Empathie zeigen aber wissen tue ich es nun mal nicht und ich will auch nicht so tun, als könnte ich das. Ich weiß  nur eines: Ausgrenzung, wenn auch aus edlen Motiven begangen, ist nicht gut. Wir müssen einfach anfangen Menschen gleich zu behandeln, so wie unsere Verfassung es uns auch vorschreibt. Alle Menschen sind vor unseren Gesetzen gleich. Niemand darf gleicher sein.

FOTO: DPA/ARNE DEDERT

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