BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

#Zuckerberg

Mark Zuckerberg möchte die Posts von Holocaust-Leugnern nicht löschen, weil auch die, die Sachen falsch verstehen, eine Stimme verdienen würden. Als Jude würde ihm das schon schwer fallen, aber das müsse man aushalten. Ernsthaft? Es muss doch einen Unterschied geben dazwischen eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu leugnen oder sogar als fingiert zu propagieren oder einen Sachbestand falsch zu verstehen. Ich verstehe natürlich ständig irgendwas falsch oder gar nicht – Rassismus zum Beispiel, deswegen behaupte ich ja dann aber nicht, dass es diesen nicht gibt nur weil ich nicht begreifen kann, warum Menschen andere Menschen nach Hautfarbe, Herkunft etc. beurteilen. Wie kommt der Mann auf eine so halbseidene Begründung? Kann es sein dass das eine reine BWL-Rechnung ist? Jemand hat nachgeschaut wie viele Posts oder User ein solcher Bann betreffen würde, was das für ein Minus bei den Werbeeinnahmen bedeuten würde und das der dadurch entstandene Verlust der moralischen Korrektheit aus unternehmerischen Sicht nicht wert ist? Sei es nicht aufgrund der Posts selbst, aber eben das ernsthafte Signal das man Spinner jeglicher Couleur nicht länger dulden will, was am Ende Millionen von User verprellen würde? Wasch mich, aber mach mich nicht nass.

Die Erklärung man wolle auch denen eine Stimme geben die „auch mal was falsch verstehen“ zieht nicht für Fuffzig Pfennig. Der Mann soll auch nicht so tun als ginge es ihm hier um die Meinungsfreiheit. Der Holocaust ist ein vielfach dokumentiertes, erlebtes, bewiesenes Verbrechen – das hat Nullkommanichts mit Meinung zu tun. Wir müssen langsam mal damit aufhören Schwachsinn als Meinung durchgehen zu lassen. Ich kann der Meinung sein das Trump ein Arschloch ist oder Merkel eine tolle Politikerin oder andersherum. Darüber kann ich wunderbar diskutieren und streiten. Ich kann Argumente dafür oder dagegen anführen und doch bleibt es am Ende eben das – eine Meinung. Meine Meinung, die auf Eindrücken und wenigen Fakten beruht, die aber interpretierbar sein. Weil ich jene politische Handlung als gut empfinde, eine andere als schlecht. Rassismus, der Holocaust, die Verbrechen der Nazis sind Tatsachen, keine Meinung. Ich kann wiederum der Meinung sein dass das cool war – dann bin ich eben ein Nazi. Das wiederum ist dann keine Meinung, sondern eine Tatsache, per Definition des Begriffes Nazi. Denn, dieser Begriff ist definiert und kann daher interpretiert werden. Ich kann diese Interpretation wiederum ablehnen. Ablehnen kann ich aber nicht Dinge, die nun mal passiert sind. Nur weil ich sie leugne, ändert das nichts an der Tatsache das sie geschehen sind. Können wir solche Diskussionen einfach ma wieder versachlichen und wenn möglich auf Fakten verweisen? Der Holocaust hat nichts mit falsch verstehen zu tun. Die Intention dessen hätte simpler nicht sein können: Die industrielle, systematische Vernichtung aller europäischen Juden. Plain and simple. Da gibt es nichts falsch zu verstehen. Wer das leugnet, ist halt ein Idiot, ein bösartiger noch dazu. Warum müssen wir bösartigen, dummen Menschen eine Stimme geben? Verstehe ich nicht. Welcher positive Effekt für die Gesellschaft soll denn dadurch entstehen? Diverse Meinungen ja, aber Lügen, warum sollen wir Lügen eine Plattform geben? Was ist der Gewinn dadurch, welche Erkenntnisse soll uns das bringen?

Mark Zuckerberg wird oft kritisiert. Oft verstehe ich das, manchmal bin ich da nicht ganz so harsch unterwegs. Er hat etwas erschaffen, was es so noch nicht gab. Das man mit so viel Macht (und einem fragwürdigen, aber von Anfang an klaren Geschäftsmodell) Fehler begeht, falsche Entscheidungen trifft, sollte klar sein. Dort wo hoch innovativ gearbeitet wird, passieren Fehler, auch dramatische, das gehört dazu. Ich gehe mit ihm also oft nicht so hart ins Gericht, aber hier liegt er einfach komplett falsch und sendet gerade nach den jüngsten Skandalen eine komplett falsche Botschaft. Ich hoffe das ihm das noch heftig um die Ohren fliegt und er hier seine Politik ändert. Das ist einfach brandgefährlich, unverantwortlich und falsch.

Foto : Sorry not sorry. (Reuters/Leah Millis)

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By Ben
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