BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

Tanzverbot 700

Karfreitag ist rum und ich war auch dieses Jahr wieder nicht tanzen. Nicht das ich gewollt hätte, aber ich hätte auch nicht gedurft. Jedes Jahr wieder regen wir uns über das anachronistische, lächerliche Tanzverbot auf, Jahr um Jahr wird es wenn dann nur mit Häme von der Politik (allen voran mal wieder Jens Spahn der um einen widerlichen Kommentar ja nie verlegen scheint) kommentiert und ansonsten schnell wieder vergessen. Dabei gilt das Tanzverbot ja nicht nur an Ostern, sondern auch an anderen s.g. Stillen Tagen. Das wusste ich ebenso wenig, wie das Karfreitag nicht nur nicht getanzt werden darf, sondern auch diverse Filme öffentlich nicht aufgeführt werden dürfe. Darunter so offensichtliche Streifen wie Das Leben des Brian (was mich am meisten an gläubigen und zumeist konservativen Menschen langweilt ist das sie keinen Humor haben) aber eben auch fast alle Bud Spencer und Terence Hill Streifen. Was an diesen extrem albernen Filmen nun das Problem sein soll, erschließt sich mir einfach nicht. Vermutlich, weil sie eben zu fröhlich sind, zu laut. Wenn es interessiert, kann hier die gesamte Liste bei der FSK einsehen.

Mich empört diese Zwangs-Christenisierung, die öffentliche Bevorzugung des Christentum nach wie vor und es macht mich wütend. Ich habe dafür einfach null Verständnis. Mein Verständnis einer freien, säkularen Gesellschaft ist, das hier jeder glauben kann was sie oder er will, solange es nicht dem Grundgesetz widerspricht, dies aber eben Privatsache ist. Es darf einfach nicht staatlich verordnet werden. Einen solchen Einschnitt in den Alltag jedes deutschen Burgers darf es durch den Staat in einer säkularen Gesellschaft einfach nicht geben. Natürlich bedeutet das auf der anderen Seite auch, das christliche Gedenktage keine Feiertage sein dürfen. Da gehe ich mit – erhöhen wir stattdessen den gesetzlichen Urlaubsanspruch auf sagen wir 34 Tage, bin ich da vollkommen fein mit. Wer dann Karfreitag frei haben will, weil er seinem Herrn in aller Stille gedenken will, soll das gerne tun. Ich habe nichts dagegen und mache mich auch nicht darüber lustig auch wenn ich es – nach meiner Überzeugung, die halt nur für mich gelten muss – lächerlich finde. Wenn ich aber an diesen Tag tanzen gehen will, sollte mir freigestellt sein, auch das tun zu dürfen.

Diskutiert man zu diesen Thema im Netz hört man sehr oft „Ja mein Gott, du kannst an allen anderen Tagen im Jahr tanzen gehen (ja eben nicht) was ist so schlimm daran an diesen einen Tag Rücksicht zu nehmen und die anderen gewähren zu lassen? Geht die Welt nicht von unter.“ Nein, tut sie nicht aber ich finde es schlicht und ergreifend nicht fair. Es widerspricht meinem Verständnis von Freiheit, Selbstbestimmung. Ich will tolerant sein und ich denke ich bin es. Denn ich fordere ja nicht Kirchen zu schließen oder den Gläubigen irgendwas weg zu nehmen. Ich währe mich nur dagegen das sie mir etwas aufzwingen – staatlich verordnet – was ich nicht will. Sie können tun oder eben nicht, was sie wollen, aber sie sollen mich in Ruhe lassen, mir ihre Überzeugungen nicht aufzwingen. Ich, ich, ich. Das ist der nächste Vorwurf den man dann zu hören bekommt. Das man ja nur an sich selbst denkt, nicht die Gesellschaft, den Nächsten. Sorry, erstens weiß ich das ich mit dieser Meinung nicht alleine bin und zweitens glaube ich nicht an die heilenden Kräfte einer christlichen Gesellschaft. Es muss uns Menschen möglich sein vernünftig zusammen zu leben ohne das Diktat einer Allmächtigen Kirche. Ohne das wir wieder hörige Schafe werden, die selbst nicht denken und sich die Moral und Ethik Sonntags in der Kirche abholen. Ich halte uns grundsätzlich für intelligente, mitfühlenden Wesen die auch ohne das Angstszenario der Hölle vernünftig miteinander umgehen können sollten. Ich lebe ein Leben ohne jegliche Götter und bin trotzdem oder gerade deswegen einigermaßen fair zu meinen Mitmenschen.

Ich will irgendwann mal in einem Land leben in dem Politik mit mein Land nicht mehr mit Religion erklärt. Was dazu gehört und was nicht. In meinem dafürhalten ist Religion für die schlimmsten Verbrechen und Kriege der Menschheitsgeschichte verantwortlich. Ich mistraue Religion und halte sie für gefährlich. Und ich hoffe das wir global jegliche Religion irgendwann mal überwinden und uns selbst genug sind. Dennoch will ich in einem Land leben in dem es jeden freigestellt ist was auch immer zu glauben, solange es eben nicht im Widerspruch mit unserem Grundgesetz steht. Aber das hat einfach Privatsache zu sein. Während der Staat die Religionsfreiheit garantieren und schützen soll, so soll er sich auf der anderen Seite einfach aus jeglicher Religion zurück ziehen. Das bedeutet eben auch keine Kirchensteuer mehr einziehen, eine staatlichen Institutionen die dann aber von Kirchen geleitet oder sonst was werden. Ein so reiches Land muss all das auch selber organisieren können, während es den Kirchen überlassen sein solle für sich zu werben und sich um neue Mitglieder zu kümmern. Der Staat soll nicht dagegen arbeiten, nicht dafür, er soll sich einfach raushalten.

Unglücklicherweise gibt es nicht eine politische Kraft, die eine solche Reform fordert. Selbst Die Linke nicht. Mir ist auch klar das dies nicht die drängendsten Fragen unser Seit sind. Auf der anderen Seite könnte eine gewisse Neutralität des Staates in Sachen Religion vielleicht helfen, bestimmte Konflikte irgendwann mal beizulegen. Man muss den Menschen einfach klar machen das eine Religion nichts mit dem Staat zu tun hat. Gibt es eine gewisse geschichtliche Prägung? Ja sicher, wer will das bestreiten. Muss das heute noch irgendwas bedeuten, nein. Warum sollte es. Wenn wir lar machen würden, das eine bestimmte Religion in einem freien Land nie für dieses Land generell gelten kann, das Religion einfach Privatsache ist, dann bin ich mir sicher kämen wir irgendwann zu einer friedlicheren Gesellschaft. Religion würde ein wenig unwichtiger werden, ja. Und das wollen viele nicht. Unwichtiger in dem Sinne, das es eben für den einzelnen aber nicht für die Gesellschaft an sich gilt. Viele Menschen hätten Probleme das zu akzeptieren. Ist ihr Glaube doch größer als sie selbst, als jeder einzelnen von uns. Das funktioniert nur halt leider nicht in einer Gesellschaft die frei, offen und von allgemein gültigen Gesetzen geprägt sein will. Dennoch müssen wir diese Schritte nehmen und all die, die sich das grad nicht vorstellen können, mitnehmen. Menschen konnten sich ebenso wenig vorstellen das Frauen selbstbestimmt leben können sollten, wählen dürfen, einen Beruf ohne Einverständnis des Ehemannes wählen, in der Ehe nicht mehr vergewaltigt werden dürfen und mehr sein können, oder etwas anderes als Hausfrau und Mutter. Auch das, haben die meisten von uns, nicht alle, inzwischen akzeptiert und die Welt ist nicht untergegangen. Wir schaffen auch ein Leben ohne Religion, oder zumindest ein Staat der sich zu jeder Religion neutral verhält. Es wird Zeit. Doch leider, gibt es keine politischen Mehrheiten, kein echtes Interesse dies zum Thema zu machen. Und so werde ich mich auch die kommenden Jahre darüber empören, bis ich es irgendwann satt habe oder in ein Land auswandere, was die Trennung von Staat und Kirche wirklich ernst meint und zu hundert Prozent durchzieht.

Foto : Orion Pictures / Warner Bros.

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By Ben
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