BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

Respekt am Arsch!

Bundespräsident Steinmeier hat bereits gestern ohne große Bohei das Gesetz zur Ehe für Alle (Hut ab, selbst die Tagesschau hat sich das auf einmal angewöhnen können) unterschrieben. Den Rat einiger Union’ler das Gesetz vorher von Karlsruhe doch bitte auf Grundgesetz-Konformität zu prüfen, hat Steinmeier unkommentiert ignoriert. Was vor ein paar Wochen noch so hitzig diskutiert und kommentiert wurde, scheint heute schon niemanden mehr zu interessieren. So ist es immer, und doch fällt man immer wieder auf die Sau herein die von irgendwelchen Halbgaren durchs Dorf getrieben wird. Es soll mir in diesem Kommentar um etwas anderes gehen, ein paar Gedanken wie das ganze abgelaufen ist, kann ich mir jedoch nicht verkneifen.

Ich musste mich doch arg Wundern als dann auf einmal all die Konservativen herumgeheult hatten wie würdelos sie den Umgang mit diesen ach so wichtigen Thema fänden. Gerade einmal 45 Minuten Debatten-Zeit und dann direkt eine Abstimmung. Das würde dem Thema nicht gerecht, sei man nun dafür oder dagegen. So würde man der Gesellschaft doch einen Bärendienst erweisen. Dieses gesellschaftlich Relevante Thema hätte mehr Respekt und Anstand verdient. Geht’s noch?! Die Union hält uns für genauso bescheuert wie wir sind oder? Verschiedene Gruppen kämpfen seit mindestens 25 Jahren um ihre Rechte. Es waren die verdammten Konservativen die (zu oft mit der heuchlerischen Hilfe der mutlosen SPD) dieses Thema immer wieder vertagt haben, debattierten und sich nur Millimeterweise bewegen wollten. Würdelos fanden sie es höchstens das die SPD in einem günstigen Moment (letztlich war es Merkel die den Startschuss dafür gegeben hatte) die Rot-Rot-Grüne Mehrheit genutzt hat, um etwas gegen den Willen der übermächtigen Union durchzusetzen. Wie konnte sie nur?! Da wird von Verrat und Koalitionsbruch geredet. Hängt sie auf! Dann bitte, erlöst uns und schmeißt endlich hin. Besser heute, als morgen. Stattdessen heulen die, die jahrelang, jahrzehntelang andere um ihre Rechte, ihren Respekt, ihre Würde gebracht haben wie respektlos man ihnen nun gegenübertrete. Man könne ja anderer Meinung sein (Danke, wie gütig), aber jeder verdiene doch den gleichen Respekt. Und genau darum soll es mir gehen.

Warum soll ich eigentlich ständig Respekt für Meinungen habe die ich nicht nur ablehne, sondern darüber hinaus für falsch, hirnrissig, gefährlich, ekelhaft oder bescheuert halte? Respekt kommt vom Lateinischen respectus, für zurücksehen, berücksichtigen. Es soll Wertschätzung, Aufmerksamkeit oder Ehrerbietung ausdrücken. Ich habe bringe doch keine Wertschätzung für etwas auf was ich ekelhaft finde. Ehrerbietung erst recht nicht. Aufmerksamkeit vielleicht noch.

Grundsätzlich finde ich es gut wenn Menschen Überzeugungen haben die sie selbstbewusst vertreten auch wenn ich sie nicht teile oder nachvollziehen kann. Dafür sind wir Individuen und das ist gut so. Aber Respekt? Nein, ich respektiere keine Meinung die auf Hass und Ablehnung basieren. Ein klein-geistiger Mensch der immer nur in den Grenzen seiner denkbaren Möglichkeiten agiert ringt mir auch keine Ehrerbietung ab. Einem kurzsichtigen, auf Vorurteilen basierenden, rückständigen Weltbild oder wie auch immer diese Menschen ihre kruden Ansichten erklären bringe ich keine Wertschätzung entgegen.

Ich muss ihre idiotische Meinungen nicht respektieren. Denn auch das, ist eine rein subjektive, und aus der Sicht anderer möglicherweise idiotische Meinung. Aber es ist eben meine Meinung und erhebt nur für mich Anspruch auf Absolutheit. Ich muss anerkennen, hinnehmen das Menschen andere Ansichten haben als ich. Ich muss akzeptieren das Menschen solche Ideen vertreten und für richtig halten. Ich muss akzeptieren das jeder Mensch das Recht hat zu glauben und zu vertreten was er aus was für halbseidenen Gründen auch immer für richtig hält, solange er dabei nicht gegen hier geltendes Gesetz verstößt. Respektieren muss ich gar nichts.

Ich bin es leid mir immer wieder anhören zu müssen das man die vollkommen absurden Ängste oder Fortschritt-feindlichen Überzeugungen derer die nur Hass verbreiten doch bitte ernst nehmen und respektieren müsse. Nein, einen Scheiß muss ich! Ich muss Hass oder Negatvität nicht respektieren. Ich muss sie bekämpfen, die Frage ist einzig mit welchen Mitteln und auf welche Weise.

Sehr wohl, bin ich dafür die Gründe dafür zu verstehen. Das hat aber nichts mit Wertschätzung zu tun, sondern eben dem Willen etwas, unbekanntes zu begreifen, was überhaupt nicht meinem Naturell oder meinen Überzeugungen entspricht. Letztlich aber auch nicht um bekehrt zu werden, sondern um zu bekehren. Seien wir doch mal ehrlich. Ich will doch gar keine Gründe finden die mir einleuchten und mir klar machen warum jemand den ich widerlich finde so ist, wie sie oder er ist. Ich will den einen Denkfehler finden der es mir ermöglicht einen Gedanken zu entfachen, der dem mir gegenüber eine andere Sichtweise ermöglicht. Ich will verstehen, auch weil ich neugierig bin. Diese Menschen sind nicht neugierig. Sie sind – ebenso – absolut davon überzeugt das sie richtig liegen. Das eint uns wo wir uns ferner nicht sein könnten.

Respekt bringen diese Menschen mir und meiner Meinung ebenso wenig entgegen, wie ich ihnen. Es ist nur so das sie – was zum Beispiel das Thema Ehe für Alle angeht – inzwischen in der Minderheit sind. Eine viel zu laute und hysterische Minderheit. Dennoch haben sie verloren. Ihre Überzeugungen sind zurzeit einfach nicht en vogue. Und sie werden es hoffentlich nie wieder sein. Bei anderen Themen scheint sich der Wind gerade zu drehen. Und das nehme ich sehr ernst. Umso wichtiger wird es sein, diesen Menschen entschieden entgegen zu treten. Nicht mit Hass, aber sicher auch nicht mit Respekt.

Das bedeutet für mich jedoch nicht, dass ich dem Menschen der etwas vertritt was ich nicht teile gegenüber respektlos sein will. Nein, denn ich glaube daran das ein Mensch aus mehr als nur einer Meinung besteht, bestehen kann. Der, der die Ehe für Alle aus homophoben Gründen ablehnt, kann dennoch ein guter Mensch sein. Ich glaube daran das wir Individuen viele Facetten haben. Zumindest besteht immer die Möglichkeit. Der, der sich selbst nur auf eine davon beschränkt und sich darüber definiert (Ich bin Christ, ich bin Deutscher, ich bin Hetero, Ich bin was-auch-immer), ist arm im Geiste. Ein Mensch ist zu so viel mehr fähig und verschwendet, wenn er nur das eine versucht zu sein. Das ist aber nur meine Meinung. Respektieren müssen sie die nicht.

Foto : huffpost.com

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By Ben
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