BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

Organspende Opt-in zum Mitnehmen bitte!

Merke: Wenn man Jens Spahn mal loben will, sollte man dies umgehend erledigen. Es dauert einfach nicht lange bis er verbal dann wieder ausfällig wird und unangenehm auffällt. Nachdem er mit einigen positiven Aktionen und Äußerungen in Sachen Organspende für Diskussionen aber vor allem breite Zustimmung gesorgt hatte, muss er sich jetzt gerade wieder für seinen blödsinnigen Ausspruch verteidigen, dass es in der Sache des Pflegenotstandes ja schon helfen würde wenn die Pflegenden ab und an mal 2-3 Stunden länger arbeiten würde. Ouch. Setzen, sechs, Thema verfehlt. Jens argumentiert das er das so nie gesagt hätte, blöde nur dass das dokumentiert ist…

Anyway. Zuvor gab es wie gesagt einen, oder den ersten positiven Beitrag von Jens Spahn an dem ich mich erinnern kann solange ich den Mann aktiv wahrnehme. Neben ein paar gesetzlichen Erleichterungen hat er vorgeschlagen in Sachen Organspende zukünftig auf ein aktives Opt-out Verfahren statt wie bisher auf Opt-in zu setzen. Was heißt das? Es bedeutet, dass grundsätzlich jeder als Organspender gilt – wer das nicht will muss dem aktiv widersprechen. In Form eines Organspendeausweises, Testament (eher nicht so hilfreich) oder in dem er Angehörige wissen lässt wie er dazu steht. Es soll also zukünftig jeden Menschen dazu zwingen sich einmal mit der Frage ob man Organspender sein möchte oder nicht zu beschäftigen und dann zu entscheiden. Diese Entscheidung ist höchst persönlicher Natur und von niemanden zu kritisieren. 

Und obwohl dies bisher nur ein Vorschlag zur Diskussion ist – Gesetz ist hier noch lange nichts, nicht mal die Diskussion hat im Parlament begonnen – ist dies ausgerechnet von der CDU doch ein bemerkenswerter Vorstoß. Noch Spahns Vorgänger – Hermann Gröhe – hielt dies für undenkbar. Im gleichen Jahr in dem die CDU endlich kapiert das Deutschland schon seit Jahren ein Einwanderungsland ist, öffnen sie sich für dieses wichtige, aber auch höchst umstrittene Thema. Die Reaktionen fielen teils heftig aus, aber warum eigentlich?

Der Vorwurf ist so einfach wie dämlich – jetzt will de olle Merkel mich auch noch zum Zwangsspender machen! Nein, eben nicht. In Deutschland werden schlicht zu wenig Organe gespendet. Ich war überrascht zu lernen das dies auch ein systematisches Problem ist, viele Krankenhäuser aufgrund des Mangels schlicht nicht mehr in der Lage sind das durchzuführen und es daher auch nicht tun. Es beginnt jedoch mit der Bereitschaft. Das wir eh immer sicherer und gesünder leben, hilft eben auch nicht, denn wenn es gut läuft, werde ich ja nie in die Verlegenheit kommen, Spender zu werden. 

In einer Demokratie, in einem Staat leben wir mit bestimmten Zwängen. Wir müssen Steuern zahlen, einem Job nachgehen wenn wir mit mehr als Grundsicherung nach Hause gehen wollen. Himmel, wir sind hier immer noch von Haus aus alle Christen, wenn wir keine progressiven Eltern haben die das dem Kind selbst überlassen wollten. Ich hatte solche Eltern ärgerlicher Weise nicht. Aber darüber seine Organe evtl. zu spenden wenn der eigene Tod eingetreten ist und diese noch zu verwenden sind, will man nichtmal diskutieren. Das muss unbedingt freiwillig stattfinden – nun, das tut es. In jedem zurzeit denkbaren Szenario. Was nicht mehr unterstützt werden soll, was nicht mehr freiwillig ist, dass man sich mit der eigenen Sterblichkeit niemals auseinander setzen muss um die Frage zu beantworten wie man dazu steht. Ja, damit zwingen wir die Leute ein wenig aus ihrer Komfortzone herauszukommen. Werden sie erwachsen bitte. An sich habe ich Null Verständnis für diese Debatte, dass das aber nicht weiter hilft um eben Verständnis für meine Position einzuholen, ist mir auch klar.

Es ist aber doch ganz einfach: Ich habe einen Ausweis der mich als möglichen Organspender ausweist. Verläuft mein Leben normal, sterbe ich als alter, trauriger Mann, kommt es nie dazu und es war vollkommen irrelevant und bleibt ohne jede Konsequenzen. Werde ich heute nachmittag von einem Auto überfahren (als Fahrradfahrer in Berlin nicht so mega unwahrscheinlich) und komme dabei ums Leben, rette ich evtl. selbige wenn das eine oder andere Organ von mir noch zu gebrauchen ist. Das können dann wiederum AfD Wähler sein oder Menschen die selber niemals spenden würden. Da habe ich keine Kontrolle drüber und das ist auch gut so. Es ist eine Geisteshaltung, dessen Auflösung ich selber nicht mehr mitbekomme. Das muss man vielleicht herausstellen – ich kriege das nicht mehr mit wenn ich zum Spender werde. Diejenigen die hier mit Jenseits und Leben nach dem Tod argumentieren, habe ich nichts entgegen zu setzen. Das eine ist Wissenschaft, dass andere Glaube. Das steht für sich selbst und eignet sich nicht für die Debatte. Vielleicht nur dieser sehr persönliche Gedanke: Was wäre das für ein Gott welcher was dagegen hat das man in seinem Tod anderen das Leben rettet?

Außer bei den Ägyptern fällt mir auch keine Religion ein welche im Jenseits wert auf den Organen des Diesseits legt, aber okay. Religionsfreiheit – gilt auch und vor allem für blödsinnige Entscheidungen. Ich denke, das ganze Thema wird heißer gekocht als es ist. Wie auch die Ehe für Alle wird das keinen mehr interessieren, wenn erst einmal in Kraft. Und bis dahin ist es eh noch ein langer Weg. Andere Länder machen das seit Jahren und sind auch noch nicht unter Organ-Mafias zusammengebrochen. Ich denke, es geht wirklich darum das Menschen sich nicht vorschreiben lassen wollen, über ihre eigene Sterblichkeit nachdenken zu müssen. Nun, dass verstehe ich irgendwo, dann wiederum, so ist die Welt halt nicht. Hier, bin ich einmal für Realpolitik. Es gibt ein Problem und es gibt eine einfache Lösung die niemanden weh tut. Ich bin fest davon überzeugt, dass wenn wir ein Opt-out Verfahren umsetzen, wir mehr als genug Spender haben werden. ebenso bin ich überzeugt, dass wenn das Christentum gezwungen wäre auf ein Opt-in Verfahren umzustellen sie den Laden bald dicht machen könnten. Will sagen, ich glaube fest daran das es mehr willige Organspender als Christen gibt. Wie da wiederum die Ratio ist, weiß ich nicht. Ich will jetzt auch nicht it Christlichen Werten kommen, was das sein soll verstehe ich eh nicht mehr. In einem Staat gibt es Zwänge, so funktionieren Gesellschaften nun mal. Dies wäre ein positiver Zwang, der genau kontrolliert werden muss der aber extrem viel Gutes bewirken kann – übrigens für jeden von uns. Jederzeit. 

P.S. Einen oder mehrere Organspendeausweise kann man sich hier kostenfrei bestellen und zukommen lassen. 

Foto : Universal Television

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By Ben
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Zum Finden berufen, zum Suchen verdammt.

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