BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

#ManAreTrash

Auf Twitter wird derzeit einmal mehr das Manspreading – übertriebene möglichst breitbeinige Sitzen vor allem in den Öffis der männlichen Spezies diskutiert. Männer können mit überkreuzten Beinen sitzen, es gibt empirische Beweise die das belegen. Die, die es tun müssen danach weder ihren Penis abgeben, noch bildet sich ein zweites X-Chromosom was sie fortan als Frau oder irgendwas dazwischen auszeichnet. Als Mann ist es oft bequemer mit offenen Beinen zu sitzen. Das ist genauso unproblematisch wie wenn Frau mit offenen Beinen sitzt – hier würde auch niemand auf die Idee kommen Frau korrigieren zu wollen das sie doch bitte die Beine übereinander schlagen soll. Im Rahmen, sind nahezu alle Diskussionen wie diese überflüssig. Aber es geht eben um das übertriebene breitbeinige Sitzen was vor allem in überfüllten Öffis zu Recht auf Unverständnis stößt. Die Diskussion ist nicht so einseitig wie man denken könnte. Während einige Männer sich persönlich angegriffen fühlen, ihre Kritiker als Femnazis (was würden wir nur ohne den Begriff Nazi tun, womit würden wir alles mögliche dann überhöhen?) bezeichnen, schlagen sich nicht wenige Frauen auf die Seite der Männer und verunglimpfen wiederum ihre Geschlechtsgenossinnin als übersensible, umgebumste Spaßbremsen.

Warum man so etwas an sich vollkommen banales so überhöhen kann, erschließt sich mir nicht. Einerseits denke ich das der Feminismus wichtigere Schlachten zu gewinnen hat die einen dramatischeren Effekt haben werden, andererseits gehört dies eben mit dazu. Vor allem verstehe ich aber nicht wie vor allem Mann seine persönliche Freiheit stets an so Blödigkeiten wie möglichst breitbeinig sitzen zu können knüpft. In einer leeren U-Bahn – who cares, wenn es aber voll ist, ist das einfach nur egoistisch und überflüssig. Das bis aufs Blut verteidigen zu wollen erschließt sich mir ebenso wenig, wie darum zu kämpfen Mohrenköpfe immer noch als Negerküsse bezeichnen zu dürfen, weil das war doch immer so. Warum sollte das wichtig sein? Wie leer und traurig muss denn ein Leben sein, dass das Relevanz hat?

Anyway, ich weiß nicht ob der Hashtag #ManAreTrash aus dieser oder einer der anderen Hashtags die das Patriarchat anprangern entstand, ich habe es ehrlich gesagt nicht zurück verfolgt aber es würde halt passen. Es ergibt sowieso alles ein großes Ganzes. Wer einen Eindruck davon gewinnen möchte, wie sich zu viele Männer in voller Inbrunst damit recht zu haben benehmen, soll sich die Geschichten unter #MeToo zur Gemüte führen. Dabei vergeht es einem und man schämt sich fast ebenfalls ein Mann zu sein, ein weißer noch dazu – das Alter ereilt einem später ja auch noch. So richtig ich es finde all diese Missstände offen zu legen und laut anzuklagen, solche Hashtags helfen wie alle Absolutismen einfach nicht. Generalbeschuldigungen sind eben der Grund, warum wir überhaupt in einem solchen System gelandet sind. Ich bin absolut dafür, dass Patriarchat zu überwinden, nicht aber um es Matriarchat zu ersetzen, das ist in meinem Verständnis auch nicht das Ziel von Feminismus. Es geht um die Anerkennung, die vollkommene und längst überfällige Gleichstellung der Frau. Nicht um die Herrschaft von Frauen, sondern um eine gleichgestellte, einige Gesellschaft in der Geschlechter keine Rolle mehr spielen. Weil ich Feminismus so interpretiere, diese Bewegung so verstehe kann ich mich ihr auch verschreiben und sie unterstützen, oder anders ausgedrückt – ich als Mann muss keine Angst davor haben, ganz im Gegenteil.

Wir leben in einer Zeit in der man sich leichter Gehör verschaffen kann und Gleichgesinnte mobilisieren kann. Die globale Sichtbarkeit dieser Bewegungen verdanken wir dem Internet. eil es immer deutlicher wird, weil sich Dinge ändern müssen, weil es so nicht weiter gehen kann und die Herrschaft des Mannes nun genug Jahrhunderte andauert, hat der Mann Angst. Angst, das Frauen nicht nur Gleichberechtigung wollen, sondern Rache. Das sie die Herrschaft übernehmen wollen und sich für die Ewigkeiten der Unterdrückung rächen wollen. So zumindest erkläre ich mir warum viele Männer so feindselig auf Dinge wie #MeToo reagieren. Hashtags wie #MenAreTrash helfen da nicht gerade – auch wenn es zu viele Gründe und Geschichten gibt die genau das belegen. Aber das gilt eben nicht für alle Männer auf diesem Planeten per se. Das männlich geprägte Gesellschaftssystem ist Müll und es gehört überwunden, Männer dürfen in dem was folgt aber weiterhin vorkommen. Nicht als besser oder schlechter, als gleichberechtigt. Unser Ziel muss doch sein, Dinge wie Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe usw. zu überwinden – was zählte, sollte der Mensch sein der mit all seinen Stärken und Schwächen vor uns steht. Und nicht Blödigkeiten wie hat er einen Pimmel, hat sie Brüste, ist er oder sie weiß oder schwarz.

Ich bin dafür Missstände anzuklagen und laut zu benennen, ohne Rücksicht auf Verluste, ich bin für Radikalität was das angeht, aber ich bin gegen Absolutismen. Es hilft der Sache nicht weiter blind alles zu verurteilen was irgendwie männlich anmutet. Das ist nicht, worum es gehen sollte. Das ist kein Mansplaining, das ist nur meine Meinung.

Foto Quelle : Medium

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By Ben
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