BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

#DeleteFacebook

Nachdem bekannt wurde das eine App, welche von einigen Hunderttausenden installiert wurde zu Forschungszwecken die Daten von deren Freunden und Bekannten abgegriffen und so Zugang zu rund 50 Millionen Facebook-Profilen erhalten hat, welche dann irgendwie ihren Weg zum Wahlkampfteam  von Donal Trump gefunden haben sollen, steht Facebook unter Druck. Man gibt zu das Fehler passiert sind, hat jene Firma von der Platform verbannt von einem Leak möchte man aber nicht sprechen. Auch verschließt man wohl immer noch die Augen davor, wenn auch ungewollt dabei geholfen zu haben Donal Trump ins Weiße Haus zu hieven. Die Empörung ist groß und der passende Hashtag schnell gefunden – #DeleteFacebook trendet und findet prominente Fürsprecher, wie etwa Elon Musk der jetzt die Facebook-Seiten von Tesla und Space X eigenhändig gelöscht hat. Ein Marketing-Gag oder meint er es ernst? Das wird uns nur die Zeit lehren, ich denke aber es taugt nicht als Marketing-Gag. Aber wie das so ist, wenn sich unsere Vorbilder für eine Sache stark machen, ziehen wir gerne nach. Mich würde also interessieren, ob Facebook nun ernsthaften Schaden nimmt. Schon vor diesen Skandal, waren die User-Zahlen erstmals rückläufig. Es scheint, Facebook hat seinen Höhepunkt erreicht.

Die Debatte um Facebook ist komplex und hat mehrere Dimensionen. Ich will diese nur kurz anreißen, denn eigentlich geht es mir gerade um etwas anderes. Facebook hat es mit dem Datenschutz nie so genau genommen. Kann es auch gar nicht. Dem dümmsten Trottel muss doch klar sein das ein solches Angebot nicht wirklich for free sein kann. Facebook beschäftige Zehntausende Menschen, was glauben die User denn womit der Laden Geld verdient? Werbeeinnahmen, aber einfach nur blind geschaltet? Nein. Personalisierung ist das A und O von Facebook. Die Währung mit der man als User Facebook (und all die anderen Netzwerke) bezahlt, sind die persönlichen Daten. Wer da fein mit ist, das überblickt beschwert sich auch nicht. Wer da nicht mit fein ist, ist ein wenig doof oder einfach gestrickt. Missbrauch muss man vorbeugen, dafür sollte es Gesetze, Regulierungen geben – die aber zu schwach sind. Ansonsten brauch sich nun niemand als Opfer fühlen. Wir haben ja nun selbst ermöglich das Facebook so groß und mächtig wurde. Vielleicht ist es wirklich ander Zeit GAFA zu zerschlagen.

Mark Zuckerberg wollte eine Platform bauen, einen Raum in dem andere ihre Dienste anbieten. Somit hat er selbst mit diesen Inhalten nichts zu tun und ist nicht verantwortlich. Wir verklagen ja auch nicht den Autohersteller wenn jemand damit besoffen fährt und einen Unfall mit mehreren Toten verursacht. Das funktioniert nur in der digitalen Welt irgendwie nicht. Ich kann mit einem VW Polo nun mal keine Demokratien destabilisieren in dem ich Wahlen manipuliere, bzw. eben deren Wähler gezielt beeinflusse. Hier müssen andere Regeln gelten, weil der Effekt zu gewaltig ist. Facebook muss endlich Verantwortung übernehmen und vielleicht muss man auch das Geschäftsmodell neu überdenken.

Ich mag Trends nicht. Wenn nun Leute, die ewig ein Profil hatten diese in blinden Aktionismus löschen nur um in ein paar Wochen ein neues zu kreieren weil Parties ohne FB schwer zu organisieren sind, kann ich das nicht ernst nehmen. Ich frage mich also, ist dies nun tatsächlich eine Zeitenwende oder ein trendiges Gewitter was nächste Woche schon wieder vergessen ist? Hier würden mich wirklich Zahlen interessieren, die der sonst so data-driven Konzern sicher nicht veröffentlichen wird.

Mein Verhältnis zu Facebook ist ambivalent. Nein, eigentlich nicht: Ich mag Facebook nicht und hadere wie man hier nachlesen kann eh damit. Vor einigen Jahren war ich da mal sehr aktiv, hatte dann Jahre kein Profil und unteralte seit einigen Monaten wieder ein Profil aus genau zwei Gründen: Tinder und um diesen Blog zu promoten.

Tinder funtzt für mich nicht und die Visitor die von Facebook kommen, sind überschaubar. Ich kann mich nicht dazu durchringen mir die App wieder auf’s iPhone zu holen und eingeloggt war ich das letzte Mal vor Wochen oder Monaten. Schon das Interface auf Desktop kotzt mich an. Facebook ist langsam, altbacken und einfach nicht sexy. Es ödet mich an und macht mich teilweise sogar aggressiv. Der einzige Grund warum ich überhaupt mal Facebook öffne, sind Nachrichten von Künstler die FB als ihren Main-Channel benutzen. Ich bin ein Twitter-User, das ist einfach mehr meine Welt. Unabhängig des Daten-Skandals, aber dies zum Anlass nehmend, habe ich also entschieden mein Profil wieder zu löschen. Stattdessen werd eich mir aber wieder einen Instagram Account anlegen. Instagram gehört natürlich auch zum Facebook Imperium, aber mir geht es ja auch nicht darum Facebook den Mittelfinger zu zeigen und „digital zu detoxen“, wie einige es so hoch-dramatisch betreiben. Ich habe einfach keinen echten Nutzen für Facebook. Aber mir ist danach mich öfter mal wieder inspirieren zu lassen. Das geht auf Twitter zwar auch, aber ich mag es Tools dafür zu nutzen, wofür sie gedacht sind. Zu teilen habe ich da denke ich mal nichts, ich werde eher ein stiller Follower sein. Das Kapitel Facebook ist für mich erst mal wieder ohne großes Drama beendet. Ich bin gespannt wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Vielleicht geht Facebook nochmal in eine Richtung, die mich auch wieder fesselt.

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By Ben
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