BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

btw17 // Sechzehn // Verdruss vs. Visionen

Auch wenn ich mit einer leicht höheren Wahlbeteiligung rechne (siehe meine Prognose), so werden wir dennoch weit davon entfernt sein Spitzenwerden wie in den 70ern (über 90%9 zu erreichen. Auch  wenn wir den Trend ein wenig umkehren können, so wenden sich generell doch immer mehr Menschen von der Politik ab. Wenn ein Mensch, am Ende seines Lebens angekommen irgendwann kein Interesse mehr an Politik hat und sich nur noch um seine eigene, kleine Welt kümmert, ist das eine Sache. Es sind ja aber vor allem junge Menschen die meinen das Politik langweilig ist und sie nichts angehe. Ich kann das wie gesagt nicht verstehen. Ja, Politik ist etwas dröge und trocken. Und nein, ich glaube nicht dass das so sein müsste. Gregor Gysi ist ein Beispiel dafür aber leider fast alleine. Was in unserem Land seriös sein will muss gleichzeitig auch staubtrocken sein. Großer Unsinn wie ich finde.

Die Mechanik von Politik wird man nicht ändern. Das ist nun mal alles ziemlich standardisiert, traditionell und routiniert. Aber man könnte eben ändern wofür Politik steht. Für mich ist Frau Merkel wie gesagt vor allem eine Politikerin die verwaltet. Den Status Quo verteidigt aber wenig neue Ideen produziert. Ich kann mich überhaupt nicht erinnern das sie mal irgendetwas Neues vorgeschlagen hätte. Es gibt keine Angebote an das Volk, keinen Diskurs, nichts worüber wir diskutieren können oder müssen, keine wichtigen Entscheidungen über die Wahl des Juniorpartners alle vier Jahre hinaus. Dafür braucht es uns, ansonsten sollen wir die Füße still halten und den Eliten vertrauen. Das ist wenig attraktiv.

Ja, ich plädiere für mehr direkte Demokratie, für regelmäßige Volksabstimmungen zu bestimmten Themen. Gregor Gysi hatte mal einen guten Vorschlag gemacht, wie so etwas aussehen könnte. Was spricht dagegen? Aber ich meine noch etwas anderes.

Was mir auf den Keks geht ist die generelle Visionslosigkeit beinahe aller Parteien. Das war doch nicht immer so, oder kommt mir das nur so vor? Adenauer, Brandt, selbst Kohl, die hatten doch große Ideen für dieses Land, für Europa, ja für die Welt. Ideen, die über ihre Zeit hinaus gingen, für die sie aber gearbeitet haben. An denen sie ihren Anteil hatten. Haben wir solche Probleme heute nicht mehr? Gibt es nichts, wofür wir solche Visionen entwickeln müssten? Ich denke schon.

Ich bin ein großer Star Trek Fan. Mit Trek hat Gene Roddenberry in den 60ern eine fantastische Utopie erschaffen die ihres gleichen sucht. Eine der wenigen Ideen die ein positives Bild der Zukunft zeichnet. Menschen haben Rassismus, Sexismus und Klassenkampf hinter sich gelassen. Es gibt kein Geld mehr, jeder kann das machen was er will. Die Technologie ist unserer Freund und hilft uns friedlich zu leben. Man arbeitet um sich selbst zu verbessern und seinen Anteil an die Gesellschaft zu leisten. Soziale Wesen die füreinander da sind. Jeder tut das, was er gut kann, was ihn liegt und was ihn glücklich macht. Science Fiction natürlich, deswegen aber doch keine schlechte Idee oder? Warum strebt man nicht danach? Natürlich ist das nicht in einem Leben zu erreichen. Aber man muss doch große Träume haben, Ziele um etwas zureichen. Wenn ich immer nur das bewahren will, was ich bereits habe, mache ich gar keine Fortschritte. Ich verharre im Jetzt. Das kann längerfristig nicht gut sein.

John F. Kennedy hat Anfang der 60er den Amerikanern versprochen Ende des Jahrzehnts einen Amerikaner auf dem Mond zu schicken. 1969 war es soweit. Wie inspirierend muss das für so viele Amerikaner gewesen sein. Nicht nur weil man dem Wettstreit mit dem Klassenfeind gewonnen hatte, weil man als Nation etwas unmögliches erreicht hatte. Etwas, auf das man stolz sein konnte. Wann fühlten wir uns das letzte Mal von unseren Politikern inspiriert? Wann haben sie uns das letzte Mal als Vorbild gedient großes zu erreichen? Ich kann das wirklich nicht beantworten.

Gibt es keine Themen? Doch natürlich. Es gibt genügend Themen. Und ja, viele davon können wir nicht alleine bewältigen. Vieles scheint noch unmöglicher als einen Mann auf dem Mond zu schicken, oder eine Frau auf dem Mars. Aber es geht doch darum sich auf die Reise zu machen, die ersten, wichtigen Schritte zu unternehmen. Stattdessen diskutieren wir darüber ob es überhaupt okay ist über bestimmte Dinge nachzudenken. Sind wir doof? Das ist so frustrierend, so kleingeistig und so unbedeutend. Ich glaube das wir als Menschheit großartige Dinge vollbringen können. Das wir in kurzer Zeit diese Welt zu einem besseren Ort machen könnten, wenn wir nur wollten. Wenn wir wollen dürften. Aber oft stehen uns Regierungen dabei im Weg. Eliten ohne eigene Ideen oder Visionen, ohne echte Überzeugungen die einfach nur die Interessen weniger vertreten, die nicht unsere sind. Den Status Quo bewahrend der für einige so gut funktioniert. Eine Zukunft verhindert die der von Trek ähnlich sein könnte.

Schon 1966 ging Gene Roddenberry davon aus das der Menschheit noch ein weiterer Weltkrieg bevor stehen würde. Erst als bei diesem Dritten Weltkrieg Milliarden umkam, rafften sich die Überlebenden zusammen und formten eine Weltregierung die Kriege überflüssig machte. Man wandte sich der Wissenschaft zu und begann diese positiv zu nutzen und ungeahnte Fortschritte zu machen. Heute erscheint es mir das die Musk’s dieser Welt Fortschritte trotz Regierungen machen aber eben gegen große Widerstände. Wir lassen zu das Terror die Welt verändert, die Geschichte umschreibt während wir doch alle Möglichkeiten haben sollten die Welt positiv zu entwickeln. Wir wollen nicht weil es keine Ideen gibt, keine Träume, keine Visionen. Nichts wofür wir uns engagieren können, nichts was uns träumen lässt. Wir glauben gar nicht mehr an eine bessere Welt. Wer davon träumt, wird als Spinner bezeichnet. Wie traurig ist das? Es gibt kaum etwas wofür man sein kann, deswegen sind viele gegen irgendetwas. Wir müssen wieder für Dinge sein, für Entwicklungen, für die Zukunft.

Politik heißt gestalten. Gestalten heißt erschaffen, formen. Nicht das gleiche immer wieder zu machen. Natürlich erzeugt der millionste Aschenbecher keine Begeisterungsstürme mehr. Vielleicht probieren wir mal was anderes. Vielleicht holen wir uns die Herrschaft über das Narrativ zurück. Vielleicht engagieren wir uns, vielleicht fordern wir mehr von unseren Politikern als nur Status Quo, als früher war alles besser, als wir gegen die. Ich will ein Wettstreit der Ideen, Engagement, Visionen, Träume und Diskurs. Konzepte für eine bessere Zukunft, eine Zukunft die es wert ist dafür zu kämpfen. Keine verdammten politischen Realitäten mehr, kein Pragmatismus. Ich will neue Realitäten, ich will das was jetzt noch unmöglich erscheint. Ich will eine Frau auf dem Mars!

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By Ben
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Zum Finden berufen, zum Suchen verdammt.

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