BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

btw17 // Sechs // Die SPD

Wenn es noch irgendetwas in mir gab, was der SPD hätte eine Chance geben wollen, was meint das es lohnen könnte den Sozialdemokraten noch einmal zu vertrauen, dann hat Sigmar Gabriel das beim letzten Jung & Naiv Interview endgültig zerstört. Wie kann man nur so arrogant, oberlehrerhaft, herablassend, uneinsichtig und verbohrt sein? Ich kann das nur empfehlen und bedauere das es bisher „nur“ 50.000 Menschen gesehen haben. Also bitte teilen! Sigmar Gabriel ist die Verkörperung all dessen, was mit der SPD nicht stimmt. Aber leider, ist er nur einer von vielen.

Wer Merkel verhindern will, muss SPD wählen, richtig? Nur leider kann ich das nicht tun. Ein wenig fühlt es sich wie das Wahldilemma der Amerikaner vom letzten Jahr an: Natürlich will man Trump nicht, aber Hillary kann man auch einfach nicht ruhigen Gewissens wählen. Weder will ich Deutschland oder diese Wahl mit den USA vergleichen, noch will ich mich hier zu sehr auf Schulz stürzen. Das er vermutlich das niedrigste Wahlergebnis aller Zeiten für die SPD einfahren wird ist auch, aber nicht seine alleinige Schuld. Er hatte nie wirklich eine Chance.

Die SPD ist einfach dämlich. Das sieht man am Interview mit Gabriel sehr gut. Statt für Kritik offen zu sein, statt demütig und selbstkritisch zu agieren, wird wie immer jegliche Schuld von sich gewissen, auf die anderen gezeigt und so getan als hätte man alles im Griff. Als würde man alles richtig machen, als würde man die geilste Politik machen nur halt für die falschen Leute. Als wären die Wähler zu doof zu erkennen, wie geil man eigentlich ist. Und dann dieses selbstgefällige Abfeiern der eigenen Geschichte, weil man ja die letzte Partei war die von den Nazis verboten wurde, niemals seinen Namen ändern musste ist man nun irgendwie besonders. Wie mir das auf den Keks geht. Über jede echte Kritik erhaben. Die SPD kapiert es einfach nicht. Sie glaubt immer noch, dass die Menschen irgendwann wieder zu Sinnen kommen und erkennen, wie grandios die SPD ist. Und schon immer war. Als ob es ein Naturgesetz sei, dass es sie geben muss. Sie machen die gleichen Fehler immer und immer wieder.

Die SPD hat sich mit der Agenda 2010 zu großen Teilen an denen versündigt, gegen die gestellt, die sie einst gewählt haben. Die ihnen vertraut haben und große Hoffnungen auf sie vereint haben. Sie hat damit den Ganz Kleinen Mann geopfert, für das größere Gut, dafür dass das Land insgesamt besser da steht. Sie hat die verraten, die sich immer noch auf sie verlassen haben. Ihre Schutzbefohlenen die der Union schon immer egal waren. Sie erkennt diesen Verrat nicht an, sie gesteht ihn nicht ein, sie will nach wie vor nichts von dieser Ursünde wissen. Was glauben die eigentlich? Das die Leute vergessen und irgendwann zu ihr zurück kommen? Aus Mangel an Alternativen? Das wird verdammt nochmal nicht passieren! Was ist die Hoffnung hier? Das die 15-20% die einst der SPD den Rücken kehrten ersetzt werden können durch Wähler, die früher die CDU gewählt haben? Ganz offensichtlich klappt das ja nicht und noch offensichtlicher, vergeben und vergessen diese ehemaligen Wähler nicht. Warum sollten sie auch?

Ich kann immer wieder das gleiche halb-gare Angebot machen und anschließend rum heulen das mich keiner wählt oder einsehen dass das Angebot was ich mache nicht gut genug ist. Nicht mehr dem Zeitgeist entspricht und das ich mich ändern, weiterentwickeln muss. Die SPD ist dabei sich zu ruinieren und sie sieht es einfach nicht. Sie verlässt sich in ihrer maßlosen Selbstgefälligkeit auf ihre Geschichte, ihre Tradition. Die SPD muss es geben, so einfach ist das. Nein, es muss sie eben nicht geben. Was der SPD gut anstehen würde, ist Demut.

Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten – das dieser Nazispruch von immer mehr Menschen skandiert wird, sollte der SPD zu denken geben. Was drückt er aus? Eine maßlose Enttäuschung über die Unzuverlässigkeit und Doppelzüngigkeit der SPD. Bevor die SPD die Ehe für Alle im Bundestag durchgesetzt hat, hat sie im Rechtsausschuss wie oft dafür gestimmt das Thema zu vertagen? Auf Facebook feiern sie pathetisch die LBGTQ Bewegung während sie im Bundestag genau dagegen agieren. Gleiches gilt für die Sachgrundlose Befristung und andere Themen. Die SPD ist als Partei nicht mehr glaubwürdig oder zuverlässig. Als GroKo Juniorpartner vielleicht, aber nicht als leidenschaftliche, engagierte, soziale Kraft die für die Rechte der Schwachen entschieden kämpft.

Die SPD ist nicht mein Feind, auch wenn sich das hier anders liest. Ich finde es eher bedauerlich das diese Partei so dahinsiecht, sich selbst verrät und teilweise aufgibt und einfach nicht den Mut hat, sich neu zu erfinden. Das wäre ja nicht mal notwendig, sie soll sich einfach auf das besinnen, wofür sie mal stand. Die Leute sehnen sich nach einer starken, streitbaren, engagierten, linken, sozialen Politik. Die hohen Zustimmungswerte für Schulz nach seiner Nominierung waren der Ausdruck dessen. Dabei ging es nicht um Schulz, nicht direkt, es ging um die Sehnsucht nach einer anderen, neuen SPD. Die Hoffnung darauf, die Fehler zu korrigieren die sie begangen haben. Darum, sich wieder radikal von der Union abzugrenzen und zu streiten. Eier zu haben und selbst Themen zu setzen. Sich nicht von der Union oder den Medien erzählen zu lassen was angeblich wichtig ist. Denen wieder eine Stimme geben, die sonst nicht gehört werden. Diese Zustimmungswerte waren ein Auftrag – keine Belohnung, eben keine Zustimmung. Es war die Hoffnung die wieder von der SPD enttäuscht wurde. Weil sie es nicht kapieren. Weil sie zu träge, zu behäbig, zu sehr von der eigenen Unfehlbarkeit überzeugt sind.

Die SPD könnte ohne weiteres die Grünen und die Linken überflüssig machen. Dabei muss man selbst nicht die Auflösung der NATO oder andere grenzwertige Themen fordern. Aber die SPD könnte sich alle sozialen Themen zu eigen machen, ebenso jegliche Umweltthemen, Innovation und Gerechtigkeit und diese beiden Parteien in kürzester Zeit überflüssig machen. Stattdessen, werden sie überflüssig.

Hat die SPD ein paar gute Ideen? Ja, mit Sicherheit aber es interessiert einfach niemanden mehr. Sie sind, solange sie so aufgestellt sind einfach nicht glaubwürdig. Keines ihrer Themen, könnte so nicht auch von Merkel umgesetzt werden. Es gibt nichts, was man zurzeit nur der SPD zutraut. Diese Partei an sich, hat über das geistlose „Die da Oben“ Gerede einfach jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Verspielt. Die SPD ist arrogant und selbstgefällig. Und das wird ihr Untergang sein.

Ich hoffe das nicht, mich macht es wütend, weil es mir nicht egal ist. Weil ich nicht glaube das wir besser dran wären ohne SPD. Ich will sie im Parteienspektrum, aber eben nicht so, nicht als eine CDU-Light. Die SPD könnte wieder groß werden, das Potential ist da aber sie erkennen es nicht. Sie erkennen nicht mal, dass sie es nicht erkennen.

Ein Teil von mir hofft, das die SPD unter 20% und in der Opposition landet. Diese Niederlage wäre hoffentlich so schmerzhaft, das man erkennt das ein weiter so keine Option ist. Ich hoffe dann darauf dass das Präsidium den Anstand besitzt geschlossen zurückzutreten und das man dann eine neue Generation ran lässt, welche die SPD wieder als das positioniert, was sie mal war. Was sie sein sollte und was sich viele wünschen. Der Niedergang der SPD ist ein Drama in mehreren Akten und wir nähern uns dem tragischen Ende.

Wahlprogramm der SPD

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By Ben
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