BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

btw17 // Dreizehn // Der Tellerrand

Wie bei fast allen Sachen lohnt auch bei der Politik der sprichwörtliche Rand über den Tellerrand. Verglichen mit der Türkei, Polen, Italien, den USA und Groß Britannien ist mir schon klar das wir hier auf hohen Niveau jammern. Ga nicht erst zu sprechen von Diktaturen und anderen Schurkenstaaten. Regierungskritische Artikel wie meine würden – wenn hoch-frequentiert – dafür sorgen das ich im Gefängnis landen würde oder schlimmeres zu erleiden hätte. Wobei man in Demokratien wie der Türkei oder der Ukraine davon auch nicht mehr wirklich weit entfernt ist. Wenn überhaupt. In Deutschland kann ich mich vor dem Bundeskanzleramt stellen und skandieren wie scheiße ich Merkel finde und mir passiert nichts. Na ja, irgendwann ein Platzverweis vermutlich.

Es kommt halt immer darauf an, mit wem man sich vergleicht. Ich diskutiere wie bereits gerne mit einer guten Freundin die ursprünglich aus Schweden stammt. Ein Land was sehr fortschrittlich, frei und offen ist. Weniger christlich geprägt und in einigen Dingen Deutschland voraus. Anders als wir, experimentieren sie z.B. bereits mit dem  Bedingungslosen Grundeinkommen, während wir noch darüber diskutieren ob es richtig ist, darüber nachzudenken. Obwohl Schwenden ein sehr fortschrittliches Land, beneidet meine Freundin mich um Merkel. Ein Umstand über den wir stets leidenschaftlich diskutieren und selten zu einem Ergebnis kommen. Grundsätzlich sind wir uns einig was wir wollen und was uns wichtig ist. Während sie aber eher pragmatisch ist, bin ich idealistischer und vielleicht auch etwas naiver. Sie hält Merkel für zuverlässig, respekteinflößend, souverän, stark, unabhängig und gradlinig. Ein Vorbild für andere Politiker. Das Leuchtfeuer der Demokratie und der Stabilitätsanker dem es in einer unruhigen Welt braucht.

Von außen betrachtet verstehe ich auch was sie meint, aber ich glaube – und so wird es vielen gehen – das ihr der detaillierte Blick auf dieses Land und seine Probleme fehlt. Merkel, ist wie gesagt eine Marke und wer nicht genau hinschaut, verfängt sich in deren Botschaft. Das ist eben Zuverlässigkeit, Stabilität und all das gute Zeugs. Vom Stillstand den Herausforderungen vor den nicht nur Deutschland steht, den sozialen Verwerfungen weiß sie wenig oder hält sie für ein Preis den es wert ist zu zahlen. Da ist aber kein Vorwurf, ich weiß von Schweden weitaus weniger als sie von Deutschland. Dabei sollte man sich dieses Land mal genauer anschauen da die Schwenden vieles deutlich besser und früher machen als wir.

Ich versuche mir klar zu machen wo wir global stehen. Das wir natürlich auf hohen Niveau jammern und alles viel schlimmer sein könnte. Ich will aber auch nicht so naiv oder verblendet sein und glauben das alles bestens ist, ich mich nicht weiter drum scheren muss und alles immer bestens sein wird. Auch wenn ich anerkennen will was hier alles gut und richtig läuft, so will ich mich einfach nicht darauf ausruhen. Solang hier nur ein Kind hungert, ein kranker nicht die Hilfe erhält die er braucht, solange bessere Bildung vor allem was für Eliten ist, ist eben nicht alles gut. Ohne uns, unsere Leistungen, unser Land schlecht machen zu wollen, es geht immer besser. Und danach will ich in meinem Protest, meiner Unzufriedenheit streben. Ich will nicht bei der Unzufriedenheit verharren, will nicht dabei bleiben das ich dies oder das scheiße finde. Ich will Ideen, Konzepte diskutieren die das verändern könnten. Ich will nicht meckern und des Meckern willen, wollte ich nie. Ich will Bewegung. die gibt es eben nur wenn ich schmerzhafte Themen auch anspreche, im hier und jetzt und mich nicht ständig damit tröste das es woanders schlimmer ist. Das bringt mir hier genau gar nichts. Der Blick über den Tellerrand ist richtig und notwendig. Es erweitert die Perspektive. Aber man darf sich auch nicht einlullen lassen, davon beeindrucken lassen das es überall woanders schlimmer ist und man sich selbst nicht bewegen muss. Es geht immer besser. Streben wir immer weiter. Wählen zu gehen, ist ein Weg das zu tun.

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By Ben
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Zum Finden berufen, zum Suchen verdammt.

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