BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

ReduzierBen – Woche #10

Eine neue Kategorie der Selbstoptimierung gewidmet, in geistiger und körperlicher Form. Die Seele lasen wir so wie sie ist…

Unternehmen wir eine kleine Reise in die Vergangenheit des Schreibenden. Es ist das Jahr 2006. Ich lebe in meinem eigenen kleinen Haus, habe seit ein paar Monaten eine wundervolle Frau an meiner Seite, bin glücklich und fühle mich wohl. Eines Tages, als ich mich bücken wollte um mein Essen abzustellen (welche grausame Ironie!) durchfuhr mich ein grausamer, stechender Schmerz im Rücken welcher jede weitere Bewegung zur Qual machte. Ich lande im Krankenhaus. Verdacht auf Bandscheibenvorfall. Ich verbringe ein paar Tage bei miesen Essen und ratlosen Ärzten. Die Schmerzen werden irgendwann weniger und verschwinden schließlich. Ein Grund wurde nie gefunden. So oder so ähnlich ist es gewesen, die Erinnerungen hier sind lückenhaft.

Ich bin 22 Jahre jung und habe mich in meinem Leben stets erfolgreich gegen Sport gewährt, bis auf die Quälerei in der Schule natürlich. Ich habe einen Bürojob und ernähre mich nicht sonderlich gut. Ich finde den Grund für dieses dramatische Erlebnis also in meiner Ernährung und meiner chronischen Unbeweglichkeit. Ich bin nicht fett, aber dick und entscheide etwas dagegen zu unternehmen. Obwohl ich es hasse, beginne ich damit regelmäßig Sport zu treiben. Beidem bleibe ich bis heute treu: Der Regelmäßigkeit und der Verachtung gegenüber Sport.

Ich probiere zahlreiche Diäten, nichts mag so recht funktionieren. Alles fühlt sich nach Zwang an, alles ist kompliziert und nervt. Ich will mich ernähren, keine Wissenschaft betreiben. Ich entdecke Low-Carb, eine Ernährung die mir mit meinen Unverträglichkeiten entgegen kommt. In den kommenden Monaten nehme ich 20 Kilo ab. Das erste mal seit langem fühle ich mich einigermaßen wohl in meinem Körper. Ich fühle mich gesünder, ich fühle mich fitter, sogar etwas attraktiver. Das erste mal überhaupt glaube ich einer Frau wenn sie mich ansieht und mir sagt sie findet mich sexy. Ein unbeschreibliches Gefühl. Jahre später ziehe ich nach Berlin. Ich verliere die Frau und gewinne die 20 Kilo und mehr zurück. Ein beschissener Tausch.

Vorspulen – heute, bzw zehn Wochen zuvor. Nachdem ich immer wieder versucht hatte an alte Erfolge anzuknüpfen und immer wieder grandios gescheitert bin, sitze ich einer spindeldürren Ernährungsberaterin gegenüber und unterschreibe lächelnd einen Vertrag der ihr für fünf Stunden Beratung mein halbes Vermögen überschreibt. Lernen durch Schmerzen denke ich mich mir, Motivation durch Selbstbestrafung. Wir vermessen mich und auch wenn ich wusste das ich in extrem schlechter Form bin schockiert mich das Ergebnis. Fast 130 Kilo, noch zehn mehr als elf Jahre zuvor. Das ich dies heute so freimütig teile, ist für mich übrigens teil der Therapie, auch wenn es mir nicht leicht fällt und ich mich schäme. Es sieht schlecht aus und ich weiß das jetzt etwas passieren muss.

Mein BMI liegt bei 85 Kilo, ein schlauer Apparillo rechnet jedoch aus das 96 Kilo für mich das ideale Gewicht wäre, wenn ich nicht Muskeln etc. abnehmen will, die ich eigentlich brauche. 96 Kilo – das bin also ich. Der Rest ist Abfall. 96 Kilo, das heißt 33 Kilo die ich verlieren soll oder muss. Ich kenne Menschen die weniger wiegen.

Die Reise beginnt. Zuerst folgt eine Woche normales Essen, bildlich dokumentiert. Das Urteil ist vernichtend. Das muss alles weg und durch intelligentes Essen ersetzt werden. Welcome back, Low-Carb! Ich bin ehrlich zu mir und weiß das ich nicht die eiserne Disziplin von damals aufbringen werde wo ich nicht nur auf Ketchup etc., sondern auch auf Alkohol und andere Dinge größtenteils verzichtet hatte. Ich werde weniger krass sein, dafür aber eben smarter. So zumindest der Plan. Ich lerne das ich versuchen muss ungesunde durch gesunde Fette zu ersetzen. Das bedeutet zum Beispiel kein verarbeitetes Fleisch mehr, Goodbye Salami jeglicher Art und welcome Fisch. Viel mehr Fisch.

Die Beratungstermine sind im Prinzip witzlos und dienen mir letztlich nur dazu Druck aufzubauen, bei der nächsten Sitzung bessere Ergebnisse präsentieren zu können. Der ToDo-Listen Junkie in mir lächelt. Ich streiche Salami und Co. ersatzlos und baue jede Menge Salate in meine Ernährung ein. Aber nicht die gekauften, ich mache alles komplett selber. Dabei wähle ich aus Einfallslosigkeit fast immer dasselbe Dressing, bisher langweilt es mich aber nicht und es schmeckt. Das alles fällt mir nicht mal sonderlich schwer um ehrlich zu sein. Trotz der zahllosen gescheiterten Versuche zuvor, meine ich es dieses mal ernst. Das ist der Grund warum es geht. Mir eine Sau-teure Ernährungsberatung zu leisten diente mir nur als Startpunkt, als Arschtritt den ich brauchte. Es sollte meinen Willen unterstreichen, etwas zu ändern. Nichts von dem was ich dort gelernt habe, wusste ich nicht schon oder hätte ich googeln können. Aber ich brauchte diesen offiziellen Startpunkt und ich brauchte erste Ergebnisse um mich zu motivieren um weiter zu machen. Die ersten Kilos purzelten und ich fühlte mich besser.

Heute. Das Purzeln scheint sich zu verlangsamen, dennoch zeigte die Waage heute morgen 117 Kilo. Das heißt ich habe jetzt ca. 12,6 Kilo angenommen. Man sieht es nicht wirklich und ich fühle mich auch nicht wirklich „leichter“, auch wenn meine dauernd rutschenden Hosen was anderes behaupten. Dennoch fühle ich mich gut damit. Ich will weiter machen und auf jeden Fall noch unter die 110 kommen. Und am liebsten eben unter 100. Wann ich dass das letzte Mal gewogen habe, könnte ich gar nicht sagen. Vermutlich als Teenager.

Ich merke das es härter wird. Ich träume von Schokolade, die Versuchung nur eines der leckeren Törtchen zu probieren die der gut aussehende, schlanke Kollege zu seinem Geburtstag mitgebracht hat, wird größer. Doch noch halte ich stand. Ich war der Versuchung erlegen mir ab und an diese extrem leckere Knoblauch Creme zu gönnen die ich so liebe. Kaum Kohlenhydrate, aber eben jede menge ungesunde Fette. Darin muss ich wieder besser werden. Konsequenter. Und mehr Fisch. Dieser verdammte Fisch. Nachmittags essen gehen ist ein Problem welches ich nicht wirklich lösen können werde. Ich muss es eben reduzieren, auf 1-2 Mal die Woche höchstens.

Dies soll also meine Reise zu weniger Ich dokumentieren. Ein Schelm wer denkt das ich dies nur tue um mir so den nötigen Druck aufzubauen um am Ende einer Woche positives vermelden zu können. Als ob man eine Ernährungsexpertin durch ein wenig Öffentlichkeit ersetzen könnte. Also wirklich…

 

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By Ben
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Zum Finden berufen, zum Suchen verdammt.

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