BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

Formfehler

Wieder einmal, ringe ich mit Worten. Nicht um, sondern mit. Der Schreibende genießt nun zwei Wochen Urlaub. Neben tausenden anderen, langweiligen, weltlichen Dingen die mich nicht mal mehr anwidern, will ich mich vor allem dem Tanz mit Worten widmen. Der Erschaffung und Vernichtung lyrischer Realitäten fernab von allem was war und ohne jede Bedeutung ist oder sein sollte. Doch scheitere ich schon an diesem einfachen Artikel.

Während ich davon träume komplett in diese Welt ab zu tauchen, weiß ich nicht mal genau wo diese Welt überhaupt ist. Zwar weiß ich wie sie aussieht, wie sie sich anfühlen soll, doch es scheint, ich kann den verdammten Eingang einfach nicht finden.

Oft zweifle ich daran ob ich überhaupt schreiben kann. Gewiss, hadere ich aber damit, wie zum Teufel man schreibt. Ist das ein Widerspruch? Keineswegs. Das eine, ist Talent was einem beschieden ist oder eben nicht. Das andere, ist ein Handwerk. Womit so weltliche Dinge wie Disziplin und Ordnung einhergehen.

Lassen wir das Talent mal beiseite. Wenn ich dies nicht besitze, kann ich machen was ich will. Denn erlernen kann man dies nun mal nicht. Was ist mit dem Handwerk? Wie schreibt man eigentlich? Was ist Handwerk? Ein Handwerk erlernt man. Das eben ist der Punkt: Durch endlose Wiederholungen, dadurch das man immer wieder neue Dinge ausprobiert, oder an bekannte Dinge anders heran geht, findet man den besten Weg etwas zu vollenden. Man wird besser, sicherer, schneller durch Wiederholung. Der Output ist also entscheidend. Wer schreiben will, muss schreiben. Das sagt jeder halbwegs erfolgreiche Autor. Soweit, so einfach. Natürlich habe ich keinen besonders hohen Output. Seitdem ich mich hier vor allem auf selbst geschriebenes und weniger auf das Kommentieren anderer Errungenschaften konzentrieren will, ist es damit nicht weit her. Das muss mehr werden. Aber das meine ich auch gar nicht. Worum es mir geht, sind die Tools.

Vor ziemlich genau sechzehn Jahren habe ich eine Lehre als Mediengestalter angefangen. Es war eine kleine, unbedeutende Dorfdruckerei die auch nicht wirklich Ahnung hatten wie man einen Mediengestalter ausbildet. Kein Wunder, war das Berufsbild zu diesem Zeitpunkt noch recht neu. Meine Ausbildung war nicht sehr gut und vom Alltag her wenig strukturiert. Und doch, hat man ja durch den schulischen Teil immer wieder bestimmte Dinge gelernt.

Talent und Kreativität sind weitaus weniger bedeutend für einen Mediengestalter als man glauben mag, zumindest musste ich das schmerzlich erkennen. Worauf es ankommt, ist das Handwerk, das Beherrschen von verschiedenen Tools und Techniken. Diese lernt man. Einige besser, andere schlechter. 16 Jahre später und beruflich ganz woanders, beherrsche ich nicht mehr das komplette Fachjargon, dafür aber bestimmte Techniken und Tools. Ich kann noch immer eine Broschüre setzen oder eine Webseite layouten. Oder ein Logo designen. Und ich weiß wie ich das mache, wie ich mich solchen Aufgaben nähere.

Anders beim Schreiben. Ich scheitere an sehr einfachen Dingen. Schreibe ich mit Word, Google Docs oder sonst was? Was ist mit Notizen, der Outline von Figuren, Orten, Ereignissen? Schaue ich mir Dokus von JK Rowling an, so hat sie alles mögliche zum Schreiben benutzt. Als letztes ein Laptop, ansonsten alles was ihr in die Finger kam, wenn sie eine Idee hatte. Ich bin eher der digitale Typ. Zumindest will ich das gerne glauben. Und auch wenn ich die Idee von Notizen an der Wand ganz romantisch finde, so bin ich doch auch sehr Ordnungsliebend – fügen sie hier bitte das Lachen meiner Eltern ein. Doch es stimmt, ich will alles strukturiert und ordentlich haben. Es soll Sinn ergeben und dabei nicht chaotisch wirken. Ich muss mich mit meiner Schreibumgebenbung wohl fühlen und eben daran scheitere ich bereits.

Nachdem ich diverse Schreibprogramme ausprobiert hatte und diese alle irgendwie scheiße fand – hauptsächlich aufgrund vollkommen veralteter UI (ich kann nun mal nicht mit einem Programm arbeiten das ich nicht sexy finde) – habe ich mir einen geschützten Blog angelegt für meine verschiedenen Projekte. Hier arbeite ich sowohl an den Projekten selbst, als eben auch an allem was dazu gehört, vom Exposé über die Outline, Ideen und so weiter. Das könnte ganz gut funktionieren, macht mich aber auch nicht wirklich glücklich.

All das könnte und sollte eigentlich egal sein. Wer schreiben will, nimmt sich ein Stück Papier und schreibt. So einfach ist das. Nur leider funktioniert das bei mir nicht. Ich muss die Tools mit den ich arbeite mögen, ich muss mich damit wohl fühlen und so verschwende ich Stunden, Tage, Jahre damit das richtige Setup zu finden. Ich bin das wirklich leid und frage mich, wie ich das ändern kann. Wenn ich jetzt an meine Sci-Fi Story denke die ich schreiben will. Da sie einigermaßen komplex sein soll, funktioniert es hier denke ich nicht wie wild drauf los zu schreiben. Ich muss schon im groben wissen wer, wer ist, was im groben passieren soll, welcher Twist was bedeutet. Es ist, oder soll eine Geschichte mit verschiedenen Ebene sein. Also bleibt mir nichts anderes übrig als diese Ebenen herauszuarbeiten. Zumindest grob. Wie mache ich das? Wie strukturiert man so ein Monster? Auch will ich nicht die nächsten zwei Jahre an der Struktur arbeiten. Ich würde schon gerne anfangen an der Geschichte zu arbeiten.

Eine Sache die ich die nächsten zwei Wochen schaffen möchte, ist genau das: Das Treatment oder Script für meine Sci-Fi Story zu finden. Doch ich erstarre vor der Aufgabe. Ich scheitere schon am Ambiente: Schreibe ich zu hause oder in einem Café? Wenn ja, welchen – ich kenne keine gemütlichen Cafés und das von JK Rowling ist zu weit weg. Schreibe ich mit Musik oder in aller Stille? Ich fühle mich nicht wohl in kompletter Stille, dann wiederum, ich muss meinen Gedanken Raum geben. Die Möglichkeit sich zu entfalten oder nicht? Schreibe ich abends oder morgens? Oder in der Nacht wenn es an sich eh stiller ist? All das überfordert mich und ich weiß nicht, was für mich das Beste ist. Ich weiß, dass es nicht den einen, richtigen Weg gibt sondern das jeder seinen eigenen  finden muss. Auch ist mir klar das ich einfach Dinge ausprobieren muss um weiter zu kommen. Als Product Manager ist dies genau das, was ich tue: Dinge ausprobieren und davon lernen. Konstantes scheitern genutzt um davon zu lernen. Nicht um sich schlecht zu fühlen, sondern immer fragend was man daraus gelernt hat. Ich will auch nicht behaupten das ich das beruflich immer hinbekomme, ich ärgere mich noch zu sehr wenn ich scheitere. Diese Grundhaltung habe ich sicherlich noch nicht ganz verinnerlicht aber ich arbeite daran. Privat, vor allem was die Schreiberei angeht gelingt mir das gefühlt jedoch noch überhaupt nicht.

Das Problem ist auch das ich gerade mit dieser einen Idee nicht scheitern will. Wenn ich irgendein Buch schreiben würde, was dann scheiße wird, könnte ich damit leben. Sowie nicht jeder Blogartikel grandios sein muss, gibt es ja Ideen an denen man nicht groß hängt. Aber diese Idee bedeutet mir sehr viel. Ich will damit einfach nicht scheitern. Ich könnte es nicht verkraften wenn ich sie fertig schreibe und sie mich nicht überzeugt. Auch das, hält mich davon ab wirklich anzufangen denke ich.

Daneben sind es aber vor allem diese „Hygienefaktoren“ die mich immer wieder abhalten. Sie sind eine wundervolle Ausrede, sich mit irgendeinen Scheiß zu beschäftigen ohne wirklich anzufangen. Was ich suche, gibt es so nicht weswegen ich schon daran gedacht habe es einfach zu bauen. Prima Ausrede: „Entschuldigung, ich konnte meinen Jahrhundertroman nicht schreiben, ich musste erst mal eine vernünftige Software programmieren.“ All die Worte um ein Problem zu beschreiben, statt es zu lösen. Ich bleibe dabei Dinge lieber zu kommentieren als sie zu erschaffen. Ich bin der Formfehler.

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By Ben
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Zum Finden berufen, zum Suchen verdammt.

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