BENSTAGE 17.4 Von der Chance einer Möglichkeit

Die Geschichte ist King

Ich lese zurzeit Das Leben und das Schreiben von Stephen King. Außer den Verfilmungen, hatte ich bisher nie etwas mit King am Hut gehabt. Ich stehe einfach nicht so auf Thriller, Der Dunkle Turm habe ich als Hörbuch versucht, bin aber am zweiten Buch gescheitert. Das spannendste fand ich hier noch seine recht lange Einleitung über das Schreiben, seine Geschichte, der Veränderung der Saga im Laufe der Jahrzehnte und all den interessanten Einblicken über dieses kolossale Werk. Ich stehe auf King, den Typ, weniger auf seine Geschichten, bzw. interessiert mich sein Genre (bisher) nicht wirklich.

Das Buch jedoch macht mich echt happy, der Typ ist einfach geil. Weil es, wie alle seine Werke, nicht gerade kurz ist, unterbreche ich es immer wieder mal für ein kurzes Intermezzo – meistens von Madame Nothomb. King verfasste das Buch zur Jahrtausendwende in Folge eines Autounfalls der ihm beinahe das Leben gekostet hätte. Der Unfall selbst ist jedoch nicht Thema. Grob teilt sich das Buch in zwei Hälften: Seiner Biographie und eben seine Ansichten über das Schreiben, warum man schreibt, wie man schreibt, was er darüber denkt.

Das Buch fesselt mich deswegen, weil King so ein wahnsinnig gerader, aufrechter und im Grunde seines Herzen einfacher Typ ist. Was ich meine ist folgendes: An guten Tagen glaube ich etwas Talent zum Schreiben zu besitzen, alles was mir fehlt ist Zeit, Disziplin und Technik. Ich weiß einfach nicht wie man vernünftig plottet, welche Tools man benutzen sollte, wie man eine Geschichte gezielt entwickelt, Figuren ausarbeitet, die sieben Plot-Points nach Dan Well anwendet und all das gute Zeugs. Es erschlägt und demotiviert mich. Stellt sich heraus, einer der erfolgreichsten Autoren unserer Zeit weiß das auch nicht. Oh na klar weiß er all das, aber er hält sich nicht daran. Sein Weg ist viel einfacher und natürlicher. Sicher hat King auch schon Geschichten konstruiert, meistens aber geht er von einer einfachen Annahme aus: Was wäre wenn… Eine einfache Prämisse, die entweder zur Geschichte wird, oder nicht. Figuren die sich anfangs noch recht holzschnittartig und hohl anfühlen dürfen, wenn sie funktionieren, entwickeln sie sowieso ein Eigenleben. Die Geschichte ist König, Thematik und alles andere folgen später oder auch nicht. Egal, solange es eine lesenswerte Geschichte ist. King versteht sich selbst letztlich nur als der, der eine Geschichte aufschreibt. Er vergleicht seine Arbeit mit der eines Archäologen. Die Geschichte ist schon da, sie liegt tief verborgen im Erdreich (seinem Verstand). Wenn er eine Idee hat wo er suchen muss, muss er diese Geschichte nur noch behutsam freilegen, ohne zu viel davon kaputt zu machen. Um das Skelett möglichst unversehrt freilegen zu können, bedarf es bestimmter Werkzeuge. Je feiner diese sind, desto mehr kann man vom verborgenen Schatz bewahren und ans Licht bringen.

Mir gefällt diese Allegorie sehr gut. Mir gefällt die Idee, nicht nur der Erschaffer von Geschichten zu sein, sondern quasi dessen Geburtshelfer. Entdecker und Kurator. Letztlich muss man sich ja fragen – und das tut er bei jedem neuen Roman – warum will man schreiben? Warum tut man sich diese Entbehrungen an? Warum quäle ich mich seit Jahren mit diesem flüchtigen Traum? Weil ich keinen anderen habe, aber ich denke es ist noch mehr als das. Ich habe das Gefühl ich muss schreiben, ich verstehe nur nicht warum es mir dann so schwer fällt. Warum ich es vielleicht auch nicht kann. Warum das Verlangen wenn die Mittel fehlen? Welch grausamer Scherz! Das ist die andere Dimension von der er spricht. Neben dem Werkzeugkasten kommt es vor allem auf eiserne Disziplin an. An der mangelt es mir bisher. An Disziplin und Durchhaltevermögen. Daran, mich nicht vom ersten Entwurf einschüchtern zu lassen der nach Ernest Hemingway immer scheiße ist. Mich beeindruckt das noch viel zu sehr. Eines meiner Ziele für dieses Jahr – und es sollte mein wichtigstes sein – ist die Fertigstellung zweier Manuskripte. Nun, des jeweils ersten Entwurfs zumindest. Ein hehres Ziel.

King sagt das es möglich sein sollte jedes Manuskript in drei Monaten zu verfassen. Gut, der Mann macht das hauptberuflich, ich nicht. Ich gebe mir also gerne doppelt solange. Ich habe mir das schon oft vorgenommen. Der Grund warum ich die leise Hoffnung habe das es dieses mal etwas werden könnte, ist neben einer inzwischen recht konkreten Idee vor allem Verlust. Der Verlust von inzwischen 28 Kilo. Auch das, hatte ich mir immer und immer wieder vorgenommen. So oft bin ich gescheitert, doch seit Mai letzten Jahres beweise ich Disziplin und mache immer weiter. Ich bin gewillt noch mehr zu erreichen. Ich weiß also, dass ich das kann. Jetzt muss es mir nur noch gelingen, diese Disziplin auch auf meine Schreiberei zu übertragen. Neben Job und Leben ist das hart, aber nicht unmöglich.

Ich weiß das mir noch mehr Dinge fehlen. Seit einigen Jahren komme ich mir nicht sonderlich kreativ vor. Nicht besonders geistreich. Meine Ideen scheinen mir so la la. Kann man machen, muss man aber auch nicht. Darüberhinaus fehlen mir aber auch noch ganz banale Dinge, wie ordentliche Grammatikkenntnisse. Ich kann die verschiedenen Fälle nach wie vor nicht unterscheiden. Peinlich. Ich bereue es sehr, da in der Schule nicht besser aufgepasst zu haben.

Früher habe ich nicht gerne gelesen. Wirklich gerne lesen tue ich auch nach wie vor nicht, aber ich tue es. Getreu dem Motto „Wer keine Zeit zum Lesen hat, hat keine Zeit zum Schreiben“ habe ich seit einiger Zeit immer irgendein Buch am Wickel, bzw. mehrere. Ich merke das mir das gut tut und hoffentlich hilft das Handwerk was ich so begehre besser zu verstehen. Natürlich muss man schreiben. Ich habe mir vorgenommen neben meinen Projekten alle zwei Wochen hier irgendeinen Text oder Kurzgeschichte zu veröffentlichen. Klappt bisher so semi-geil. Ich habe eine Idee, an der ich diese Woche noch feilen möchte. Ich habe mehrere Ideen, aber kaum eine begeistert mich wirklich. Aber ich muss das mehr als Übung sehen. Nicht jede Idee muss brillant sein.

Was mich an King beeindruckt und motiviert ist, dass er viele Dinge einfach macht. Er entdeckt seine Geschichten schreibend. Das klingt so einfach und romantisch. Es klingt nach Entdeckungsreise, weniger nach Arbeit. Ich glaube schon dass das für viele Geschichten funktionieren kann, aber nicht für alle. Ich wüsste nicht wie ich die Sci-Fi Story, bzw. die Karikatur einer Idee die mich seit Jahren quält einfach so schreibend entdecken sollte. Dafür ist sie zu komplex, hat (oder soll haben) zu viele Ebenen und Twists. Diese muss ich vorher konstruieren, aber dafür fehlt mir entweder das Talent oder die Technik oder beides. Es entspricht mir nicht, einfach so drauf los zu arbeiten. Zumindest glaube ich das, oder will das von mir glauben. Ich bin jemand der gerne Dinge vorbereitet, sich in endlosen Details über Nichtigkeiten verliert. Aber vielleicht mache ich mir hier etwas vor. Ich benutze Vorbereitung und so weiter oft auch als Ausrede um nicht wirklich anfangen zu müssen. Ich muss das reduzieren und mehr machen, mehr ausprobieren. Scheitern, wird dazu gehören. Das muss ich akzeptieren. King empfiehlt jeden Tag zu schreiben. 2.000, als Anfänger könne man sich auch mit 1.000 zufrieden geben. Klingt viel, ist es aber nicht. Dieser Artikel hat schon mehr als 1.100 Wörter. Mir fällt es nicht schwer „soviel“ zu schreiben. Aber mir fällt es schwer mich für ein bestimmtest Projekt hinzusetzen und konzentriert zu schreiben. Dazu muss ich mich zwingen. Ich habe einfach keine andere Wahl mehr.

Foto Quelle : www.syfy.com

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By Ben
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Zum Finden berufen, zum Suchen verdammt.

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